Aktuelle Wirtschaftslage

"Branche lebt von der Substanz"

Gastbeitrag von Prof. Dr. Hanns-Peter Knaebel, Vorstandsvorsitzender der Aesculap AG

aus: DeviceMed, Mai 2014, www.devicemed.de

Schon mit der allgemeinen Wirtschaftslage hätten Medizintechnikhersteller genug zu kämpfen. Zudem stehen die Krankenhäuser als ihre wichtigsten Abnehmer massiv unter Druck. Und dann sind da noch wachstumszehrende Währungseffekte und immer wieder Seitenhiebe von den Krankenkassen. Eine Bestandsaufnahme.

Der Krankenhausmarkt in Deutschland, wie auch in vielen anderen Ländern der Welt, ist weiterhin stark unter Druck. Die Anzahl der profitabel arbeitenden Krankenhäuser nimmt ab und die Finanzierung der sozialen Sicherungssysteme ist aufgrund der kritischen Finanzlage vieler Länder nicht nur in der westlichen Welt sehr angespannt. Somit bleibt für dringend notwendige Investitionstätigkeiten der Krankenhäuser weiterhin nur wenig Spielraum, wobei sich insbesondere in Deutschland der Investitionsstau laut Schätzungen der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) inzwischen auf über 50 Mrd. Euro beläuft. Bis zu 700 deutsche Kliniken sind langfristig nicht überlebensfähig.

„Krankenhäuser halten sich mit Investitionen zurück“

Zudem führt die starke Entwicklung des Euro zu einer relativen Schwäche verschiedener wichtiger Währungen, wie zum Beispiel des US-Dollars, des japanischen Yen, des brasilianischen Real und auch des chinesischen RMB. Obwohl weiterhin die Patientenversorgung in allen Industrieländern gesichert ist, so nehmen doch in vielen Ländern die Wartezeiten für den Erhalt einer Behandlung stetig zu. In diesem Zusammenhang werden insbesondere Investitionsgüter in den Krankenhäusern inzwischen sehr zurückhaltend erworben.

Das angespannte Klima zwischen Leistungserbringern im Gesundheitswesen und den Kostenträgern setzt sich vor allem hier in Deutschland fort. Die leistungserbringenden Kliniken kämpfen weiterhin sehr engagiert um eine Ausweitung der finanziellen Erstattung ihrer erbrachten Leistungen. Ungeachtet dessen eröffnen die Krankenkassen, angeführt von der größten deutschen Krankenkasse AOK, immer wieder Qualitätsdiskussionen und hinterfragen den Umfang der erbrachten Leistungen – insbesondere in der Orthopädie und Wirbelsäulenchirurgie. Durch die erzeugte Verunsicherung sowohl bei Leistungserbringern wie auch bei Patienten sind die Operationszahlen in erster Linie in den genannten Bereichen rückläufig.

„Trotz allem bleibt Standort Deutschland attraktiv“

Aufgrund der negativen Geschäftsergebnisse von etwa der Hälfte aller deutschen Kliniken werden immer häufiger strategische Allianzen gesucht. Kommunale Träger wollen in vielen Fällen zwar die Krankenhausstandorte nicht aufgeben, sind aber auch nicht mehr bereit, Defizite der von ihnen betriebenen Kliniken mittel- bis langfristig zu tragen. Allerdings nimmt die deutsche Medizin- und Krankenhausversorgung weiterhin einen weltweiten Spitzenplatz ein, so dass der Standort Deutschland für innovative Medizintechnikunternehmen wie die Aesculap AG und die B. Braun Melsungen AG wichtig und attraktiv bleibt – auch wenn die Branche derzeit von der Substanz lebt.
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