DRG-System

"Pauschale Absenkung der DRG-Sachkostenanteile führt zu Qualitätseinbußen in der Patientenversorgung"

BVMed kritisiert InEK-Konzept

Der Bundesverband Medizintechnologie (BVMed) hat ein Konzept des DRG-Kalkulationsinstituts InEK kritisiert, das bei sachkostenintensiven Fallpauschalen Abschläge bis zu 14 Prozent vorsieht. Der Gesetzgeber hatte mit dem letzten Krankenhausreformgesetz eine Analyse von Übervergütungen vorgesehen. "Das vorgestellte InEK-Konzept sieht allerdings keine Analyse vor, sondern unterstellt eine generelle Übervergütung von Sachkostenanteilen bei allen DRGs und kürzt pauschal. Darunter werden insbesondere die Hochleistungsmedizin und die Qualität der Patientenversorgung leiden", so BVMed-Geschäftsführer und Vorstandsmitglied Joachim M. Schmitt in einer Stellungnahme. Der BVMed schlägt eine schrittweise und gezieltere Analyse und Umsetzung vor, um neue Fehlanreize zu vermeiden.

Zum Hintergrund: Das DRG-Institut InEK hatte zum DRG-Forum 2016 einen Vorschlag vorgelegt, der die generelle Übervergütung der Sachkosten aller Fallpauschalen unterstellt, ohne die dafür begründenden Daten auszuweisen. Als Konsequenz führt der Vorschlag zu einer massiven Umverteilung der Mittel, ohne die möglichen Folgen von Fehlanreizen und Fehlsteuerungen in der Patientenversorgung zu berücksichtigen. "Insbesondere fließen die Mittel hin zu Krankenhäusern geringer Versorgungsstufen. Hochspezialisierte Universitätskliniken und Zentren verlieren dagegen überproportional Finanzmittel, die zu Qualitätseinbußen in der Patientenversorgung führen werden", analysiert der BVMed.

Der alternative Lösungsansatz des BVMed sieht vor, die einzelnen DRGs zu analysieren sowie Korrekturen behutsam und mehrjährig durchzuführen, damit die Bewertungsrelationen sachgerecht angepasst werden können. Zudem erhöht sich durch die vorgesehene Erweiterung der Kalkulationsstichprobe die Abbildungsgenauigkeit der Prozeduren, argumentiert der MedTech-Verband.

Der vorgestellte InEK-Vorschlag berücksichtige zudem nicht, dass 13 von 16 Bundesländern einen Landesbasisfallwert unterhalb des Bundesfallwerts haben. Das Konzept würde in diesen 13 Bundesländern zu einer Unterfinanzierung der realen Sachkosten führen. "Dies ist nicht sachgerecht", so die Kritik des BVMed.

Die ausführliche Stellungnahme des BVMed kann unter www.bvmed.de/positionen abgerufen werden.
  • Weitere Artikel zum Thema
  • Lugan mahnt bessere Unterstützung bei MDR-Implementierung an

    Der Vorstandsvorsitzende des BVMed, Dr. Meinrad Lugan, hat eine verlässliche und pragmatische Unterstützung der überwiegend kleinen und mittelständischen Medizinprodukte-Unternehmen durch die Politik bei der Umsetzung der neuen EU-Medizinprodukte-Verordnung (MDR) angemahnt. Die derzeitige Nichtumsetzbarkeit der MDR werde schmerzhafte Auswirkungen auf die mittelständische Struktur der MedTech-Branche haben und Defizite bei der Patientenversorgung mit Medizinprodukten auslösen, sagte Lugan auf der BVMed-Mitgliederversammlung am 4. April 2019 in Berlin. Deshalb müsse der Gesetzgeber handeln und Lösungen entwickeln. Weiterlesen

  • BVMed zu MDS/MDK-Gutachten: "MedTech-Industrie stärker einbinden"

    Der BVMed hält es für erforderlich, dass die Medizinprodukte-Industrie bei der Begutachtung von stationären Leistungen mit Medizinprodukten durch die Medizinischen Dienste der Krankenkassen (MDS/MDK) stärker eingebunden wird. Zur Bildung einer adäquaten Informationsgrundlage müsse es einen strukturierten Dialog zwischen dem Medizinischen Dienst, den Anwendern und den Herstellern geben, so der DRG-Fachbereich des BVMed in einem Positionspapier. Neben der erforderlichen Anpassung der Prozesse fordern die Industrieexperten mehr Transparenz der Verfahren und eine bessere Qualifizierung der Gutachter des Medizinischen Dienstes des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen (MDS) und des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK). Weiterlesen

  • MedTech Radar Live 2019: Bewerbungsphase für Start-ups eröffnet

    Der BVMed, der Venture-Kapitalgeber Earlybird, die Barmer, der High-Tech Gründerfonds, die NRW.Bank und das Medizintechnik-Magazin Medtech Zwo führen zum zweiten Mal einen gemeinsamen MedTech Start-up Pitch durch. Dieser ist Teil der "MedTech Radar Live 2019" Konferenz, die am 5. Juni 2019 in Berlin stattfindet und zum Ziel hat, junge MedTech-Gründer mit Vertretern der Medizintechnik-Industrie und potentiellen Geldgebern zusammenzubringen. Darüber hinaus werden Industrievertreter über die Herausforderungen bei der Entwicklung neuer medizintechnischer Lösungen, Innovationen durch Start-ups und neuer Kooperationsmodelle im Gesundheitswesen diskutieren. Weiterlesen


©1999 - 2019 BVMed e.V., Berlin – Portal für Medizintechnik