Wiederbelebung

Bevölkerungsumfrage: Deutsche wünschen mehr Aufklärung über Wiederbelebungs-Maßnahmen

Die Mehrheit der deutschen Bevölkerung spricht sich für mehr Aufklärung zu Erste Hilfe-Maßnahmen und den Einsatz von Laien-Defibrillatoren (AED) aus, um die Lebensrettung bei Herz-Kreislaufstillständen durch Ersthelfer:innen zu verbessern. Das ergab eine repräsentative Befragung des Meinungsforschungsunternehmens Civey im Auftrag des Bundesverbandes Medizintechnologie (BVMed). „Der plötzliche Herztod braucht in Deutschland mehr Beachtung. Denn bei der Überlebensrate sind andere Länder deutlich besser als wir. Die Bevölkerungsumfrage zeigt, dass sich die Menschen mehr Aufklärung und Informationen wünschen“, kommentiert BVMed-Geschäftsführer und Vorstandsmitglied Dr. Marc-Pierre Möll.

Gefragt nach geeigneten Maßnahmen, um die Lebensrettung bei Herz-Kreislaufstillständen durch Ersthelfer:innen zu verbessern, sprachen sich 65,6 Prozent der Deutschen für Erste-Hilfe-Kurse an Schulen sowie 63,4 Prozent für Erste-Hilfe-Kurse an Arbeitsplätzen aus. Eine Mehrheit hält zudem mehr öffentliche Aufklärung zu Defibrillatoren (56,5 Prozent) sowie eine Defibrillator-Pflicht in öffentlichen Räumen (51,3 Prozent) für sinnvoll.

Während die Werte bei Frauen und Männer sowie Ost- und West-Deutsche ähnlich hoch sind, unterscheiden sich die Antworten nach Altersgruppen sehr stark. Die mit Abstand höchsten Werte gibt es in der jungen Bevölkerungsgruppe zwischen 18 und 29. Hier wünschen sich drei Viertel für verpflichtende Erste-Hilfe-Kurse in Schulen (75,1 Prozent) und knapp 60 Prozent für eine Laien-Defibrillator-Pflicht (AED) in öffentlichen Räumen.

Reanimationsmaßnahmen durch Laien erhöhen die Überlebenschance

Lebensrettende Maßnahmen beim plötzlichen Herz-Kreislaufstillstand sollten nach Ansicht des Deutschen Rates für Wiederbelebung (German Resuscitation Council; GRC) und des BVMed noch stärker in den Fokus der öffentlichen Diskussion gerückt werden. „Eine sofortige Reanimation durch Laien vor Ort erhöht die Überlebenschancen der Betroffenen maßgeblich und wir könnten hier in Deutschland jedes Jahr mehr als 10.000 Menschenleben zusätzlich retten“, hatten Professor Dr. Bernd Böttiger, Vorstandsvorsitzender des GRC, und Dr. Marc-Pierre Möll anlässlich der Woche der Wiederbelebung im September 2023 erklärt.

GRC und BVMed fordern in einer gemeinsamen Erklärung mit konkreten Maßnahmen die Überlebensrate von Menschen, die einen plötzlichen Herz-Kreislaufstillstand erleiden, in Deutschland zu erhöhen. Bereits der Koalitionsvertrag der aktuellen Bundesregierung hat ein solches „Maßnahmenpaket Wiederbelebung“ vorgesehen. Gute Ansätze sehen die Expert:innen in dem von der Regierungskommission zum Rettungsdienst vorgelegten Bericht, der unter anderem unter Punkt 12 Empfehlungen für eine strukturierte Einbeziehung der Bevölkerung in die Notfallversorgung vorsieht.

Zum Hintergrund erläutern GRC und BVMed, dass der plötzliche Herz-Kreislaufstillstand - eine abrupt auftretende Fehlfunktion des Herzens - außerhalb des Krankenhauses mit mehr als 70.000 Fällen pro Jahr eine der häufigsten Todesursachen in Deutschland ist. Eine sofortige Reanimation durch Laien vor Ort kann die Überlebenschancen der Betroffenen maßgeblich erhöhen. Dazu gehört eine sofort einsetzende und ununterbrochene Herzdruckmassage sowie bei mehreren anwesenden Personen der zeitnahe Einsatz eines Laien-Defibrillators (Automatisierter externer Defibrillator, AED), der von ungeübten Personen einfach und sicher bis zum Eintreffen der Rettungskräfte verwendet werden kann.

In Deutschland überleben bisher nur 5 bis 10 Prozent der Betroffenen einen solchen Vorfall – in anderen europäischen Ländern ist die Lage deutlich besser. „Die Laien-Reanimationsquote ist hierzulande gering“, so GRC und BVMed. Fast die Hälfte aller Vorfälle werde zwar von umstehenden Personen beobachtet, doch erfolgte im letzten Jahr nur bei gut 40 Prozent aller Fälle eine Reanimation durch Laien. „Diese Situation müssen wir gemeinsam angehen und verbessern, um deutlich mehr Leben zu retten“, so Böttiger und Möll.

Zur Umfrage:
Das Meinungsforschungsunternehmen Civey hat im Auftrag des BVMed 2.500 Personen zwischen dem 22. und 23. September 2023 befragt. Die Ergebnisse sind repräsentativ für Bundesdeutsche Gesamtbevölkerung ab 18 Jahren. Der statistische Fehler der Gesamtergebnisse liegt bei 3,1 Prozent.

Download der Infografik


Der BVMed repräsentiert über 300 Hersteller, Händler und Zulieferer der Medizintechnik-Branche sowie Hilfsmittel-Leistungserbringer und Homecare-Versorger. Die Medizinprodukteindustrie beschäftigt in Deutschland über 250.000 Menschen und investiert rund 9 Prozent ihres Umsatzes in Forschung und Entwicklung. Der Gesamtumsatz der Branche liegt bei über 38 Milliarden Euro, die Exportquote bei 67 Prozent. Dabei sind 93 Prozent der MedTech-Unternehmen KMU. Der BVMed ist die Stimme der deutschen MedTech-Branche und vor allem des MedTech-Mittelstandes.
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