Digitalisierung

"Hilfsmittel-Leistungserbringer in die Telematik-Infrastruktur einbinden"

BVMed-Stellungnahme zum DVG

Der Bundesverband Medizintechnologie, BVMed, fordert in seiner Stellungnahme zum Digitale Versorgung-Gesetz (DVG) eine zügige Anbindung von Hilfsmittel-Leistungserbringern an die Telematikinfrastruktur. "Ansonsten sind die sonstigen Leistungserbringer bei der anstehenden Einführung digitaler Anwendungen wie der Hilfsmittel-Verordnung beispielsweise gegenüber Apotheken benachteiligt", so BVMed-Geschäftsführer Dr. Marc-Pierre Möll. Die BVMed-Stellungnahme kann unter www.bvmed.de/positionen abgerufen werden.

Der BVMed unterstützt in seiner Stellungnahme das Vorhaben des Gesetzgebers, mit den im DVG vorgesehenen Anpassungen den Rahmen für die Einführung der digitalen Verordnung im Hilfsmittelbereich zu schaffen. "Die Leistungserbringer in der Hilfsmittelversorgung setzen sich für eine zügige Digitalisierung der administrativen Prozesse bei der Hilfsmittelversorgung ein", so der BVMed. Die Einführung einer digitalen Hilfsmittel-Verordnung führt zu einer medienbruchfreien und vernetzten Gesundheitsversorgung und damit zu einer effektiveren Abwicklung der Prozesse. Auch für den Versicherten bieten die digitale Verordnung und weitere künftige Anwendungen Mehrwerte für die Organisation ihrer Gesundheitsversorgung.

Dies setzt aus Sicht des BVMed allerdings die Anbindung der Leistungserbringer an die Telematikinfrastruktur (TI) voraus. Für die Hilfsmittel-Leistungserbringer solle dies über die Ausgabe autorisierender Heilberufsausweise durch das elektronische Gesundheitsberufe-Register (eGBR) erfolgen, das zeitnah errichtet werden soll. Aufgrund des notwendigen Vorlaufs bis zur Ausgabe dieser Ausweise befürchtet der BVMed jedoch erhebliche Verzögerungen: "Selbst bei heutiger Initiierung der notwendigen Schritte kann die Ausgabe erster Ausweise und die Anbindung der Akteure an die TI nicht vor Ende 2021 gewährt werden. Die erforderlichen Schritte müssen daher schnellstmöglich eingeleitet werden", so der MedTech-Verband. Der BVMed plädiert für eine angemessene Terminierung zur technischen Einbindung der Hilfsmittel-Leistungserbringer und Homecare-Unternehmen sowie zur Einführung der digitalen Hilfsmittelverordnung. Zudem setzt sich der BVMed für ein alternatives Akkreditierungsverfahren über den sogenannten Institutionenausweis (SMC-B) ein. Die Präqualifizierung der Hilfsmittelleistungserbringer biete hierfür eine gute Legitimationsgrundlage. Der BVMed fordert den Gesetzgeber auf, den notwendigen Rahmen für dieses Ausgabeverfahren zu schaffen.

Der Verweis auf agile Gesetzgebungsverfahren dürfe nicht dazu führen, dass die sonstigen Leistungserbringer von der Digitalisierung im Gesundheitswesen zunächst ausgeschlossen werden. Dies würde die Medienbrüche beispielsweise beim Entlassmanagement weiter verstetigen. Zudem befürchtet der BVMed Wettbewerbsverzerrungen zugunsten der ebenfalls mit Hilfsmitteln versorgenden Apotheken, sofern sich die Integration der Hilfsmittel-Leistungserbringer in die TI weiter verzögert. Unter den jetzigen Rahmenbedingungen haben diese nicht die Möglichkeit, den Patienten ihre Organisation der Hilfsmittelversorgung über digitale Anwendungen anzubieten. "Das ist eine strukturelle Benachteiligung, die verhindert werden muss", so der BVMed abschließend.
  • Weitere Artikel zum Thema
  • COVID-19 | Ambulante Homecare-Versorgung stärken – zur Entlastung der Kliniken

    Um die Kliniken in den nächsten Wochen und Monaten im Kampf gegen COVID-19 zu entlasten, darf die ambulante Versorgung beispielsweise von heimbeatmeten Patienten durch Homecare-Unternehmen nicht vernachlässigt werden. "Homecare-Unternehmen, die Patienten im häuslichen Umfeld mit Beatmungstherapien, künstlicher Ernährung und weiteren lebensnotwendigen medizinischen Hilfsmitteln versorgen, gehören zur kritischen Infrastruktur und müssen jetzt ebenfalls gestärkt werden. Wir brauchen auch einen Schutzschirm für diese ambulante Versorgung von schwer chronisch kranken Patienten!", forderte BVMed-Geschäftsführer Dr. Marc-Pierre Möll. Gemeinsam mit 15 anderen Verbänden hat der BVMed in der "Interessengemeinschaft Hilfsmittelversorgung" (IGHV) ein entsprechendes Positionspapier vorgelegt. Weiterlesen

  • Coronavirus-Gesetzgebung | BVMed für Stärkung der Homecare-Unternehmen und Hilfsmittel-Leistungserbringer

    Der BVMed spricht sich in seinen Stellungnahmen zum Bevölkerungsschutzgesetz und zum COVID-19-Krankenhausentlastungsgesetz für die Erstattung der Mindereinnahmen für Homecare-Unternehmen und Hilfsmittel-Leistungserbringer aus. "Außerdem müssen auch den Homecare-Unternehmen und Hilfsmittel-Leistungserbringern als systemrelevanten Partnern der ambulanten Versorgung die Aufwendungen für Schutzausrüstungen erstattet werden", so BVMed-Geschäftsführer Dr. Marc-Pierre Möll. Weiterlesen

  • Coronavirus-Gesetzgebung | BVMed: "Krankenhäuser stabilisieren, Liquiditäts-Dominoeffekt verhindern"

    Der BVMed spricht sich in seiner Stellungnahme zum COVID-19-Krankenhausentlastungsgesetz für eine schnelle Liquiditätsbereitstellung für die Krankenhäuser aus, auch um Dominoeffekte zu verhindern. "Die Liquidität der Krankenhäuser muss schnell und unbürokratisch sichergestellt werden", fordert BVMed-Geschäftsführer Dr. Marc-Pierre Möll. "Unsere Mitgliedsunternehmen geben uns bereits Rückmeldungen, dass die Krankenhäuser fällige Rechnungen momentan nicht zahlen oder um einen Aufschub bitten." Weiterlesen


©1999 - 2020 BVMed e.V., Berlin – Portal für Medizintechnik