Stoma

Patientengeschichte Heiko Mögling: Anstoß für ein neues Spiel

Wo soll das Stoma angelegt werden? Für Heiko Mögling gab es nur eine Antwort. Er spielt Snooker und damit war klar: So, dass er ohne Einschränkungen wieder spielen kann. „Kriegen wir hin“, versprach ihm der Arzt – und er hat recht behalten.

Heiko Mögling lag schlaflos im Krankenhaus. Die Chemotherapie setzte ihm zu, hielt ihn wach, obwohl er erschöpft war. Er zappte müde durch das Fernsehprogramm und landete schließlich bei Eurosport, wo gerade die Snooker-WM 2009 aus dem Crucible Theatre im britischen Sheffield übertragen wurde. „Ich sah diesen komischen Sport“, erinnert er sich. „Alles war so schön ruhig und ich dachte: Das muss ich machen!“ Er hat es gemacht.

Das Stoma für den Gentleman-Sport

Und so steht der 58-Jährige nun in schwarzer Hose, dunkelrotem Hemd und schwarzer Weste an einem Snookertisch in Aachen. Gelassen kreidet er die Lederspitze seines Queues für den nächsten Stoß. Für den Gentleman-Sport Snooker, eine komplizierte Variante des Billards, braucht man nicht nur einen ruhigen Geist und eine ruhige Hand – auch Beweglichkeit und Dehnung sind gefragt. Der Spieler darf sich so weit wie möglich vorbeugen und auf den großen, grün bespannten Tisch strecken, aber ein Fuß muss während des Stoßes Bodenberührung haben, so lautet die Regel. Daraus hat sich für Heiko Mögling die entscheidende Vorgabe für sein Stoma ergeben: „Als ich 2017 das Stoma bekommen sollte, sagte ich dem Arzt: Es muss so liegen, dass ich weiter Snooker spielen kann. Ich habe ihm das Spiel erklärt und gezeigt – und er hat gesagt: Das kriegen wir hin.“

Dass Heiko Mögling einmal ein Stoma angelegt bekommen würde, zeichnete sich nicht ab, als 2008 Rückenschmerzen auftraten, die immer unerträglicher wurden. Eine CT und darauf folgend eine MRT enthüllten schließlich die Ursache für die vermeintlichen Rückenprobleme. Es war Krebs, der Druck einer großen Metastase auf Nerven hatte die dauernden Schmerzen verursacht. 2009 unterzog er sich einer umfangreichen Bauch-OP an der Uniklinik Köln, doch die Art des Krebses blieb lange unklar. Erst eine Gewebeuntersuchung in Hamburg ergab: Es war Hodenkrebs gewesen.

Dies hätte die Geschichte einer Genesung sein können. Die folgenden Jahre brachten Heilung, Erholung, Reisen mit dem Camper, Erfolge im Snooker, den Umzug nach Düren in ein Haus mit Garten, in dem Gemüse und Kräuter gedeihen. Doch Anfang 2017 fing sich Heiko Mögling ein Darmvirus ein. Es war April, als er spürte, wie merkwürdig verhärtet sich sein Bauch anfühlte. Der Befund erstaunte schließlich auch die Ärzte: Von der alten Operationsnaht bis zum Darmausgang zog sich mangeldurchblutetes Gewebe, geschwollen, abgestorben, nicht mehr zu retten. Mit leisem Sarkasmus erinnert sich der 58-Jährige an die Untersuchungen: „So etwas hatten die Ärzte noch nicht gesehen, sie filmten das sogar, weil das in diesem Ausmaß so selten ist.“

„Ich wollte das Stoma“

Doch für ihn und seine Lebensgefährtin Renate Finken stellten sich ganz praktische Fragen. Wie könnte es weitergehen? Der Internist besprach mit ihm die medizinischen Möglichkeiten. „Aber für mich war klar“, sagt Heiko Mögling, „dass ich nicht lange herumprobieren wollte. Ich wollte das Stoma. Und als ich das meinem Arzt mitgeteilt habe, war der richtig erleichtert.“ Es war also die richtige Entscheidung und bis heute hat er nicht einen Tag daran gezweifelt. Die Versorgung mit SenSura® Mio Click macht alles einfach und unkompliziert. Auch als er sich in diesem Sommer von einem Bekannten nach Hamburg mitnehmen ließ und von da aus einfach weitertrampte, gab es keine Probleme: „Ich war zehn Tage unterwegs und ich fühlte mich mit meiner Stomaversorgung immer sicher.“

Ehrenamtliches Engagement

Heiko Mögling, gelernter Koch, kann sich heute sogar wieder beruflich einbringen. In einem Ehrenamtsprojekt in der Erwachsenenbildung leitet er das Küchenteam. Neben diesem Engagement und dem Snookertraining, für das er dreimal pro Woche nach Aachen fährt, nimmt er sich auch Zeit, um für den ILCO-Besuchsdienst frisch operierte Patienten zu besuchen, mit ihnen zu reden, sie zu beraten. „In den Kliniken fehlt dafür die Zeit, dabei ist es so wichtig, den Patienten die Angst zu nehmen“, betont er. Wer wüsste das besser als er?

Lediglich bei manchen Arbeiten in Haus und Garten fordert das Stoma dann doch seinen Tribut. „Heute besorgen wir uns fertig geschnittenes Holz für den Kamin“, sagt seine Partnerin. „Früher hat Heiko das selbst machen können. Aber solche Arbeiten oder schweres Heben gehen nicht mehr.“ Doch beide wissen, dass sie gemeinsam größere und wichtigere Aufgaben bewältigt haben als das Holzspalten. „Diese Phase war so kräftezehrend“, erzählt Renate Finken im Rückblick. „Man sieht ja zu, wie der Partner immer schwächer wird … Und der Mensch verändert sich auch und die Erwartungen an das Leben. Aber heute kann ich sagen, dass wir uns dadurch auch neu kennengelernt haben.“
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