Inkontinenz

Operative Therapieformen

Bänder zur Behandlung von Belastungsinkontinenz bei der Frau


  • Zulassung seit: 1996
  • Patienten versorgt: > 500.000
  • Erstattung: Ja, stationär über alle Krankenkassen
  • Bei folgenden Erkrankungen: Belastungsinkontinenz aufgrund von urethraler Hypermobilität oder intrinsischer Sphinkterinsuffizienz (Schließmuskelinsuffizienz)

Harninkontinenz in Zusammenhang mit Belastung kann manche Frauen so sehr verunsichern, dass die Betroffenen sich veranlasst sehen, ihren Alltag neu zu organisieren und sich vielleicht sogar aus ihrem vertrauten sozialen Umfeld zurückziehen. In vielen Fällen löst die Einlage eines Suspensionsbandes das Problem.

Bei gesunden Frauen arbeiten Blasenschließmuskel und das umgebende straffe Stützgewebe optimal zusammen. Nach einer schweren Geburt, einem chirurgischen Eingriff, als Folge von Bestrahlung oder schlicht durch hormonelle Veränderungen im Alter kann sich das ändern: Fasern und Bänder der Beckenbodenmuskulatur können überdehnt sein oder an einigen Stellen sogar reißen. Verliert diese natürliche Hängematte für die inneren Organe teilweise
ihre stützende Funktion, kann sich zum Beispiel die Harnröhre so verschieben, dass deren Schließmuskel bei Belastung nicht mehr zuverlässig arbeiten kann. Die Folge ist unwillkürlicher Harnverlust.

Für wen ist die Therapie geeignet?
Was sind sub-urethrale Bänder?
Wie läuft die Prozedur ab?

Für wen ist die Therapie geeignet?

Schlingen eignen sich für alle Patientinnen mit einer Belastungsinkontinenz. Aufgrund ihrer Effektivität, der geringen Invasivität und raschen postoperativen Erholung der Patientin wurden sie schnell in die Primärtherapie aufgenommen.

Was sind sub-urethrale Bänder?

Sub-urethrales Band
Es gibt verschiedene Arten von Bändern und sie unterscheiden sich in ihrer Lage. Alle Bänder haben gemein, dass sie spannungsfrei unter dem mittleren Abschnitt der Harnröhre liegen. Die sogenannten TVT Bänder nehmen einen retropubischen Verlauf und werden hinter dem Schambeinknochen entlanggeführt. Über diese Bänder erschienen bereits 1995 die ersten Veröffentlichungen und sie sind bis heute der Goldstandard mit Erfolgsraten von 90 %. Kurze Zeit später kamen die TOT bzw. TVT-O Bänder auf den Markt. Sie werden ebenfalls unter die Harnröhre, aber von einer Seite des kleinen Beckens zur anderen gelegt. Die Erfolgsraten sind ähnlich den TVT Bändern. Die nächste Weiterentwicklung sind Mini-Bänder; sie werden im Körper verankert, sodass keine Schnitte zum Austritt des Bandes gemacht werden müssen. Über diese Bänder gibt es noch keine Langzeitdaten. Alle sub-urethralen Bänder werden aus gut verträglichen, widerstandsfähigen Materialien (z. B. Polypropylen) hergestellt. Diese Materialien sind sehr dünn und leicht, sodass sie im Körper von Anfang an fast nicht zu spüren sind.

Bei einer Inkontinenz: Es kommt zu Urinverlust, weil die Harnröhre nicht mehr durch die Beckenbodenmuskulatur in der richtigen Position gehalten werden kann. Ursache können Schäden an Muskeln und/ oder Bändern nach einer Geburt, einer Operation oder durch Bestrahlung sowie Hormonveränderungen sein.

Mit sub-urethralem Band: Das Band hält die Harnröhre in der natürlichen Position und verhindert so den Urinverlust. Es wird unter der Harnröhre hinter dem Schambeinknochen entlang oder von einer Seite des kleinen Beckens zur anderen eingelegt. Das Band verwächst innerhalb weniger Tage mit der Umgebung, sodass es zuverlässig sitzt.

Wie läuft die Prozedur ab?

Bei der Implantation von Bändern handelt es sich um kleine operative Eingriffe. Die Operation erfolgt in der Regel unter Vollnarkose und dauert etwa 20 Minuten – der Erfolg stellt sich normalerweise sofort ein und Sie erholen sich schnell von diesem Eingriff. Es werden kleine OP-Schnitte gemacht, die äußerlich unsichtbar sind und die postoperativen Beschwerden sind nur sehr gering. Innerhalb kurzer Zeit verwachsen körpereigene Zellen mit dem Band, sodass es eine stabile Lage erhält. Die Heilungsrate nach einem Jahr liegt bei gut 90 %.

In den Tagen nach der OP sollten Sie darauf achten, sich möglichst zu entspannen und auf keinen Fall schwere Dinge zu heben. Normalerweise beginnt für die meisten Patientinnen der Arbeitsalltag bereits eine Woche nach dem Eingriff. In den ersten vier bis sechs Wochen nach der Operation sollten Sie sich allerdings schonen. Baden, Sauna und Geschlechtsverkehr sind ebenso wie sportliche Aktivitäten in dieser Zeit tabu.
  • Weitere Therapiemöglichkeiten bei Harninkontinenz bei Frauen

  • Künstlicher Blasenschließmuskel

    Um Patientinnen, die an mittlerer bis schwerer Inkontinenz leiden, ein Stück ihrer Lebensqualität und Lebensfreude zurückzugeben, vertrauen viele Ärzte auf den künstlichen Blasenschließmuskel. Dieser wird seit mehr als 40 Jahren gegen weibliche Inkontinenz eingesetzt. Weiterlesen

  • Injektion von Botox® in die Blasenwand

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  • Der Blasenschrittmacher (Sakrale Neuromodulation)

    Ein Blasenschrittmacher ist ein Implantat ähnlich einem Herzschrittmacher und moduliert die Fehlinformationen, die das Gehirn an die Blase sendet, durch sanfte elektrische Impulse, die an die Sakralnerven abgegeben werden. Weiterlesen

  • Beckenbodennetz

    Akute starke Belastungen können zur Überlastung des Beckenbodens und damit zu einer Senkung führen. Durch die Implantation von Beckenbodennetzen aus Kunststoff gelingt es, eine Senkung zu beseitigen und gleichzeitig das Gewebe zu stabilisieren. Weiterlesen

  • Unterspritzung der Harnröhre mit Bulking Agents

    Die Unterspritzung der Harnröhre mit Füllstoffen eignet sich für alle Patientinnen mit einer Belastungsinkontinenz aufgrund von Schließmuskelinsuffizienz. Dabei werden so genannte 'Bulking Agents' in die Harnröhrenwand gespritzt. Weiterlesen

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