Fachjournal Clinical Nutrition veröffentlicht Kategoriensystem des BVMed und des Diätverbandes

Der Fachbereich Künstliche Ernährung (FBKE) des Bundesverbandes Medizintechnologie (BVMed) hat gemeinsam mit dem Diätverband ein Kategorisierungssystem für Lebensmittel für besondere medizinische Zwecke (Food for Special Medical Purposes, FSMP) erarbeitet. Dieses teilt Produktarten, die bei der enteralen Ernährung Anwendung finden, praxisorientiert und entsprechend dem Stand der Wissenschaft und aktueller Leitlinien ein. Die so geschaffene Systematik ermöglicht die korrekte Einordnung der Produkte für die Anwender und Behörden auf Basis ihrer produktspezifischen Eigenschaften.

Das Kategorisierungssystem wurde Ende Oktober 2015 von der englischsprachigen Online-Fachzeitschrift "Clinical Nutrition ESPEN" der Europäischen Gesellschaft für klinische Ernährung und Stoffwechsel (European Society for Clinical Nutrition and Metabolism, ESPEN) veröffentlicht. Der BVMed setzt damit gemeinsam mit dem Diätverband wichtige Impulse, um enterale Ernährungs-Therapien sowohl für Anwender als auch für Verordner und Kostenträger sinnvoll und nachvollziehbar zu kategorisieren und zur Versorgungssicherheit beizutragen. Dies kommt letztlich auch dem Patienten zu Gute. Der Artikel kann in englischer Sprache unter www.clinicalnutritionespen.com (Articles & Issues / Articles in Press) abgerufen werden.

Auch die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat im Rahmen der Anpassung des Europäischen Diätrechts neue Leitlinien zur Beurteilung von Lebensmitteln für besondere medizinische Zwecke herausgegeben. Diese schlagen vor, wie solche Produkte im Zweifelsfall geprüft werden sollen. Die Leitlinien wirken sich auch auf das derzeit laufende Gesetzgebungsverfahren der EU aus.

Parallel dazu diskutierten Experten auf der jährlichen Fachtagung der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM) am 23. und 24. Oktober 2015 in Irsee den derzeitigen Stand von Ernährungstherapien mit Produkten für besondere medizinische Zwecke bei vulnerablen – also sehr anfälligen – Intensivpatienten. Dabei legte Prof. Dr. Arved Weimann von der Klinik für Allgemein- und Visceralchirurgie am Klinikum St. Georg in Leipzig ein besonderes Augenmerk auf die teils schwierigen ethischen Fragestellungen, die nicht nur bei der Ernährungstherapie von Intensivpatienten alle Betroffenen beschäftigen. Weimann führte aus, dass auch beim Vorliegen von Leitlinien immer die individuellen Umstände berücksichtigt und in die Entscheidung für oder gegen eine Maßnahme einbezogen werden müssen.

In Deutschland sind jährlich rund zwei Millionen Menschen mangelernährt oder von Mangelernährung bedroht. Die Ursachen hierfür sind unter anderem konsumierende – also den Körper aufzehrende – Erkrankungen, wie einige Krebsarten oder ein krankheitsbedingter interventionsbedürftiger Gewichtsverlust, beispielsweise nach längerem Krankenhausaufenthalt. Sind die Verdauungsorgane gesund oder zumindest eingeschränkt funktionstüchtig, können die Betroffenen enteral ernährt werden. Die Lebensmittel für besondere medizinische Zwecke enthalten alle lebenswichtigen Nährstoffe. Sie können dem Patienten sowohl zur ausschließlichen, als auch ergänzenden Ernährung entweder oral als Trinknahrung oder mittels einer Magensonde zugeführt werden.

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