Infektionsprävention

BVMed-Hygieneforum 2021: Investitionen in Hygiene und Infektionsschutz „sind nicht verhandelbar, sondern ethisch und sparen Kosten“

Investitionen in Hygiene und Infektionsschutz müssen im stationären wie ambulanten Bereich adäquater vergütet werden. Das forderten Expert:innen aus Pflege, ärztlichen Praxen, Kliniken und Medizinprodukte-Unternehmen auf dem 10. BVMed-Hygieneforum am 8. Dezember 2021 mit rund 200 Online-Teilnehmer:innen. „Wir brauchen eine frühzeitigere Infektionsprävention, um Infektionen besser zu vermeiden“, so Daniela Piossek, Sprecherin des BVMed-Fachbereichs Nosokomiale Infektionen und Moderatorin des Hygieneforums. Sie sprach sich dafür aus, in einem „Hygienedialog“ alle Beteiligten an einen Tisch zu holen, um einen ganzheitlichen Ansatz zu erarbeiten. Ines Perea vom Bundesgesundheitsministerium könnte sich das aus fachlicher Sicht sehr gut vorstellen: „Wir wollen das Thema Hygiene und Infektionsvermeidung in der neuen Legislaturperiode voranbringen.“ Für Andreas Wedeking vom Verband katholischer Altenhilfe sind Investitionen in den Infektionsschutz gut angelegt, „denn jede vermiedene Infektion muss nicht mehr langwierig behandelt werden.“ „Investitionen in Hygiene und Infektionsschutz sind ethisch und sparen Kosten“, unterstützte Krankenhaushygieniker Prof. Dr. Lutz Jatzwauk vom Universitätsklinikum Dresden. „Hygiene ist nicht verhandelbar“, so der klare Appell von Ulrich Freitag vom Berufsverband der Frauenärzte und Mitglied der Hygiene-Expertengruppe beim Spitzenverband Fachärzte Deutschlands (SpiFa).

Die Themen Hygiene und Infektionsschutz sind durch die Corona-Pandemie in aller Munde. Infektionsvermeidung ist eine große Herausforderung und aktueller denn je. Corona hat gezeigt: Die Schnellerkennung und ein strukturierter Umgang mit Infektionskrankheiten sind lebenswichtig. Darüber hinaus sind Medizinprodukte zur Hygiene und Infektionsprävention wie Masken, Handschuhe, Kittel, Spritzen und Kanülen sowie Desinfektionsmittel unabdingbar, um Infektionskrankheiten zu bekämpfen. „Jeder Mensch hat das Recht, vor behandlungsassoziierten Infektionen in medizinischen Einrichtungen wie Kliniken, Praxen und Heimen geschützt zu werden“, so Moderatorin Daniela Piossek. „Ein großer Teil der behandlungsassoziierten Infektionen ist vermeidbar, vor allem durch bessere Hygiene. Wir brauchen klare Hygienestandards, Zielvorgaben und Maßnahmenpläne, um den Grundsatz ‚Prävention geht vor Behandlung‘ mit Leben zu füllen“, so BVMed-Geschäftsführer Dr. Marc-Pierre Möll.

Podiumsdiskussion zur Finanzierung von Hygiene

Wer finanziert Hygiene und somit Infektionsprävention? In einer Podiumsdiskussion wurden auf dem BVMed-Hygieneforum Hürden und Lösungen für den ambulanten und stationären Sektor sowie die Pflege eruiert.

Nach Ansicht von Ines Perea, Leiterin des Referats One Health und Antimikrobielle Resistenzen im Bundesgesundheitsministerium, wurde das Thema Hygiene in den letzten Jahren gut weiterentwickelt und gestärkt. Das Problem sei aber, dass die Programme vor allem diejenigen erreichen, die an dem Thema bereits interessiert sind. „Es werden aber noch nicht alle Kliniken mit den Stärkungsprogrammen erreicht, um nosokomiale Infektionen noch besser zu vermeiden“, so Perea. Die Strukturen innerhalb des Krankenhauses müssten sich verändern und die ausgebildeten Hygienefachkräfte in ihren Tätigkeiten und Kompetenzen gestärkt werden. „Wir wollen das Thema Hygiene und Infektionsvermeidung in den Krankenhäusern, aber auch in den Pflegeeinrichtungen, voranbringen, Standards festlegen und besser honorieren. Investitionen sind hier gut angelegt, um Folgekosten zu sparen.“

Andreas Wedeking, Geschäftsführer des Verbands katholischer Altenhilfe in Deutschland (VKAD), setzt sich für die Stärkung der präventiven Maßnahmen ein. Dies sei für den Bereich der häuslichen Pflege von besonderer Bedeutung. Der stationäre Bereich sei mit bestehenden Hygienekonzepten grundsätzlich besser aufgestellt. Die Situation in der ambulanten Pflege dürfe darüber nicht vergessen werden. Auch hier würden mehr Investitionen in Infektionsschutz benötigt werden.

Ulrich Freitag, Vorstand des Berufsverbandes der Frauenärzte (BVF) und Mitglied der Hygiene-Expertengruppe beim Spitzenverband Fachärzte Deutschlands (SpiFa), macht sich für eine adäquate Vergütung von Hygienemaßnahmen im ambulanten Bereich stark. Die niedergelassenen Ärzt:innen benötigten 400 Millionen Euro für die erforderlichen Hygienemaßnahmen, die von den Praxen derzeit ohne Vergütung erbracht würden. Der nun vereinbarte Hygienezuschlag sei hier nicht ausreichend. „Mit der jetzigen Kostenstruktur können wir aufwendige Hygienemaßnahmen nicht erbringen“, so Freitag. Der Hygieneaufwand in einer konservativen Praxis liege bei 12.500 Euro, in einer operierenden Praxis sogar bei 53.000 Euro.

Für Prof. Dr. Lutz Jatzwauk, Berater des Zentralbereichs Krankenhaushygiene und Umweltschutz des Universitätsklinikums Dresden, sind Investitionen in Hygiene und Infektionsschutz „ethisch und sparen Kosten“. Sie müssten von der Gesetzlichen Krankenversicherung adäquat erstattet werden. „Das Thema ist jetzt die Aufgabe der Politik und der Krankenkassen.“

Dr. Nicole Steinhorst, Schülke & Mayr und stellvertretende Sprecherin des BVMed-Fachbereichs Nosokomiale Infektionen, sprach sich dafür aus, die notwendigen Aufwendungen für Hygienemaßnahmen konsequent zu evaluieren und eine adäquate Finanzierung von Hygieneaufwendungen zu erreichen. Im ambulanten Bereich spricht sich der BVMed in seinem Positionspapier „Erstattung und Finanzierung von Hygiene- und Infektionsschutzmaßnahmen im ambulanten und stationären Sektor sowie in der Pflege“ für eine gestaffelte Sachkostenpauschale für Infektionsschutz abhängig vom jeweiligen Aufwand aus, um Hygienemaßnahmen separat und adäquat zu vergüten. Im stationären Bereich sollten Anreize für mehr Investitionen in Hygiene gesetzt werden. Dafür schlägt der BVMed eine Verpflichtung der Kliniken vor, den Umfang an Infektionsschutzmaßnahmen sowie deren Nutzen in einem jährlichen Bericht zum Hygienemanagement zu veröffentlichen. Für den Bereich der ambulanten Pflege und Pflegeheime schlägt der BVMed vor, die Kosten für Hygienemaßnahmen aus dem Pflegesatz auszugliedern, um sie im Sinne eines umfassenden Patienten- und Arbeitsschutzes vollumfänglich zu erstatten.

RWI-Studie zu nosokomialen Infektionen

Prof. Dr. Boris Augurzky, Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung RWI, ging auf den Einfluss der Krankenhaushygiene auf das Infektionsgeschehen ein, wie er sich aus dem Barmer-Krankenhausreport 2021 auf Basis der Versichertendaten ergibt. Insgesamt erleiden rund 17 Prozent aller intensiv-medizinisch behandelten Patient:innen eine nosokomiale Infektion. Das sind jährlich rund 400.000 bis 600.000 Betroffene in Deutschland. Daraus entstehen Kosten für das Gesundheitssystem in einer Größenordnung von 1,5 Milliarden Euro pro Jahr – beispielsweise durch eine Verlängerung des Aufenthalts in der Klinik und die Isolation der Patient:innen. Der Barmer-Report untersuchte rund 5 Millionen Fälle und stellte einen relevanten und signifikanten Anstieg nosokomialer Infektionsraten nach Ausbruch der Pandemie fest – auch nach Adjustierung der veränderten Patient:innenstruktur. Hochgerechnet auf die Bevölkerung erlitten rund 34.000 zusätzliche Patient:innen im Jahr 2020 eine nosokomiale Infektion. Das RWI vermutet, dass dies auf die erhöhte Belastung des Krankenhauspersonals zurückzuführen ist. Hohe Hygiene-Standards konnten aufgrund der starken Belastung nicht immer aufrechterhalten werden. Das RWI empfiehlt, in der Ausbildung von Klinikpersonal frühzeitig Hygiene-Kompetenz aufzubauen. Zudem sollten verlässliche Hygiene-Strukturen geschaffen und ausgebaut werden. Die Hygiene-Überprüfungen durch den Öffentlichen Gesundheitsdienst des ÖGD sollten sich auf die Versorgung der Patient:innen konzentrieren. Außerdem spricht sich Augurzky für eine verbesserte Einschätzung des Infektionsgeschehens durch mehr Datentransparenz aus.

Praxisberichte und Projekte auf dem Hygieneforum 2021

In Fachvorträgen wurden auf dem BVMed-Hygieneforum Praxisberichte und konkrete Projekte präsentiert, um Infektionen besser zu vermeiden.

Prof. Dr. Christine Geffers, Oberärztin am Nationalen Referenzzentrum für die Surveillance von nosokomialen Infektionen der Charité, stellte die aktualisierte KRINKO-Empfehlung „Anforderungen an die Infektionsprävention bei der medizinischen Versorgung von immunsupprimierten Patienten“ vor. Für besonders wichtig hält Geffers die Basishygienemaßnahmen wie die hygienische Händedesinfektion, die indikationsbezogene Verwendung von Einmalhandschuhen, Schutzkleidung oder Atemschutzmasken sowie zusätzlich die desinfizierende Reinigung kontaminierter Oberflächen und die adäquate Aufbereitung von Medizinprodukten. Diese Maßnahmen seien „der Sockel des Infektionsschutzes“, würden aber nicht immer im Mittelpunkt der Betrachtung stehen. Das aktuelle KRINKO-Papier enthält 100 Empfehlungen auf 33 Seiten, wobei 52 Empfehlungen „Expertenmeinungen oder hinterlegte Evidenz“ sind. Zu den Empfehlungen, die auf rechtlichen Anforderungen basieren, gehört, dass kritische Tätigkeiten beispielsweise an Medizinprodukten nur durch ausreichend geschultes Personal durchgeführt werden. Bei immungeschwächten Patient:innen müsse beachtet werden, dass Tee und stilles Wasser sensible Lebensmittel seien, die für die sterile Zubereitung gut abgekocht werden müssten.

Dr. Ilona Köster-Steinebach, Geschäftsführerin des Aktionsbündnisses Patientensicherheit (APS), präsentierte die Kampagne „Deutschland erkennt Sepsis“ zur Sensibilisierung und Aufklärung der Bevölkerung über die Anzeichen und Gefahren einer Blutvergiftung. Mehr als 75.000 Menschen sterben in Deutschland jedes Jahr an einer Sepsis. Die Dunkelziffer ist unbekannt, weil Sepsis-Fälle oft nicht als solche erkannt und erfasst werden. Mindestens 15.000 bis 20.000 durch Sepsis bedingte Todesfälle pro Jahr gelten allein in Deutschland als vermeidbar. „Dazu ist es nötig, Sepsis als zeitkritischen, lebensbedrohlichen Notfall im Bewusstsein der Menschen zu verankern, denn eine Sepsis kann in jeder Lebenssituation und jedem Lebensalter auftreten“, so Köster-Steinebach. Genau dies sei das Ziel der Kampagne, die vom APS initiiert wurde und zusammen mit den Partnerorganisationen Sepsis-Stiftung, Deutsche Sepsis-Hilfe und Sepsisdialog der Universität Greifswald getragen wird. Seit Juli 2021 wird die Kampagne zudem vom Bundesgesundheitsministerium finanziell gefördert. „Könnte es Sepsis sein?“ soll durch die Kampagne eine selbstverständliche Frage werden. Die Kampagnen-Website kann unter www.deutschland-erkennt-sepsis.de abgerufen werden.

Dr. Marc Wieckenberg, Chirurg und Leiter der Notaufnahme im Evangelischen Krankenhaus Göttingen-Weende, schilderte seine Lerneffekte aus der COVID-19-Pandemie aus Sicht einer zentralen Notaufnahme eines Grund- und Regelversorgers. Das Krankenhaus hat 600 Betten, 20.000 Patient:innen pro Jahr und 40.000 Kontakte in der Zentralen Notaufnahme (ZNA). Im Laufe der Corona-Pandemie entwickelte das Notaufnahme-Team nach einer „hygienischen Erstsichtung“ der Patient:innen eine „systematische Risikostratifizierung von Notfällen in der ZNA“. Dazu wurden die Räumlichkeiten der ZNA erweitert und ein eigener COVID-19-Wartebereich eingerichtet. „Der ZNA kommt eine zentrale Aufgabe in der frühen Erkennung und Behandlung von erregerbedingten Erkrankungen zu. Die ZNA fungiert somit als eine Art Filter für die stationäre ungeplante Aufnahme von Patienten. Um die Anforderungen erfüllen zu können, benötigt man ein großzügiges flexibles Raumkonzept, patientennahe Diagnostik, ein differenziertes Hygienekonzept, digitale Vernetzung und Transparenz der Prozesse“, so Wieckenberg. Aufgrund der gewonnenen Erfahrungen plant das Krankenhaus nun eine konzeptionelle Neugestaltung der ZNA und die Vergrößerung und Aufteilung der ZNA in einen septischen und einen aseptischen Bereich.

Dr. Michael Behnke, Leiter der medizinischen IT am Institut für Hygiene und Umweltmedizin der Charité, stellte ein elektronisches System zur Schnellerkennung von Erregerhäufungen im Krankenhaus vor – das Cluster-Alarm-System „CLAR“. Infektionsprävention und Prävention der Transmission von „Problemerregern“ sind die beiden Hauptpfeiler der Krankenhaushygiene. Die Ausbruchsfrüherkennung im Krankenhaus sei daher ein Schlüsselaspekt, so Behnke: „Je schneller wir Erreger erkennen, umso schneller können wir intervenieren und Ausbrüche verhindern.“ Die zeitaufwendigen und manuellen Prozesse zur Durchsicht der Befunde sollen beim CLAR-Projekt durch IT-Unterstützung deutlich beschleunigt und verbessert werden. Dabei werden strukturierte Daten sowie die Bewegungen der Patient:innen mit den Befunden aus der Mikrobiologie und Virologie zusammengeführt. Dadurch wird ein frühzeitiges, automatisiertes Erkennen von Clustern ermöglicht. Das CLAR-System sendet Push-Nachrichten an die Verantwortlichen aus und ist Bestandteil des Hygieneportals der Charité. Die Regeln für den Algorithmus werden aktuell noch per Hand editiert. Dies soll künftig über vollautomatische Algorithmen optimiert werden. Geplant ist zudem, das System anderen Krankenhäusern „im Rahmen einer kooperativen Weiterentwicklung“ lizenzfrei zur Verfügung zu stellen.

Oberstabsfeldwebel Jörg Reimuth ging auf die Aufgaben des Sanitätsdienstes der Bundeswehr ein. Die Überwachungsstellen für öffentlich-rechtliche Aufgaben des Sanitätsdienstes der Bundeswehr sind mit ihren Abteilungen Präventivmedizin und Hygiene, Arbeitsmedizin, Veterinärwesen sowie Lebensmittelchemie und Pharmazie für die Wahrnehmung der öffentlich-rechtlichen Überwachungsaufgaben auf den Gebieten des Gesundheits- und Verbraucherschutzes sowie des Veterinärwesens zuständig. So obliegt beispielsweise den zuständigen Stellen der Bundeswehr der Vollzug des Infektionsschutzgesetzes – beispielsweise mit infektionshygienischen Überwachungsmaßnahmen.

Die Auswirkungen des Klimawandels und der Globalisierung auf Infektionskrankheiten beleuchtete Prof. Dr. August Stich, Chefarzt der Tropenmedizin an der KWM Missioklinik Würzburg. Bekannt seien vor allem die Ebola-Ausbrüche. Weniger bekannt seien dagegen Tropenkrankheiten wie Zika, Dengue oder West-Nil-Fieber, die auch für Deutschland durch den Klimawandel eine Herausforderung darstellen. So gebe es West-Nil-Fälle seit dem trockenen Sommer 2019 auch in Deutschland: bei Vögeln, Pferden, aber zunehmend auch bei Menschen. Multiresistente Erreger oder Tuberkulose (TB) kommen verstärkt durch die Migrationsbewegungen nach Europa. Impfstoffe helfen nicht alleine. „Wir brauchen vor allem Verhaltensänderungen“, so der Tropenmedizin-Experte. Der Gesundheitssektor selbst sei mit über 5 Prozent an den CO2-Emmissionen beteiligt und trage deshalb ebenfalls eine Verantwortung für Nachhaltigkeit und Klimaschutz, so Stich. Seine Botschaft: „Wir müssen die planetare Gesundheit in den Fokus nehmen!“

Das Wiederaufkommen von TB in Osteuropa und Deutschland thematisierte Dr. Ralf Otto-Knapp vom Deutschen Zentralkomitee zur Bekämpfung der Tuberkulose (DZK). Zwar gehen die TB-Fälle weltweit auf heute rund 10 Millionen zurück. Die Mortalität steigt aber erstmals seit über 10 Jahren – unter anderem verursacht durch eine verzögerte Diagnostik im Zuge der Corona-Pandemie. So gab es 2020 1,5 Millionen Todesfälle durch „Mykobakterium tuberculosis“, den tödlichsten bakteriellen Erreger. Ein großes Problem sind Medikamentenresistenzen oder Koinfektionen mit Hepatitis C und / oder HIV – vor allem bei Fällen in Osteuropa. Das globale Ziel der WHO, Tuberkulose bis 2035 zu eliminieren, bleibe damit eine große Herausforderung, so Otto-Knapp. „Die Prioritäten für TB müssen dringend weltweit wieder erhöht werden!“, so der Appell des DZK-Experten. So gebe es aktuell erst 28 „Kandidaten“ für einen Impfstoff – im Gegensatz zu mehr als 100 für COVID-19.

Prof. Dr. Alexander Goesmann vom Lehrstuhl für Bioinformatik und Systembiologie an der Justus-Liebig-Universität Gießen stellte ein KI-basiertes Projekt vor, das durch moderne bioinformatische Software Antibiotikaresistenzen (AMR) schneller aufspüren soll. Das Verbundprojekt „Deep-iAMR“ wird vom Bundesforschungsministerium finanziert. Hintergrund ist, dass AMR sich weltweit immer stärker ausbreiten und eine globale Bedrohung für die Weltbevölkerung darstellen. Bei einer stetig wachsenden Zahl von Infektionskrankheiten, die durch Mikroorganismen hervorgerufen werden, haben viele bislang entwickelte Antibiotika bereits ihre Wirkung verloren. Neue Antibiotika zu entwickeln bzw. durch intensive molekulare Forschung neue Ansatzpunkte für Antibiotika – etwa durch Aufklärung von Resistenz-Mechanismen – zu identifizieren, ist daher dringend erforderlich. Hier setzt Deep-iAMR an: Im Rahmen des Projekts sollen sogenannte künstliche neuronale Netze und Deep-Learning-Konzepte optimiert werden. Sie sollen künftig in der Lage sein, Antibiotika-Resistenz-Mechanismen innerhalb neu sequenzierter Bakteriengenome differenziert vorherzusagen, zu klassifizieren sowie potenzielle neue Antibiotika-Ziele zu erkennen. Ziel ist es, mithilfe des Netzes künftig immer mehr und immer komplexere Zusammenhänge bei der Ausbildung von Antibiotikaresistenzen zu identifizieren.

Alle Vorträge des BVMed-Hygieneforums können unter www.rechtaufhygiene.de/hygieneforum-2021 abgerufen werden. Zudem finden sich auf der Seite zahlreiche Lehr- und Grafikmaterialien zum Thema Infektionsvermeidung in medizinischen Einrichtungen.

Der BVMed vertritt als Wirtschaftsverband rund 230 Hersteller und Zulieferer der Medizintechnik-Branche sowie Hilfsmittel-Leistungserbringer und Homecare-Versorger. Die Medizinprodukteindustrie beschäftigt in Deutschland über 235.000 Menschen und investiert rund 9 Prozent ihres Umsatzes in Forschung und Entwicklung. Der Gesamtumsatz der Branche liegt bei über 34 Milliarden Euro, die Exportquote bei 66 Prozent. Dabei sind 93 Prozent der MedTech-Unternehmen KMUs. Der BVMed ist die Stimme der deutschen MedTech-Industrie und vor allem des MedTech-Mittelstandes.
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