Closed-loop-System

Automatisierte Insulintherapie bewährt sich bei Kleinkindern mit Typ-1-Diabetes

ÄrzteZeitung Online vom 21. Januar 2022

Mit automatisierter Insulintherapie ließ sich in einer Studie der Stoffwechsel zuckerkranker Kleinkinder deutlich besser einstellen als mit manueller Insulinabgabe. Das Hypoglykämierisiko wurde nicht erhöht und Eltern wurden entlastet, berichtet die ÄrzteZeitung Online.

Die Blutzuckereinstellung von kleinen Kindern mit Typ-1-Diabetes ist schwierig, was an den alterstypischen spontanen Aktivitätswechseln und dem kaum kontrollierbaren Essverhalten liegt. Eltern haben dabei große Mühe, die Glukosewerte zu überwachen und die Insulintherapie angemessen anzupassen.

Eine aktuelle Studie zeigt nun, dass sich die Situation mit einem hybriden closed-loop-System mit Glukosesensor und Insulinpumpe sowie Glukosemanagement per Handy-App verbessern lässt. Der Blutzucker der Kinder lässt sich damit besser kontrollieren und die Eltern der Betroffenen werden entlastet, wie ein Team um Professor Roman Hovorka von der Cambridge University in England berichtet (N Engl J Med 2022; online 20. Januar).

Vergleich mit sensorunterstützter Pumpentherapie

In der KidsAP-Studie wurde die Insulintherapie mit einem closed-loop-System mit der nächstbesten Option, der sensorunterstützten Pumpentherapie, verglichen. Die beiden Therapieformen haben entscheidende Unterschiede:
  • Beim closed loop-System wird der Insulinbolus anhand der vom CGM-Sensor gemessenen Glukosewerte nach einem Algorithmus ermittelt (in der Smartphone-App) und automatisch von der Pumpe abgegeben (Ausnahme: Bei den Mahlzeiten müssen Eltern die Insulinmenge noch manuell an der Pumpe anpassen). Die App (CamAPS FX) als Kernelement des Systems und der Algorithmus wurden dabei an der Universität Oxford entwickelt.
  • Bei der sensorunterstützten Pumpentherapie wird der Insulinbolus anhand der mit CGM gemessenen Glukosewerte noch selbst ermittelt. Die Eltern müssen dabei also den Glukosespiegel ihres Kindes laufend überprüfen und dann die von der Pumpe verabreichte Insulinmenge manuell anpassen.

An der Studie in England, Österreich, Luxemburg und Deutschland nahmen 74 Kinder mit Typ-1-Diabetes im Alter von 1 bis 7 Jahren mit ambulanter Insulinpumpentherapie teil. Bei dem Crossover-Design wurden die Kinder über 16 Wochen entweder mit dem closed-loop-System oder mit der sensorunterstützten Therapie behandelt. Danach wurde gewechselt, sodass zum Schluss alle Kinder je 16 Wochen mit den beiden Therapieformen behandelt worden waren.

Ergebnis: Unter der closed-loop-Therapie war bei den Kindern der Anteil der täglichen Zeit mit Glukosewerten im Zielbereich („time in range“, 70-180 mg/dl) deutlich größer als unter der Vergleichstherapie (62,9 vs. 71,6 Prozent). Der Unterschied bedeutet bei closed-loop-Versorgung täglich zusätzliche 125 Minuten länger mit guten Glukosewerten.

Fazit der Autoren: Die hybride closed-loop-Therapie führte in der Studie im Vergleich zur sensorunterstützten Pumpentherapie zu einer deutlich besseren Stoffwechseleinstellung ohne bei den kleinen Kindern den Anteil der Zeit mit Glukosewerten im Hypoglykämiebereich zu erhöhen. Gleichzeitig wurden die Eltern durch das System entlastet.

Quelle: ÄrzteZeitung Online vom 21. Januar 2022
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