Adipositas

BVMed begrüßt DMP Adipositas: „Jetzt müssen die bestehenden Leistungslücken geschlossen werden“

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Der Bundesverband Medizintechnologie (BVMed) hat den Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) zum Disease-Management-Programm (DMP) Adipositas für Erwachsene als ersten Schritt für eine verbesserte Behandlung von Adipositas-Patient:innen bezeichnet. „Es ist wichtig, dass der G-BA mit dem Beschluss Adipositas als chronische Erkrankung anerkennt und erstmals ein Therapiepfad für Menschen mit Adipositas beschreibt“, so BVMed-Geschäftsführer und Vorstandsmitglied Dr. Marc-Pierre Möll. Positiv seien auch die Empfehlungen zur Indikationsstellung der bariatrischen Chirurgie, die die sehr gute Evidenzlage und Leitlinienempfehlungen widerspiegeln. Der G-BA und die Partner der Selbstverwaltung seien aber weiterhin gefordert, bestehende Versorgungslücken in der Therapie der Adipositas zu schließen, so der deutsche MedTech-Verband. Als Beispiel nennt der BVMed die notwendige Nachsorge nach einer bariatrischen Operation.

Das DMP Adipositas sei nach Ansicht des BVMed nicht geeignet, die vom Bundestag in der Nationalen Diabetesstrategie adressierten Versorgungslücken in der Adipositas-Therapie zu schließen. Ein wichtiger Baustein für eine Verbesserung der Versorgungssituation der Betroffenen ist aus BVMed-Sicht insbesondere die konservative Therapie vor und nach einem bariatrischen Eingriff. „Das DMP ist hier nur ein erster Schritt. Bei der konservativen Adipositas-Therapie und bariatrischen Chirurgie schneidet Deutschland im internationalen Vergleich nach wie vor schlecht ab, da die Therapiefinanzierung immer noch lückenhaft ist. Hier ist die Politik gefordert, bei der Prävention und Therapie von Adipositas nachzubessern“, fordert der BVMed.

Zum Hintergrund: Mit dem Gesundheitsversorgungs-Weiterentwicklungsgesetz (GVWG) hatte der Gesetzgeber vor zwei Jahren den G-BA beauftragt, bis zum 31. Juli 2023 ein strukturiertes, leitliniengerechtes und bedarfsorientiertes Behandlungsprogramm Adipositas zu beschließen. In der Gesetzesbegründung wurde die Entscheidung damit erklärt, dass „die Versorgungsrealität den besonderen Bedürfnissen von Versicherten mit Adipositas oftmals nicht gerecht wird“. Dabei benannte der Gesetzgeber die Inhalte, die das DMP abzudecken habe: „Qualifizierte multimodale und multiprofessionelle konservative sowie chirurgische Therapien einschließlich modularer Schulungsprogramme“.

Der Beschluss des G-BA vom 16. November 2023 zum DMP Adipositas beschreibe zwar den Therapiepfad, umfasse leistungsrechtlich jedoch lediglich eine Patient:innenschulung. Weitere notwendige und vom IQWiG durch die Leitlinien-Synopse ermittelte Versorgungsleistungen blieben unberücksichtigt, bemängelt der BVMed. Somit sei der vom DMP Adipositas strukturierte Behandlungspfad ein Flickenteppich aus Regelleistungen und von den Patient:innen selbst zu zahlenden individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL). Die konservative Therapie, deren Durchlaufen zumeist Voraussetzung für den Zugang zu Regelleistungen wie der bariatrischen Chirurgie sei, bleibe weiterhin eine IGeL-Leistung. „Daraus ergibt sich ein Teufelskreis aus unversorgten Patient:innen, wachsenden Komorbiditäten und steigenden Kosten für die gesetzliche Krankenversicherung“, beschreibt der BVMed die Folgen aus dem weiter vorhandenen Handlungsbedarf.

Die Versorgungslücken durch eine fehlende postbariatrische Nachsorge gefährden nach Ansicht des BVMed das Therapieergebnis und setzen Patient:innen der Gefahr aus, schwerwiegende gesundheitliche Komplikationen durch Mangelzustände zu erleiden.

„Wissenschaft, Politik und Selbstverwaltung sind sich über die Notwendigkeit der lebenslangen Nachsorge nach einer bariatrischen Operation einig. Das betonte auch Karin Maag, unparteiisches Mitglied des G-BA und Vorsitzende des Unterausschusses DMP, in der begleitenden Pressemitteilung des G-BA. Durch den alleinigen Verweis auf IGeL-Leistungen kann diese Versorgungslücke jedoch nicht geschlossen werden“, so Möll abschließend.

Hintergrund: Adipositas ist eine chronische Erkrankung

Adipositas wurde im Jahr 2000 von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erstmals als Krankheit anerkannt. Adipositas ist eine chronisch-fortschreitende Krankheit. Übergewicht und Adipositas sind nachweislich Auslöser von mehr als 60 Folge- und Begleiterkrankungen – darunter chronische Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes mellitus Typ II und Krebserkrankungen.

In Deutschland haben über 12 Millionen Menschen mit Adipositas bereits eine Begleiterkrankung. So haben beispielsweise 47 Prozent der Menschen mit Diabetes Typ II eine Adipositas. In Deutschland sind insgesamt ein Viertel der erwachsenen Bevölkerung von Adipositas betroffen (BMI über 30 kg/m²). Der Anteil der Menschen mit einer schweren Adipositas (BMI über 40 kg/m²) nimmt weiter zu.

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