Moderne Wundversorgung

BVMed: "Behandlung chronischer Wunden neu ausrichten"

Neue Studie der Universität Witten / Herdecke

Der Bundesverband Medizintechnologie, BVMed, fordert eine bessere Versorgung für Patienten mit chronischen Wunden. Die Behandlung entspricht oft nicht dem aktuellen Stand medizinischer und pflegerischer Leitlinien. Abhilfe könnte die Förderung ambulanter Pflegeeinrichtungen und spezialisierter Versorgungsnetzwerke schaffen, so BVMed-Geschäftsführer und Vorstandsmitglied Joachim M. Schmitt.

Zwischen ein und zwei Millionen Menschen leiden nach Schätzungen in Deutschland unter einer chronischen Wunde. Die Behandlung dauert oft mehrere Monate, manchmal sogar Jahre. Sie erfordert häufige Arzt- und Pflegebesuche und beeinträchtigt das Leben der Betroffenen meistens massiv.

Hauptproblem der Betroffenen sind nach einer aktuellen Studie die Wundschmerzen. Demnach bezeichnete jeder vierte Betroffene seine Schmerzen als unangenehm, fast jeder Dritte als belastend, für 13 Prozent der Befragten waren sie "fürchterlich". Nur rund sechs Prozent gaben an, schmerzfrei zu sein. Das ergab eine Querschnittsstudie des Departments für Pflegewissenschaft der Universität Witten / Herdecke. Für die Untersuchung wurden Daten von 146 Menschen mit chronischen Wunden erhoben, die von ambulanten Pflegediensten zu Hause versorgt wurden.

Wundexperten helfen beim Selbstmanagement

Die Therapie chronischer Wunden erfolgt immer öfter durch ambulante Dienste in der Wohnung der Patienten. Die Studie des Departments für Pflegewissenschaft der Universität Witten / Herdecke hat auch die Fähigkeit der Betroffenen untersucht, ihre Wunden so weit es geht selbst zu versorgen. Dieses sogenannte Selbstmanagement erwies sich dann als gut, wenn den Patienten von den versorgenden Wundexperten ein angemessenes krankheitsspezifisches Wissen vermittelt worden war. Die Studie kommt zu dem Schluss, dass die ambulante Langzeitbetreuung von Menschen mit chronischen Wunden den Pflegenden ermöglicht, Defiziten der Betroffenen im Umgang mit ihren Wunden entgegenzuwirken. Dadurch kann die Lebensqualität der Menschen mit chronischen Wunden verbessert werden.

Therapieerfolge in speziellen Versorgungsnetzwerken

"Die Studie zeigt einmal mehr, wie wichtig die adäquate Behandlung chronischer Wunden ist", so Schmitt. Nach Ansicht des BVMed entsprechen die derzeit vorhandenen Versorgungsstrukturen jedoch oft nicht dem aktuellen Stand medizinischer Forschung. Außerdem ziehen sich viele Praxen aus der Wundbehandlung zurück, weil die aktuellen Vergütungen den nötigen Behandlungsaufwand nicht decken. Der BVMed warnt: "Um Behandlungsengpässe in Zukunft zu vermeiden, müssen sich die Versorgungsstrukturen deutlich verbessern."

Nach Ansicht des BVMed ist es dringend nötig, bei allen Beteiligten noch stärker das Wissen darüber zu verankern, wie wirksam die moderne Wundversorgung und ihre phasengerechte Anwendung tatsächlich sind. Hierbei hilft der Blick auf Best-Practice-Beispiele: In spezialisierten, multidisziplinären Versorgungsnetzwerken werden bei chronischen Wunden sehr gute Therapieerfolge erzielt. In solchen Netzwerken ist es möglich, Patienten fachgerecht und strukturiert zu versorgen und basierend auf einer adäquaten initialen Diagnostik ohne zeitliche Verzögerung mit einer angemessenen modernen, phasengerechten Wundversorgung schnell zu behandeln, um die Chancen zur Heilung zu verbessern.

"Diese Versorgungsnetzwerke gezielt zu fördern, wäre ein wesentlicher Schritt, um die Behandlung von Menschen mit chronischen Wunden voranzubringen", so BVMed-Wundversorgungsexpertin Daniela Piossek. Im Rahmen des ersten "Wunddialogs" am 1. Dezember 2015 beim BVMed in Berlin sollen Ärzten, Fachgesellschaften und Kostenträgern die Möglichkeiten dieser integrierten Versorgungsnetzwerke vorgestellt werden. Hierbei werden unterschiedliche Beispiele dieser interdisziplinären Versorgungsstrukturen präsentiert. Im Anschluss daran sollen in Vorträgen und Diskussionsrunden gemeinsam mit allen Beteiligten des Gesundheitssystems neue Lösungen für die Versorgung chronischer Wunden gesucht und erörtert werden.

Mehr Informationen zur "Initiative für moderne und phasengerechte Wundversorgung im BVMed" unter www.info-wundversorgung.de.

Kontakt für Beispiele und Ansprechpartnerin beispielhafter Versorgungsstrukturen: Daniela Piossek, Leiterin Referat Krankenversicherung beim BVMed, piossek@bvmed.de.
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