Diabetes-Technologien

Diabetologen schätzen digital unterstützte Versorgung

ÄrzteZeitung Online vom 27. Januar 2022

Die Patientenversorgung in diabetologischen Einrichtungen wird zunehmend digitaler, wie der aktuelle Digitalisierungs- und Technologiereport 2022 zeigt.

Als datengetriebene Erkrankung eignet sich der Diabetes besonders gut für eine digital unterstützte Versorgung. Das erkennen auch die Diabetologinnen und Diabetologen in Deutschland.

Der aktuelle Digitalisierungs- und Technologiereport 2022 (D.U.T), dessen vierte Ausgabe Ende Januar 2022 im Rahmen des DiaTec-Kongresses vorgestellt wurde, zeigt: Die Patientenversorgung in diabetologischen Einrichtungen wird zunehmend digitaler.

Im Durchschnitt nutzen demnach pro diabetologischer Einrichtung 495 Menschen mit Diabetes eine Form der kontinuierlichen Glukosemessung (CGM und Flash-Glukosemessung), 102 Menschen eine Insulinpumpe und 19 ein AID-System. Eine deutliche Zunahme im Vergleich zu den Vorjahren.

Allerdings ist der Zuwachs geringer als in den Jahren davor. Nach Einschätzung der Autoren des Reports könnte das „eventuell auch eine Auswirkung der COVID-19-Pandemie sein“, weil Patientinnen und Patienten im vergangenen Jahr corona-bedingt seltener die Praxis aufsuchten. Entsprechend weniger könnten Ärzte die modernen Technologien verordnet haben, da diese noch immer beratungsintensiv sind.

An der Befragung zum aktuellen D.U.T haben insgesamt 305 Ärztinnen und Ärzte teilgenommen, davon arbeiteten die meisten in einer Gemeinschaftspraxis (49,2), einem Medizinischen Versorgungszentrum (9,4 Prozent) oder einer Praxisgemeinschaft (6,2 Prozent).

Die Stichprobe ist damit zwar nicht repräsentativ für alle Diabetologen, wohl aber lassen sich Rückschlüsse auf die Verbreitung neuer Technologien in der Diabetologie schließen. Hier zeigt sich: Der Trend setzt sich fort; sie gehören mittlerweile in allen diabetologischen Einrichtungen zum Behandlungsstandard.

Die befragten Diabetologinnen und Diabetologen äußern im D.U.T insgesamt eine positive Einstellung zur Digitalisierung, nur wenige lehnen sie ab (3,3 Prozent). Im Vergleich zum allgemeinen Trend in der Bewertung der Digitalisierung des Gesundheitswesens ist dieses Ergebnis eher überraschend, könnte aber damit begründet sein, dass in der Diabetologie der Nutzen breiter erkannt werden kann. Kontinuierliche Datenauswertungen spielen eine deutlich größere Rolle als in anderen Fachrichtungen.

Die meisten befragten Diabetologen geben an, dass die Digitalisierung und eingesetzte Technologien die diabetesbezogenen Belastungen für die Patienten reduzieren. Gleichzeitig gibt ein Viertel der Befragten an, dass die Belastungen durch geringe Digitalkompetenz, technische Überforderung, Hautirritationen oder störende Alarme auch zunehmen könnten.

Die wichtigsten Themenfelder, die befragten Diabetologen in dem Report für die Zukunft ausmachen sind AID-Systeme, die Kompatibilität verschiedener Systeme sowie Software zur Analyse von Glukosedaten. Online-Video-Schulungen oder Selbsthilfe im Internet sind dagegen nach Einschätzung der Diabetologen keine wichtigen Säulen.

Insgesamt schätzen sich die befragten Diabetologen als „sehr interessiert, engagiert und recht kompetent“ ein hinsichtlich neuer Technologien und der Digitalisierung, wie es im D.U.T heißt. Von Patientinnen und Patienten wird diese Einschätzung nicht geteilt. Insgesamt 2417 Diabetiker wurden für den Report befragt. Sie nehmen die Ärzte weniger interessiert und engagiert wahr.

Quelle: ÄrzteZeitung Online vom 27. Januar 2022
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