Dekubitus

"EPUAP-Wundkategorien dürfen nicht für die Produktzuordnungen genutzt werden"

BVMed zu Hilfsmitteln gegen Dekubitus

Die Dekubitusgrad-Einteilung der europäischen Organisation EPUAP ("European Pressure Ulcer Advisory Panel") darf nicht dazu genutzt werden, um einem festgestellten Druckgeschwür spezielle Produkte zuzuordnen. Darauf weist das Dekubitus Forum (DF) des Bundesverbandes Medizintechnologie (BVMed) hin. In der Praxis würden die EPUAP-Wundkategorien trotz wiederholter Klarstellungen der EPUAP-Geschäftsstelle aber weiter zur Auswahl von Produkten herangezogen. "Diese fälschliche Nutzung muss aufhören", forderte die BVMed-Hilfsmittelexpertin Daniela Piossek.

Gängige Praxis des GKV-Spitzenverbandes sei es nach Meinung der DF-Experten, dass bei der Beantragung für die Aufnahme eines Produktes ins Hilfsmittelverzeichnis Hersteller angeben müssten, bis zu welchem Stadium das Produkt eingesetzt werden könne. "Diese Angabe führt dazu, dass der Patient nicht das von ihm benötigte individuelle Produkt erhält. Der richtige Weg wäre, die Auswahl allein auf der Grundlage der Ergebnisse des Erhebungsbogens und gegebenenfalls auch entsprechend den Hinweisen aus dem Expertenstandard vorzunehmen", so der BVMed. Nur so könne sichergestellt werden, dass der Patient auch das von ihm individuell benötigte Produkt erhält.

Die EPUAP-Geschäftsstelle bestätigte gegenüber dem DF, dass die Dekubitusgrad-Einteilung der europäischen Organisation "ausdrücklich nicht entwickelt wurde, um spezielle Produkte einem festgestellten Druckgeschwür zuzuordnen." Weiter heißt es: "Bis heute gibt es keinen Beweis zur Bestimmung, welche unterstützende Oberfläche einem entsprechenden EPUAP-Dekubitusgrad zugeordnet werden könne. Dieser Ansatz ist falsch, irreführend und in keiner Weise von EPUAP unterstützt oder zugelassen."

Unter Dekubitus versteht man ein Druckgeschwür, das entsteht, wenn ständiger Druck auf bestimmte Hautareale deren Versorgung mit sauerstoffreichem Blut verhindert. Druckgeschwüre zählen zu den chronischen Wunden. Betroffen sind in Deutschland rund 1,5 Millionen Menschen.

"Dekubitus ist ein ernsthaftes Problem. Er kann lebensgefährdend sein. Daher müssen wir die Versorgungssituation durch eine konsequente Anwendung der bestehenden Erhebungsbögen und eine schnellere Genehmigungspraxis für die erforderlichen Antidekubitus-Hilfsmittel durch die Krankenkassen verbessern", so Piossek. Gemeinsames Ziel mit der europäischen Initiative EPUAP sei es, mehr Bewusstsein für die Vermeidung von Dekubitus zu schaffen und Entscheidungsträger und Patienten zu sensibilisieren.

Das Dekubitus Forum, das von Mitgliedsunternehmen des BVMed-Fachbereichs "Hilfsmittel gegen Dekubitus" gegründet wurde, hat sich u. a. zum Ziel gesetzt, eine patientenorientierte Versorgung und Produktauswahl durch Aufklärungs- und Öffentlichkeitsarbeit zu unterstützen. Weitere Informationen zum Thema gibt es unter www.dekubitus-forum.de. Unter "Downloads" können hier auch die Erhebungsbögen heruntergeladen werden.
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