Forschung & Entwicklung

Innovationstreiber MedTech: 9 Prozent des Umsatzes gehen in F&E

Die Medizintechnologie ist eine dynamische und hoch innovative Branche. Bei Patenten und Welthandelsanteil liegt Deutschland auf Platz 2 hinter den USA. Rund ein Drittel ihres Umsatzes erzielen die deutschen Medizintechnikhersteller mit Produkten, die weniger als drei Jahre alt sind. Durchschnittlich investieren die forschenden MedTech-Unternehmen rund 9 Prozent ihres Umsatzes in Forschung und Entwicklung. Auch mit einem F&E-Personaleinsatz von rund 15 Prozent der Beschäftigten liegt die MedTech-Branche deutlich über de Industriedurchschnitt. Der Innovations- und Forschungsstandort Deutschland spielt damit für die MedTech-Unternehmen eine besonders wichtige Rolle.

Ein weiterer Beleg für die Innovationskraft der Branche sind die weiter steigenden Patentanmeldungen. Nach Angaben des Europäischen Patentamtes in München kamen im Jahr 2019 insgesamt knapp 14.000 Patentanmeldungen aus der Medizintechnik. Der MedTech-Bereich liegt damit hinter „Digitalen Technologien“ auf Platz 2 des Rankings. Deutschland liegt als Patent-Herkunftsland hinter den USA auf Platz 2 der anmeldeaktivsten Länder – noch vor Japan und Südkorea.

Die Mehrheit der Ingenieure arbeitet in kleinen und mittelständischen Unternehmen. Diese innovativen KMUs sind die „Keimzelle für neue Trends“ (FAZ vom 18. April 2020 – „Stunde der Ingenieure“). Hier wird die ingenieurgetriebene Medizintechnik mit den Lebenswissenschaften zum „Bioengineering“ kombiniert. Zukunftsthemen sind: Genmodifikation, 3D-Druck von Knochen und Organen, Künstliche Intelligenz für die Steuerung von Prothesen, sogenannte Brain-Computer-Interfaces für Querschnittsgelähmte, Sensoren für die Erfassung physiologischer Parameter und deren Anwendung in Diagnostik und Therapie.

Von besonderer Bedeutung für die Unternehmen ist der strukturierte Umgang mit den Ideen der Anwender, der Ärzte und Schwestern bzw. Pfleger, für neue Produkte und Verfahren der Medizintechnologie. Denn bei 52 Prozent der Medizinprodukte kommen die Ideen für das neue Produkt ursprünglich von Anwendern. Deshalb haben fast alle MedTech-Unternehmen ihre Innovationsprozesse geöffnet. Fast 90 Prozent der Unternehmen nutzen Anwenderideen häufig oder sehr häufig in der Produktentwicklung. Insbesondere die Zusammenarbeit mit Ärzten und anderen Expertenanwendern nach der "Lead User-Methode" ist gängige Praxis (Quelle: Studie der Universität Witten-Herdecke 2011).

Innovationsmodell der Schrittinnovationen

Innovationsprozesse in der Medizintechnik differieren markant von der Biotech- oder der Pharmabranche. Es dominiert das Innovationsmodell der Schrittinnovationen, die auch von kleinen und mittleren Unternehmen (KMUs) in intensiver Kooperation mit Medizinern zeitnah auf den Markt gelangen. Den Großteil der Ausgaben für Forschung und Entwicklung in Höhe von rund 3 Milliarden Euro jährlich in Deutschland kann die Medizintechnik daher über Umsätze stemmen. Der weltweite Wandel der Erstattungssysteme hin zu einer Nutzen-orientierten Medizin erzwingt aber einen kompletten Wandel der Geschäfts-, Innovations- und Kooperationsmodelle. Eine deutliche Marktbereinigung ist absehbar.
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