HKE-Strategie

Lauterbach will Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes aktiv aufspüren

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach will durch in Gesetz zur Früherkennung von Volkskrankheiten Herz-Kreislauf-Erkrankungen (HKE) und Diabetes aktiv und früher aufspüren. Hausärzte, Apotheker und Krankenkassen sollen dazu in einer konzertierten Aktion zusammenwirken, um Lücken bei der Diagnose von häufigen Erkrankungen zu schließen, berichtet die ÄrzteZeitung Online.

Jeder dritte Todesfall in Deutschland geht auf eine Herz-Kreislauf-Erkrankung zurück. Damit sind diese Erkrankungen die häufigste Todesursache hierzulande. Jetzt will Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) die Früherkennung von Herz-Kreislauferkrankungen in einem eigenen Gesetz regeln. „Wir machen eine konzertierte Aktion von Hausärzten, Apotheken und Krankenkassen“, sagte der Minister Ende Oktober 2023 vor Journalisten in Berlin.

Es gebe viele nicht erkannte Fälle von Bluthochdruck und Stoffwechselstörungen, sagte Lauterbach nach Verhandlungen mit dem Apothekenverband, den Krankenkassen und Ärzten. Und von denen, von denen diese Risiken bekannt seien, werde ein zu geringer Teil behandelt. Das seien die Ursachen für die hohe Sterblichkeit von Menschen mit diesen Indikationen. Gleichzeitig hätten die Krankenkassen gerade an dieser Stelle sehr hohe Ausgaben. Für Linksherzkatheter, Herzklappen und Stents und weitere Interventionen in diesem Bereich alleine gaben die Kassen im Jahr 2020 rund 57 Milliarden Euro aus.

Möglichkeit, Kosten zu senken

„Der Hauptgrund dafür ist, dass wir es bei den Herz-Kreislaufbehandlungen nicht schaffen, die Früherkennung und die frühe Behandlung der Risikofaktoren in den Griff zu bekommen“, sagte Lauterbach. Hier gebe es also eine Möglichkeit, Kosten zu senken. (...)

U9-Untersuchung soll Familien mit erfassen

Konkret plant Lauterbach mit dem Gesetz, bei der U9-Untersuchung von Jugendlichen das familiäre Risiko gleich mit abzurufen. Zudem sollen die Kassen zu den Check-ups bei den Hausärzten im Alter von 25, 35 und 50 aktiv einladen und bei der Terminfindung helfen. In den Apotheken wiederum sollen Cholesterinwerte, Blutdruck, Blutzucker und Body Mass-Index gemessen werden.

Der niedergelassene Kardiologe und Vertreter der Deutschen Herzstiftung in der Runde Dr. Benny Levenson nannte drei Ziele. Ein Screening bei Kindern, das Miterfassen der Familien und den Ausbau der Chronikerprogramme (DMP).

Minister fordert zur Zusammenarbeit auf

„Wir können nicht länger hinter dem Möglichen zurückbleiben“, sagte Lauterbach. Die Berufsgruppen, die dabei helfen könnten müssten daher miteinander und nicht gegeneinander arbeiten. Damit sprach Lauterbach die Zusammenarbeit von niedergelassenen Ärzten und Apotheken an, die in Lauterbachs Konzept eine tragende Säule sein soll. Die Apotheker seien eine wichtige Ressource, um bei der Früherkennung mitzuwirken.

Er habe den Deutschen Hausärzteverband um Vorschläge gebeten, wie Ärzte und Apotheker zusammenarbeiten könnten und die Adhärenz der Betroffenen bei Lebensstiländerungen verbessert werden könnten. Die Krankenkassen wiederum könnten ebenfalls eine aktive Rolle bei der Bekämpfung dieser Krankheiten spiele. (...)

Quelle: ÄrzteZeitung Online vom 30. Oktober 2023
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