Infektionsprävention

BVMed: Infektionsvermeidung muss an erster Stelle stehen / „Prävention vor Behandlung“

Der Bundesverband Medizintechnologie (BVMed) hat im Rahmen der „Deutschen Antibiotika-Resistenzstrategie“ (DART 2030) einen konkreten Aktionsplan für die Prävention von Infektionen angemahnt. „Es ist gut und richtig, dass die Bundesregierung in der Neuauflage der Strategie die Reduktion von Infektionen an die erste Stelle setzt. Denn Prävention geht vor Behandlung. Nun müssen konkrete Handlungsstrategien für den Aktionsplan erarbeitet werden“, fordert BVMed-Geschäftsführer und Vorstandsmitglied Dr. Marc-Pierre Möll. Der BVMed-Fachbereich Nosokomiale Infektionen (FBNI) hat dazu im Vorfeld des Welt-Sepsis-Tages am 13. September und des Tages der Patientensicherheit am 17. September ein Positionspapier „Infektionen vermeiden – Bewusst handeln: Antimikrobielle Resistenzen (AMR)“ vorgelegt. Das Papier kann unter www.bvmed.de/amr heruntergeladen werden.

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Der BVMed begrüßt in dem Positionspapier die Fortführung der Antibiotika-Resistenzstrategie DART 2030 der Bundesregierung. Denn die Bekämpfung von antimikrobiellen Resistenzen gilt als eine zentrale Herausforderung des Gesundheitswesens. Auch nosokomiale Infektionen (NI) sind eine Ursache für den notwendigen Einsatz von Antibiotika. In Deutschland erkranken nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts (RKI) jährlich rund 600.000 Menschen an nosokomialen Infektionen. In Folge dieser Infektionen sterben bis zu 20.000 Menschen jährlich. Dabei gilt bis zu einem Drittel der nosokomialen Infektionen als vermeidbar: vor allem durch Prävention mit konsequenten Hygiene- und Infektionsschutzmaßnahmen, so die BVMed-Expertinnen Lena Richter und Miriam Rohloff.

Die Förderung der Entwicklung neuer Antibiotika im Rahmen von DART 2030 und der aktuellen Arzneimittel-Gesetzgebung seien wichtig. Auch die Entwicklung alternativer therapeutischer Verfahren beispielsweise zur Dekolonisierung von pathogenen Keimen können einen Beitrag leisten. „Vorrangig begrüßenswert ist jedoch, dass die Bundesregierung Prävention und damit auch die Reduktion von Infektionen an erster Stelle in der Neuauflage der Strategie nennt. Denn Prävention geht vor Behandlung. Jeder Ansatz, der das Potential hat, den sachgerechten Einsatz von Antibiotika zu fördern und somit die Gabe von Antibiotika zu verringern, und damit Antibiotikaresistenzen zu vermeiden bzw. zu vermindern oder hinauszuzögern, ist zu unterstützen“, heißt es in dem BVMed-Positionspapier.

Gezielte Präventionsstrategien fördern

Der BVMed schlägt in seinem neuen Positionspapier unter www.bvmed.de/amr verschiedene Maßnahmen zur Infektionsvermeidung vor, unter anderem:
  • Der Aktionsplan der Bundesregierung zu DART 2030 muss klare Vorgaben enthalten, die die Bekämpfung von Infektionen und antimikrobiellen Resistenzen zum Ziel haben.
  • In die DART-Strategie sollte ein Verweis auf die KRINKO-Empfehlungen erfolgen, um der Rolle nosokomialer Infektionen gerecht zu werden. Der Einsatz von Medizintechnologien wie Einmalprodukte, beschichtete Implantate oder Monitoringsysteme kann dabei Infektionsrisiken minimieren und Infektionen reduzieren.
  • Die Forschung und Innovation zur Prävention und Reduktion von nosokomialen Infektionen muss weiter vorangetrieben werden. Bei der öffentlichen Forschungsförderung ist auch eine bessere Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Industrie unter Einbeziehung der Medizintechnik anzustreben.
  • In der aktuellen Arzneimittel-Gesetzgebung auf EU- und Bundesebene werden finanzielle Anreize für die Forschung und Entwicklung von Antibiotika gesetzt. In der kritischen Phase der Entwicklung und bis zur Zulassung neuer Therapeutika muss jedoch der Einsatz von risikominimierenden Medizintechnologien zur Prävention verstärkt werden. Diese Maßnahmen können auch über weitere Regelungen verankert werden, beispielsweise im Präventionsgesetz.
  • Der Vorschlag der EU-Kommission zu einer Arzneimittelreform erkennt AMR als eine der drei größten Gesundheitsgefahren in der EU an. Der Fokus muss jedoch auch hier weniger auf der Behandlung als vielmehr der Prävention liegen.

Zu einer „Präventionsstrategie zur Vermeidung von (nosokomialen) Infektionen“ hatte der BVMed bereits im März 2023 ein ausführliches Positionspapier vorgelegt, das unter www.bvmed.de/praeventionsstrategie heruntergeladen werden kann.

Das 12. BVMed-Hygieneforum beschäftigt sich am 7. Dezember 2023 ausführlicher mit Themen aus dem Bereich Hygiene und Infektionsschutz. Programm und Anmeldung unter www.bvmed.de/hygieneforum23.

Der BVMed repräsentiert über 300 Hersteller, Händler und Zulieferer der Medizintechnik-Branche sowie Hilfsmittel-Leistungserbringer und Homecare-Versorger. Die Medizinprodukteindustrie beschäftigt in Deutschland über 250.000 Menschen und investiert rund 9 Prozent ihres Umsatzes in Forschung und Entwicklung. Der Gesamtumsatz der Branche liegt bei über 38 Milliarden Euro, die Exportquote bei 67 Prozent. Dabei sind 93 Prozent der MedTech-Unternehmen KMU. Der BVMed ist die Stimme der deutschen MedTech-Branche und vor allem des MedTech-Mittelstandes.
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