Künstliche Ernährung

Mangelernährung in Kliniken und Pflegeheimen: BVMed sieht dringenden Handlungsbedarf

Der Bundesverband Medizintechnologie, BVMed, sieht beim Thema Mangelernährung in Kliniken und Pflegeheimen dringenden Handlungsbedarf. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) hat jüngst festgestellt, dass in deutschen Kliniken bis zu 30 Prozent der Patienten und in Pflegeheimen bis zu 25 Prozent der Bewohner mangelernährt sind. "Diese Zahlen sind alarmierend und bestätigen das, was Ernährungsexperten seit Langem sagen. Wir müssen uns dem Thema verstärkt widmen. Wir benötigen ein verpflichtendes Ernährungsscreening in Kliniken und Pflegeheimen und die Einführung verbindlicher Qualitätskriterien in den Versorgungsprozess. Enterale Ernährungstherapien können dabei einen wichtigen Beitrag leisten", sagte BVMed-Geschäftsführer Dr. Marc-Pierre Möll.

Die Zahlen stammen aus einer Auswertung der DGE und der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM) für den im nächsten Jahr erscheinenden 14. DGE-Ernährungsbericht. Dieser Bericht erscheint alle vier Jahre im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Die Fachgesellschaften haben die Auswertung zur Ernährungssituation in Kliniken und Pflegeheimen jetzt vorab veröffentlicht (siehe Deutsches Ärzteblatt vom 10. Oktober 2019, www.aerzteblatt.de/nachrichten/106592). Laut der Untersuchung schneiden deutsche Einrichtungen hinsichtlich standardmäßig vorhandener Ernährungsstrukturen im europäischen Vergleich schlecht ab: 2018 verfügten nur 10 Prozent der deutschen Kliniken und 30 Prozent der Pflegeheime über eine Diätassistenz. In den anderen teilnehmenden Ländern Europas waren es 63 Prozent und 86 Prozent.

Der BVMed sieht es positiv, dass das wichtige Thema der Mangelernährung von der DGE aufgegriffen wurde. Damit wird ein in Fachkreisen bekannter, aber sonst eher ignorierter Tatbestand aufgegriffen und aufgearbeitet. Die DGE stellt dabei positive Effekte für das Patientenwohl fest, wenn sich Einrichtungen des Themas annehmen und Verbesserungen anstreben.

Der BVMed betonte dabei den Nutzen von enteralen Ernährungstherapien. Mit rechtzeitig eingeleiteten ernährungstherapeutischen Maßnahmen können der Ernährungs- und Allgemeinzustand verbessert und eine Mangelernährung verhindert werden. Die häufigsten Gründe für einen therapiebedürftigen Ernährungszustand sind ein erhöhter Nährstoffbedarf, beispielsweise bei Krebserkrankungen oder chronischen Erkrankungen, und die gleichzeitig unzureichende Nährstoffaufnahme. Eine Mangelernährung schwächt das Immunsystem, führt zu Muskelabbau und somit zum Verlust wichtiger motorischer Fähigkeiten. Dies wiederum kann Folgeerkrankungen nach sich ziehen oder den Heilungsprozess insgesamt verzögern. Speziell bei Kindern ist die enterale Ernährungstherapie auch unter dem Aspekt der körperlichen und geistigen Entwicklung durchzuführen. "Trink- und Sondennahrungen müssen also an die spezielle Krankheitssituation des Patienten angepasst sein. Denn nur wenn die individuelle Entwicklungssituation und die Stoffwechselfunktion berücksichtigt werden und die Nahrung auch resorbiert werden kann, erfüllt sie ihren therapeutischen Zweck", so die BVMed-Experten vom Fachbereich Künstliche Ernährung.

Der BVMed weist zudem auf den wichtigen Beitrag hin, den Homecare-Unternehmen im Rahmen der medizinischen enteralen Ernährung leisten können. Homecare-Unternehmen ermöglichen den Patienten eine individuelle und fachgerechte Versorgung mit enteraler Nahrung in ihrer vertrauten häuslichen Umgebung. Ziel der Homecare-Versorgung ist es, den betroffenen Patienten zu Hause ein möglichst selbstbestimmtes Leben in der gewohnten häuslichen Umgebung zu ermöglichen. Von der Unterstützung und dem Schnittstellenmanagement der Homecare-Unternehmen können Patienten, deren Angehörige und Ärzte profitieren.

Um Mangel- und Unterernährung beherrschbar zu machen, unterstützt der BVMed die DGE-Forderung nach einem obligatorischen Ernährungsscreening in Kliniken und Pflegeheimen. Außerdem plädiert der BVMed für die Einführung verbindlicher Qualitätskriterien in den Versorgungsprozess sowie für die Versorger. Trotz eines gesetzlichen Auftrags habe der GKV-Spitzenverband noch immer keine Qualifikationsanforderungen an sonstige Leistungserbringer definiert, die mit enteraler Ernährung versorgen. Hier sieht der BVMed konkreten Handlungsbedarf, solche Präqualifizierungs-Anforderungen zu definieren. Der BVMed hat hierzu dem GKV-Spitzenverband bereits konkrete Vorschläge übermittelt.
  • Weitere Artikel zum Thema
  • BVMed zur DVG-Verabschiedung: "Hilfsmittel-Leistungserbringer und Homecare-Unternehmen in die Telematik-Infrastruktur einbinden"

    Der BVMed begrüßt, dass der Gesetzgeber mit der Verabschiedung des Digitale Versorgung-Gesetzes (DVG) erste Maßnahmen für die Digitalisierung der Hilfsmittelversorgung einleitet. Dies setzt jedoch einen adäquaten Rahmen für Ausgestaltung und Anwendung der digitalen Hilfsmittel-Verordnung voraus, der in den nächsten Schritten zu schaffen ist. Um Wettbewerbsgleichheit sicherzustellen, sollten die Hilfsmittel-Leistungserbringer und Homecare-Unternehmen zugleich schnellstmöglich an die Telematik-Infrastruktur (TI) angeschlossen werden. Außerdem sollte auch eine digitale Verbandmittel-Verordnung etabliert werden. Beide Ansätze fehlen im neuen Gesetz und sollten dringend nachgeholt werden. Weiterlesen

  • Das Statistische Bundesamt (Destatis) hat den sogenannten Orientierungswert für Krankenhäuser veröffentlicht. Für den Zeitraum des zweiten Halbjahres 2018 und des ersten Halbjahres 2019 beträgt der Orientierungswert im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum 2,99 Prozent. Er gibt die durchschnittliche jährliche prozentuale Veränderung der Krankenhauskosten wieder, die ausschließlich auf Preis- oder Verdienständerungen zurückzuführen ist. Weiterlesen

  • "Hilfsmittel-Leistungserbringer in die Telematik-Infrastruktur einbinden"

    Der BVMed fordert in seiner Stellungnahme zum Digitale Versorgung-Gesetz (DVG) eine zügige Anbindung von Hilfsmittel-Leistungserbringern an die Telematikinfrastruktur. "Ansonsten sind die sonstigen Leistungserbringer bei der anstehenden Einführung digitaler Anwendungen wie der Hilfsmittel-Verordnung beispielsweise gegenüber Apotheken benachteiligt", so BVMed-Geschäftsführer Dr. Marc-Pierre Möll. Die Einführung einer digitalen Hilfsmittel-Verordnung führt zu einer medienbruchfreien und vernetzten Gesundheitsversorgung und damit zu einer effektiveren Abwicklung der Prozesse. Auch für den Versicherten bieten die digitale Verordnung und weitere künftige Anwendungen Mehrwerte für die Organisation ihrer Gesundheitsversorgung. Weiterlesen


©1999 - 2019 BVMed e.V., Berlin – Portal für Medizintechnik