Krebsbehandlung

Brachytherapie bei Prostatakrebs endlich Kassenleistung | BVMed: „Innovationstransfer muss beschleunigt werden“

Nach mehr als 15 Jahren Beratungen im Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) und dem Bewertungsausschuss ist die Brachytherapie beim Prostatakarzinom in Deutschland endlich in der vertragsärztlichen Vergütung angekommen. Darauf weist der Bundesverband Medizintechnologie, BVMed, hin – und mahnt zugleich eine deutliche Beschleunigung der Bewertungsverfahren für innovative Medizintechnologien an, damit der medizintechnische Fortschritt künftig schneller bei den Patient:innen ankommt. „Die Arbeit des Bewertungsausschusses muss weiter beschleunigt und transparenter gemacht werden. Um eine optimale Patientenversorgung mit innovativen Medizintechnologien sicherzustellen, sollte ein generelles Antragsrecht der Industrie beim Bewertungsausschuss für die Aufnahme von Leistungen in den EBM gesetzlich festgeschrieben werden“, fordert BVMed-Geschäftsführer Dr. Marc-Pierre Möll.

Der Bewertungsausschuss hatte zum 1. Juli 2021 zwei neue Leistungen in den EBM für die „interstitielle Low-Dose-Rate-Brachytherapie (LDR-Brachytherapie) mit permanenter Seed-Implantation“ sowie für die Postimplantationskontrolle und Nachplanung aufgenommen. Die bei der LDR-Brachytherapie anfallenden Sachkosten wie implantierte Seeds und Implantationsnadeln sind nicht in den Leistungen enthalten und können gesondert abgerechnet werden.

Der G-BA hatte Ende 2020 die LDR-Brachytherapie des Prostatakarzinoms in den Katalog der ambulanten Versorgungsleistungen aufgenommen. „Insbesondere für Patienten, die eine Entfernung der Prostata als zu belastend ablehnen und für die auch eine mehrwöchige äußere Strahlentherapie nicht in Frage kommt, kann die LDR-Brachytherapie die geeignete Therapieoption sein“, hieß es in einer Mitteilung des G-BA.

Bereits 2010 hatte die Techniker Krankenkasse bei einer BVMed-Veranstaltung Ergebnisse des Integrierten Versorgungsvertrags der TK in vier Regionen mit rund 2.500 behandelten Patienten vorgestellt und war zu dem Schluss gekommen: Die LDR-Brachytherapie bei Prostatakrebs ist eine gleichwertige Therapieoption, erhöht die Lebensqualität der Patienten und ist sogar wirtschaftlicher als die Regelleistung.

Für den BVMed ist das lange Verfahren ein Beleg dafür, dass der Innovationstransfer in Deutschland weiter verbessert werden muss. Dazu heißt es in einem Positionspapier des deutschen MedTech-Verbandes zur Bundestagswahl 2021 (www.bvmed.de/pm0121): „Aufgrund erschwerter Rahmenbedingungen profitieren Patienten in Deutschland im Vergleich zu vielen anderen europäischen Ländern oftmals erst mit erheblicher Verzögerung von innovativen Medizintechnologien. Fehlende Regelungen für einen Übergang zwischen dem stationären und dem ambulanten Sektor sowie lange und intransparente Verfahren und fehlende Fristenregelungen verzögern den Marktzugang und führen teilweise dazu, dass Patienten nicht versorgt werden können.“

Der BVMed fordert daher: „Medizintechnik-Unternehmen benötigen innovationsfreundliche Rahmenbedingungen, damit Patienten zeitnah vom medizinischen Fortschritt profitieren können. Ist der Übergang einer Methode oder Leistung aus der stationären Versorgung in den ambulanten Sektor oder in das ambulante Operieren nach dem Grundsatz ‚ambulant vor stationär‘ möglich, so muss während der Dauer des Entscheidungsverfahrens die stationäre Versorgung der Patienten weiterhin voll vergütet bleiben. Die Arbeit des Bewertungsausschusses muss weiter beschleunigt und transparenter gemacht werden. Um eine optimale Patientenversorgung mit innovativen Medizintechnologien sicherzustellen, sollte ein generelles Antragsrecht der Industrie beim Bewertungsausschuss für die Aufnahme von Leistungen in den EBM nach § 87 SGB V gesetzlich festgeschrieben werden.“

Der BVMed vertritt als Wirtschaftsverband rund 230 Hersteller und Zulieferer der Medizintechnik-Branche sowie Hilfsmittel-Leistungserbringer und Homecare-Versorger. Die Medizinprodukteindustrie beschäftigt in Deutschland über 235.000 Menschen und investiert rund 9 Prozent ihres Umsatzes in Forschung und Entwicklung. Der Gesamtumsatz der Branche liegt bei über 34 Milliarden Euro, die Exportquote bei 66 Prozent. Dabei sind 93 Prozent der MedTech-Unternehmen KMUs. Der BVMed ist die Stimme der deutschen MedTech-Industrie und vor allem des MedTech-Mittelstandes.
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