Inkontinenzprodukte - saugend

Kosten der Inkontinenzversorgung

Die gesetzlichen Krankenkassen gaben im Jahr 2013 rund 464 Millionen Euro für Inkontinenzhilfsmittel aus. Dies ergibt eine Hochrechnung auf Basis des „BARMER GEK Heil- und Hilfsmittelreports 2014. Etwa 350 Millionen Euro davon entfallen auf aufsaugende Inkontinenzhilfsmittel. Das entspricht knapp 0,2 Prozent der Gesamtausgaben der Gesetzlichen Krankenversicherung.

In der Inkontinenzversorgung ist eine zunehmende Diskrepanz zwischen der steigenden Anzahl der Versorgungen aufgrund der demografischen Entwicklung und den stetig sinkenden Ausgaben der Krankenkassen pro Betroffenem festzustellen.

Um die Gesamtkosten im Griff zu behalten, gilt es, durch eine angemessene Qualität der Versorgung und der Produkte Folgekrankheiten zu vermeiden und die Selbstständigkeit der Betroffenen sowie ihre Teilhabe am sozialen und gesellschaftlichen Leben so lange wie möglich zu erhalten.

Versorgungspauschalen sinken

Die in Versorgungsverträgen vereinbarten Versorgungspauschalen, zu denen die Leistungserbringer von den Krankenkassen beim Vertragsabschluss gedrängt werden, sinken permanent. Bei Ausschreibungen bewegen sie sich derzeit zwischen 12 und 18 Euro pro Patient und Monat.

Nur ein Bruchteil davon entfällt auf die Hilfsmittel, denn der mit den Verträgen vereinbarte Leistungsumfang umfasst weit mehr als das Inkontinenzprodukt. Neben der Lieferung des Produkts
  • die individuelle Beratung des Patienten,
  • die Ermittlung des individuellen Bedarfs,
  • den Einzug der Patienten-Zuzahlung,
  • die administrative Zusammenarbeit mit der Krankenkasse,
  • Kosten für Lagerhaltung und Logistik sowie
  • Kosten für den Versand an den Patienten.

Diese Transaktionskosten werden mit mindestens 6 bis 8 Euro kalkuliert.

Welcher kalkulatorische Spielraum für die Leistungserbringer noch bleibt, macht eine Modellrechnung mit einer Monatspauschale von 13 Euro netto bei einem angenommenen Verbrauch von 100 Inkontinenzprodukten pro Monat deutlich:

Pauschale 13 Euro
Transaktionskosten – 7 Euro
bleiben für 100 Produkte 6 Euro

Für ein Hilfsmittel stehen gerade noch 6 Cent zur Verfügung. Zum Vergleich: Eine wesentlich einfacher herzustellende Babywindel kostet derzeit im Einzelhandel ohne Mehrwertsteuer rund 17 Cent.
  • Weitere Artikel zum Thema
  • Hilfsmittel: BVMed bremst Enthusiasmus zum GKV-Mehrkostenbericht

    Der BVMed hat den Hilfsmittel-Mehrkostenbericht des Spitzenverbandes der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) bemängelt, der am 2. Juli 2019 veröffentlicht wurde. Der MedTech-Verband, der auch Hilfsmittel- und Homecare-Leistungserbringer vertritt, verweist auf die unvollständige Datenbasis des Berichts und sieht Schwächen in der Methodik sowie in der Datenanalyse. Das Ergebnis des Mehrkostenberichts weiche somit von der Versorgungsrealität ab. Klarheit über die Aussagekraft bestehe erst, wenn Methodik und Datenqualität optimiert werden. Weiterlesen

  • BVMed zur Welt-Kontinenz-Woche: „Qualitative und individuelle Versorgung der Betroffenen ist von großer Bedeutung“

    Der Bundesverband Medizintechnologie (BVMed) verweist zur Welt-Kontinenz-Woche (World Continence Week) vom 17. bis 23. Juni 2019 auf die große Bedeutung einer qualitativen und individuellen Versorgung von Inkontinenz- und Stoma-Patienten hin. „Moderne Inkontinenz- und Stoma-Produkte sind für die Lebensqualität der betroffenen Menschen von enormer Bedeutung. Geschulte Versorgungsspezialisten der Homecare-Unternehmen unterstützen dabei bei der Auswahl des richtigen Produkts, beraten, weisen ein und stehen bei Komplikationen zur Verfügung“, so BVMed-Geschäftsführer Dr. Marc-Pierre Möll. Trotz gesetzlicher Anpassungen sieht der BVMed die Versorgungsqualität durch die dramatischen Absenkungen des Vergütungs- und Qualitätsniveaus in Folge der Ausschreibungen durch Krankenkassen weiterhin gefährdet. Weiterlesen

  • "MedTech-Mittelstand benötigt verlässliche und pragmatische Unterstützung bei der Umsetzung der MDR"

    Der BVMed-Vorstandsvorsitzende Dr. Meinrad Lugan hat von der deutschen Gesundheitspolitik "eine verlässliche und pragmatische Unterstützung der überwiegend kleinen und mittelständischen Medizinprodukte-Unternehmen bei der Umsetzung der neuen EU-Medizinprodukte-Verordnung (MDR)" eingefordert. Denn die derzeitige Nichtumsetzbarkeit der MDR, die bereits ab Mai 2020 gelte, werde ansonsten "schmerzhafte Auswirkungen auf die mittelständische Struktur der MedTech-Branche haben und Defizite bei der Patientenversorgung mit Medizinprodukten auslösen", sagte Lugan im Panel "Gesundheitspolitik der GroKo – das Urteil der Leistungserbringer" auf dem Hauptstadtkongress Medizin & Gesundheit in Berlin. Weiterlesen


©1999 - 2019 BVMed e.V., Berlin – Portal für Medizintechnik