Inkontinenz

Operative Therapieformen

Das Beckenbodennetz


  • Zulassung seit: 2004
  • Patienten versorgt: > 250.000
  • Erstattung: Ja, stationär über alle Krankenkassen
  • Bei folgenden Erkrankungen: Prolaps ("Vorfall") verbunden mit Inkontinenz, Darmentleerungsstörungen, sexuellen Funktionsstörungen


Auslöser der Beckenbodenschwäche
Problematik der Senkung
Wann kommt eine Beckenbodennetz-Operation in Frage?
Was sind Beckenbodennetze und wie funktionieren sie?
Was Sie noch wissen sollten

Auslöser der Beckenbodenschwäche

Der Beckenboden der Frau hat eine wichtige Trage- und Haltefunktion für die Gebärmutter, die Scheide, die Blase und den Enddarm. Voraussetzung für ein korrektes Funktionieren dieser Organe ist die richtige Position im Becken. Das Zusammenspiel zwischen Muskeln, Bändern und Bindegewebeschichten (Faszien) garantiert meist eine ausreichende Stabilität für die Belastungen, die der aufrechte Gang mit sich bringt. Akute starke Belastungen wie Geburten oder dauerhafte Beanspruchung durch Übergewicht, starke körperliche Arbeit, chronische Bronchitis oder Verstopfung können zur Überlastung des Beckenbodens und damit zu einer Senkung führen, insbesondere wenn das Gewebe durch eine angeborene Bindegewebsschwäche nicht die optimale Festigkeit besitzt.

Durch Training der Beckenbodenmuskulatur kann das Gewebe entlastet werden. Dies reicht jedoch in vielen Fällen nicht aus, über Jahrzehnte die erforderliche Stabilität zu erhalten. Erschwerend kommt bei der Frau hinzu, dass der Beckenboden gleichzeitig eine Öffnung hat, die als Geburtskanal dient, was unter der Geburt zu einer maximalen Dehnung des Gewebes führt.

Problematik der Senkung

Bei 40 % bis 50 % der Frauen kommt es im Laufe des Lebens zu einer Überlastung des Beckenbodensystems und damit zu einer Senkung. Dabei senken sich Gebärmutter, Scheide, Blase und Enddarm durch Dehnung der Haltestrukturen aus Bindegewebe. Nicht immer macht dies Probleme, aber öfters ist dann die Funktion von Blase oder Darm gestört. Diese Zustände äußern sich meist als Harn- oder Stuhlinkontinenz oder Blasen- und Darmentleerungsstörungen. Auch die Funktion der Vagina als Sexualorgan kann beeinträchtigt sein. Später können Scheide mit Blase oder Darm oder die Gebärmutter aus dem Scheideneingang austreten. Das Endstadium kann der Vorfall mit Umstülpen der Vagina nach außen sein.

Normale Anatomie

Absenkung der Blase - Zystocele

Komplette Senkung - Totalprolaps

Wann kommt eine Beckenbodennetz-Operation in Frage?

Bild eines Beckenbodennetzes
Wenn die Senkung die Lebensqualität einer Frau durch den Prolaps (Vorfall) oder die Funktionsstörungen von Blase und Darm stärker beeinträchtigt und präventive und konservative Maßnahmen keine ausreichende Besserung mehr bieten, kann die Implantation eines Beckenbodennetzes die beste Möglichkeit für diese Patientin sein. Diese Operationen werden oft auch erst beim Rezidiv (erneute Senkung nach einer Operation) durchgeführt und erfordern einen routinierten Operateur. Auch die Indikationsstellung sollte durch einen erfahrenen Arzt erfolgen.

Was sind Beckenbodennetze und wie funktionieren sie?

Anatomische Lage des Beckenbodennetzes
Da durch die Operation zwar die Senkung behandelt aber das Grundproblem der Bindegewebsschwäche nicht behoben wird, wurde in den letzten Jahren nach Möglichkeiten des Bindegewebsersatzes gesucht. Durch die Implantation von Netzen aus Kunststoff (meist Polypropylen, resorbierbaren Materialien in Verbindung mit Polypropylen, Polyvinylidenflourid) gelingt es, eine Senkung zu beseitigen und gleichzeitig das Gewebe zu stabilisieren. Diese tragfähigen Netze werden mit Hilfe von Bändern an stabilen Strukturen im Becken fixiert. So gelingt eine anatomiekonforme dauerhafte Rekonstruktion des Beckenbodens, was Voraussetzung für eine Wiederherstellung der Funktion von Blase und Darm ist. Die Verträglichkeit dieser Materialien wurde in den letzten Jahren stetig verbessert. Sie ermöglichen dem Operateur, die Scheide mit Blase und Darm wieder an die ursprüngliche Position zu bringen und dauerhaft zu fixieren. Die Erfolgsquote, was die Dauerhaftigkeit betrifft, steigt dadurch von ca. 60 % bis 70 % bei den klassischen Operationstechniken auf nun 90 % bis 95 %.

Was Sie noch wissen sollten

Jeder operative Eingriff birgt Risiken. Zudem sollten Sie darauf achten, die Netzimplantation von einem erfahrenen Operateur durchführen zu lassen. Neue Methoden und Produkte ermöglichen sowohl beim Zugang über die Vagina als auch über die Bauchdecke (Laparoskopie) zwischenzeitlich gering bzw. minimal invasive Operationen. Die OP-Dauer bei diesen Eingriffen beträgt in der Regel zwischen 1 Stunde und 2,5 Stunden, im Anschluss ist ein mehrtägiger stationärer Klinikaufenthalt notwendig.
  • Weitere operative Therapiemöglichkeiten bei Harninkontinenz bei Frauen

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