Gesundheitspolitik

MdB Gabriele Katzmarek beim BVMed: "In der Gesundheitswirtschaft spielt die Musik"

"Wirtschafts- und Gesundheitspolitik gehören zusammen, im Interesse der Patienten und auch der Unternehmen. Das ist wichtig für Deutschland, auch im internationalen Vergleich", so Gabriele Katzmarek, Mitglied im Ausschuss für Wirtschaft und Energie sowie Berichterstatterin der SPD-Bundestagsfraktion für die Industrielle Gesundheitswirtschaft auf dem BVMed-Gesprächskreis Gesundheit am 23. Oktober 2019 in Berlin. Die industrielle Gesundheitswirtschaft sei ein "wichtiges Zukunftsfeld", denn "dort spielt die Musik", besonders im Vergleich der Anzahl der Arbeitsplätze zur deutschen Automobilindustrie oder dem Maschinenbau. BVMed-Geschäftsführer Dr. Marc-Pierre Möll forderte vor diesem Hintergrund und auch der neuen EU Medical Device Regulation (MDR) einen umgehenden gemeinsamen Neustart des zum Erliegen gekommenen Strategieprozesses Medizintechnik. Elementar sei zudem eine Beschleunigung der Zulassungsverfahren für Medizinprodukte sowie auch der Nutzenbewertungsverfahren beim G-BA.

Katzmarek sprach sich für mehr steuerliche Forschungsförderung der Gesundheitsbranche sowie einen besseren und abgestimmteren Dialog zwischen dem Wirtschafts- und Gesundheitsministerium aus. Im Sinne einer gebündelteren MedTech-Forschung am Standort Deutschland favorisiert sie einen gemeinsamen MedTech-Campus, initiiert von Wirtschafts-, Gesundheits- und Forschungsministerium. "Die Branche braucht sich nicht unter den Scheffel zu stellen, sie produziert viele gute Produkte von gesamtgesellschaftlichem Nutzen", so die SPD-Politikerin. Dies treffe beispielsweise auf Implantate aus der Endoprothetik zu, diese können mithilfe moderner Verfahren speziell auf die Patientinnen und Patienten angepasst werden. Das reduziert Beschwerden und spart Kosten. Der Vorteil dieser Medizintechnologien für die Gesellschaft müsse auch entsprechend "kommuniziert und vermarktet werden". Die Branche sei hier maßgeblicher Faktor im gesamten Gesundheits- und Wirtschaftssystem, was auch entsprechend gewürdigt und gefördert werden müsse: "Wir müssen endlich akzeptieren, dass es in Deutschland mehr als Raumfahrt, Autoindustrie und Batterieentwicklung gibt", mahnte Katzmarek.

BVMed-Geschäftsführer Dr. Marc-Pierre Möll verwies in diesem Zusammenhang auf die stark gestiegenen Zulassungsanforderungen sowie den Mangel an neu-zertifizierten Benannten Stellen durch die neue MDR. Diese treffe besonders die sehr mittelständisch geprägte deutsche MedTech-Branche hart. Zudem forderte er eine Beschleunigung der Zulassungsverfahren für Medizinprodukte sowie auch der Nutzenbewertungsverfahren beim G-BA. "Unsere Produkte haben einen Innovationszyklus von 3 Jahren. Da können Zulassungszeiten von 5 Jahren einfach nicht mehr funktionieren", so Möll. Katzmarek sprach sich bei der Zulassung von Produkten gleichzeitig für Zuverlässigkeit und Schnelligkeit aus. Hier bräuchte es Bürokratieabbau, mehr Personal, steuerliche Forschungsförderung und auch Musterprojekte, die zeigen, "wie es schneller geht". Möll mahnte in diesem Punkt an, auch den zum Erliegen gekommenen Strategieprozess Medizintechnik so schnell wie möglich und gemeinsam wieder an den Start zu bringen. Hierauf warte die Branche dringend. "Wir brauchen als Teil des Strategieprozesses auch neue Berufsbilder für die Zukunft, um mehr junge Menschen für die Branche zu begeistern", konstatierte Möll.

In der Digitalisierung des Gesundheitswesens sieht Gabriele Katzmarek die Chance, das System insgesamt zu verbessern und Kostenentlastungen zu erreichen. Hier gelte als Prinzip "Forschen und Fördern". Dazu "müssen wir die Digitalisierung in Kliniken, Apotheken, Unternehmen und in jeder Arztpraxis voranbringen – von der Diagnostik über die Anwendung bis hin zur Verwaltung." Daten seien ein grundlegender Indikator, um den Nutzen und die Wirkung einer Therapie zu erkennen. Hier seien primär die digitale Infrastruktur sowie adäquate Rahmenbedingungen zum Erheben und Zusammenführen nötig. "Wir müssen da ran und Deutschland hier auch vorangehen, um den immer größer werdenden Wildwuchs zu vermeiden und auch keine chinesischen Verhältnisse zu bekommen", so die Branchen-Experten aus dem Publikum abschließend.
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