MedTech in Zeiten von Corona

Das Corona-Virus hält die Welt weiterhin in Atem. Allein in Deutschland haben sich bis Ende Juni nachweislich rund 200.000 Menschen mit dem Virus infiziert. Seit Beginn der Pandemie haben die Politik und die Beschäftigten des Gesundheitswesens große Anstrengungen unternommen, um die Rate der (Neu-)Infektionen abzuflachen und eine unkontrollierte Verbreitung des Virus aufzuhalten. Die bedarfsgerechte Verfügbarkeit von Medizinprodukten ist dabei ein essenzieller Faktor zur Aufrechterhaltung eines funktionierenden Gesundheitssystems. Allerdings hat die Corona-Krise gerade zu Beginn die Fragilität von komplexen Lieferketten und Produktionsnetzwerken offengelegt. Für die Zeit nach Corona ist auch die Landespolitik gefordert, die Rahmenbedingungen für die MedTech-Branche in Deutschland zu verbessern.

Die Herausforderungen für das Gesundheitssystem im Zuge der Corona-Pandemie gehen weit über die Verfügbarkeit und Bereitstellung von Krankenhausbetten, Beatmungsgeräten und FFP2-Masken hinaus. Aufgrund der hausarztzentrierten Versorgung in Deutschland wurde ein Großteil der Corona-(Verdachts-)Fälle ambulant behandelt. Parallel dazu wurden auf behördliche Anweisung hin über eine Million planbare Operationen im stationären Sektor abgesagt bzw. verschoben. Beides führte zu einer erheblichen Disruption bestehender Versorgungsstrukturen und hat die Patientenversorgung nachhaltig geschädigt. Eine Wiederherstellung der Regelversorgung wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen.

Zugleich wurden durch politische Entscheidungen wie Grenzschließungen Produktions- und Lieferketten empfindlich gestört. Insbesondere die vielfach exportorientierten mittelständigen Medizinproduktehersteller wurden dadurch in Mitleidenschaft gezogen. Zum Teil haben die Unternehmen erhebliche Umsatzrückgänge zu verzeichnen. Dabei spielen auch die Verschiebung planbarer Operationen und die fehlenden Rehabilitationsangebote eine tragende Rolle.

Dennoch bietet die Krise auch Chancen, die Zukunftsfähigkeit der MedTech-Branche zu fördern. Hier braucht es jedoch Kooperation und Unterstützung seitens der Politik. Mit der Verschiebung des Geltungsbeginns der EU-Medizinprodukteverordnung um ein Jahr wurde nun Zeit gewonnen, weitere notwendige Benannte Stellen nach der MDR zu notifizieren, die für die Zertifizierung im Konsultationsverfahren nötigen Expertengremien zu etablieren und immer noch fehlenden Rechtsakte und wesentliche Guidelines zur Verfügung zu stellen. Derweil gilt es auch, innovative Lösungen wie Telemedizin, Robotik oder die digitale Ausstattung der Krankenhäuser entscheidend voranzutreiben. Vor allem hier kann die Landespolitik über finanzielle Mittel und Anreize wichtige Impulse setzen.

Letztendlich zeigt die Krise, dass es in Deutschland einer größeren Unabhängigkeit der MedTech-Branche bedarf. Eine entscheidende Komponente hierfür ist der Aufbau einer strategischen Reserve von essenziellen Medizinprodukten, medizinischer Ausrüstung und intensivmedizinischer Produktportfolios. Dabei können insbesondere die Bundesländer die Medizinproduktehersteller bei dem Ausbau und der Optimierung von Lagerkapazitäten unterstützen, um im Falle von zukünftigen Lieferkettendisruptionen die Versorgung vor Ort sicherzustellen.

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