Nosokomiale Infektionen

EU-Ratspräsidentschaft | BVMed schlägt vier dauerhafte Maßnahmen zur Infektionsprävention vor

Infektionsprävention muss künftig eine dauerhafte gesundheitspolitische Priorität werden und sollte auch ein Schwerpunktthema auf der Agenda der deutschen EU-Ratspräsidentschaft sein. Das fordert der BVMed-Fachbereich "Nosokomiale Infektionen" (FBNI) in einem Positionspapier mit dem Titel "Infektionen vermeiden – Bewusst handeln". "Ein Großteil der behandlungsassoziierten Infektionen ist vermeidbar, vor allem durch bessere Hygiene. Wir brauchen klare Zielvorgaben und Maßnahmenpläne, um den Grundsatz 'Prävention geht vor Behandlung' mit Leben zu füllen", so BVMed-Geschäftsführer Dr. Marc-Pierre Möll. Der BVMed fordert unter anderem, sich auf europäischer Ebene das Ziel zu setzen, in den nächsten fünf Jahren 20 Prozent der nosokomialen Infektionen zu vermeiden und diese Zahl auch mit einem jährlichen Bericht zu monitoren. Das BVMed-Papier kann unter www.bvmed.de/positionen abgerufen werden.

Die COVID-19-Pandemie macht deutlich, wie notwendig ein effektiver Infektionsschutz ist. Das strikte Einhalten von grundsätzlichen Präventionsmaßnahmen schützt vor der Verbreitung von Infektionen und damit Leben. "Diese Erfahrungen mit der COVID-19-Pandemie werden das Bewusstsein der Menschen für die Notwendigkeit guter Infektionsprävention und Hygiene erhöhen. Menschen werden vermehrt auf Hygiene achten – im privaten und im professionellen Umfeld", so der BVMed.

Dies gilt auch für den Bereich behandlungsassoziierte oder auch "nosokomiale" Infektionen. Die häufigsten Folgen sind Lungenentzündung, Harnwegs- und Wundinfektionen oder sogar Sepsis (Blutvergiftung). Etwa ein Drittel der Bakterien, die diese Infektionen verursachen, sind gegen Antibiotika resistent. Für die Betroffenen bedeutet dies viel persönliches Leid, aber auch die Gesundheitssysteme werden unnötig und immens belastet.

Unter dem Motto "Jeder Mensch hat das Recht auf Schutz vor nosokomialen Infektionen" schlägt der BVMed vier Maßnahmen vor, um einen patientenorientierten besseren Infektionsschutz zu erreichen:

  1. Infektionsschutz muss ein dauerhafter Schwerpunkt der EU-Kommission werden – über die Corona-Krise und die deutsche EU-Ratspräsidentschaft hinaus.
  2. Hohe Hygienestandards und effektiver Infektionsschutz setzen ausreichende Ressourcen voraus. Neben dem vermehrtem Einsatz gut aus- und regelmäßig weitergebildeten Personals gehören dazu auch spezifische Medizinprodukte.
  3. Repräsentative Daten zu nosokomialen Infektionen müssen zukünftig jährlich für medizinische Einrichtungen in der EU beim European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) gesammelt, ausgewertet und veröffentlicht werden.
  4. Ziel muss es sein, durch die Umsetzung verbindlicher Hygieneregeln nosokomiale Infektionen in den nächsten fünf Jahren um 20 Prozent zu reduzieren.
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