Telemedizin

Jede:r zehnte Schlaganfall-Patient:in wird per Telemedizin versorgt

Die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) spricht der Telemedizin eine zentrale Bedeutung zur Behandlung eines Schlagfalls zu. Neurolog:innen aus spezialisierten Schlaganfallzentren unterstützen über 100 Mal pro Tag per Videoverbindung Kolleg:innen aus Partnerkliniken bei der Diagnose und Behandlung, so der DSG. Davon würde inzwischen jede:r zehnte Schlaganfall-Patient:in profitieren. Immerhin zählt bei einem Schlaganfall jede Minute, um Leben zu retten und Behinderungen zu reduzieren und verhindern. Auf ihrer Online-Pressekonferenz diskutierten die DSG-Expert:innen verschiedenen Ansätze der Teleneurologie und deren Finanzierung. Zur Pressemittelung vom Oktober 2021 der DSG.


Wenn ein Mensch einen Schlaganfall erleidet, entscheidet die Zeit bis zur Diagnose und Behandlung über sein weiteres Schicksal. Das Blutgerinnsel, das sich im Gehirn gebildet hat, muss so schnell wie möglich wieder aufgelöst oder entfernt werden. Je früher Ärzt:innen feststellen, dass ein Schlaganfall vorliegt, desto eher kann mit der Behandlung begonnen werden. „Da nicht bei jedem Notruf ein spezialisierter Neurologe als erster Arzt vor Ort ist, kann es lebensrettend sein, wenn diese Experten über Video zugeschaltet werden und den behandelnden Arzt bei der Diagnose und bei seinen Entscheidungen über die nötigen therapeutischen Schritte beraten können“, erklärt Professor Dr. med. Christoph Gumbinger, Sprecher der Kommission Telemedizinische Schlaganfallversorgung der DSG. Durch die Telemedizin können Neurolog:innen an spezialisierten Zentren (Stroke-Units) Kolleg:innen im Rettungsdienst oder an kleineren Kliniken über moderne Telekommunikationsmittel unterstützen (Telekonsil). In Deutschland seien über 20 telemedizinische Netzwerke mit mehr als 200 neurologischen Kliniken miteinander verbunden.

Vor allem auf dem Land mit einer geringeren Fachärzt:innen- und Krankenhausdichte, aber auch in großen Städten würden Neurolog:innen positive Erfahrungen mit der Teleneurologie und deren Einsatz in Rettungswägen machen – so zum Beispiel in Berlin mit den Stroke-Einsatz-Mobilen (STEMOs). Diese Rettungswägen sind in der Hauptstadt bereits seit zehn Jahren im Einsatz. „Mit Hilfe dieser speziell für Schlaganfallpatienten ausgerüsteten Fahrzeuge kann die Behandlung schon am Einsatzort beginnen“, so der Neurologe Gumbinger vom Universitätsklinikum Heidelberg. „Wie Wissenschaftler der Berliner Charité nachweisen konnten, haben Patienten, die auf diese Weise behandelt wurden, eine viel bessere Chance ohne Behinderung einen Schlaganfall zu überleben.“

Spielte die teleneurologische Schlaganfallversorgung zunächst vor allem bei der Akutversorgung von Schlaganfallpatient:innen eine zentrale Rolle, so würden sich inzwischen weitere Vorteile zeigen: „Vom Transport ins erstbehandelnde Krankenhaus über die Verlegung zur endgültigen Behandlung in eine spezialisierte Klinik bis hin zur Rehabilitation kann Telemedizin die Chancen für Schlaganfallpatienten auf eine gesunde und behinderungsfreie Zukunft verbessern“, so erläutert der DSG-Experte Gumbinger die Vorteile der teleneurologischen Schlaganfallbehandlung. Denn auch in der Phase der frühen Krankenhausbehandlung würde der Nutzen der Telemedizin über die Erstberatung hinausgehen. Die Partnerklinik startet häufig eine Lysetherapie und verlegt den/die Patient:in zur weiteren Therapie in ein Schlaganfall-Zentrum, meistens in eine überregionale Stroke Unit. Noch während der Krankenwagen unterwegs ist, wird in der Stroke Unit bereits die Entfernung des Blutgerinnsels geplant. Bei Ankunft wurden die CT- oder MRT-Bilder bereits elektronisch an die Teleneurolog:innen übermittelt und die Spezialist:innen vor Ort kennen den klinischen Zustand des/der Patient:in schon so genau , dass in der Stroke-Unit sofort mit dem Eingriff begonnen werden kann.

Durch die Corona-Pandemie hat die Telemedizin – und damit auch die teleneurologische Versorgung – einen weiteren Schub bekommen. Die DSG begrüßt das ausdrücklich, fordert jedoch neue Finanzierungskonzepte. „Obwohl die Telemedizin die Versorgung von Schlaganfallpatienten deutlich verbessern kann, ist ihre Finanzierung in Deutschland nicht einheitlich geregelt und einige Netzwerke sind finanziell nicht ausreichend versorgt. Die DSG fordert die Politik auf hier nachzubessern“, so Gumbinger abschließend.

Quelle: Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft, Oktober 2021, Pressemittelung: Jeder zehnte Schlaganfall-Patient wird per Telemedizin versorgt – DSG-Experten fordern einheitliche Finanzierung.
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