Nachbericht

Digitalisierung hautnah erLeben: Initiative mit Staatsminister Schenk in der ACQUA Klinik

Gemeinsam mit Staatsminister für Bundes- und Europaangelegenheiten und Chef der Staatskanzlei Oliver Schenk besuchte die Initiative "Fortschritt erLeben – Patientenversorgung vor Ort" am 8. August 2019 die ACQUA Klinik in Leipzig. Bei einer Führung stellte der Chefarzt, Gründer und Geschäftsführer Prof. Dr. Gero Strauß eine Reihe an digitalen Innovationen vor. Am Ende des Rundgangs entlang des Patientenpfads hatten die Teilnehmer sogar die Gelegenheit, bei Prof. Dr. Strauß im Operationssaal zu hospitieren und konnten sich so ein Bild davon machen, wie eine optimale Standardisierung und eine hohe Ergebnisqualität durch Digitalisierung bei chirurgischen Eingriffen gelingen können. Im Anschluss tauschten sich die Teilnehmer mit Staatsminister Schenk über die Möglichkeiten der Qualitätssteigerung in der Versorgung, die Digitalisierung im Gesundheitswesen und die aktuellen Herausforderungen der MedTech-Branche aus.

Für die Initiative nahmen Jannis Radeleff (Senior Manager Reimbursement DACH, Abbott Medical), Sebastian Gaiser (Senior Director Government Affairs & Policy, Johnson & Johnson Medical), Dorothee Stamm (Government Affairs Manager, Medtronic), Dr. Marc-Pierre Möll (Geschäftsführer, BVMed), Björn Kleiner (Leiter Referat Politische Kontakte, BVMed) und Olaf Winkler (Leiter Referat Gesundheitssystem, BVMed) teil. Neben Prof. Dr. Gero Strauß begleitete Michael Erdtmann (Senior Director Sales) des Surgical Process Institute (SPI), welches die Software für die Erhöhung der Prozesstreue im Operationssaal entwickelt hat, die Gruppe.

Zu Beginn der Diskussionsrunde stellten Prof. Dr. Strauß und Herr Erdtmann die digitalen Innovationen in der ACQUA Klinik vor. Dabei betonten sie, dass die Standardisierung in der Chirurgie nach wie vor noch in den Kinderschuhen stecke. Daher wurde vor Ort und auf Basis realer Erfahrung ein digitales Surgical Operation Handbook (SOH) entwickelt, welches die hochkomplexen Prozeduren in einzelne relevante Teilschritte zerlegt. Um ein gleichbleibendes Vorgehen bei der Umsetzung chirurgischer Eingriffe zu gewährleisten, kommt der vom SPI konzipierte Surgical Procedure Manager (SPM) zum Einsatz. Über eine Sprachausgabe der einzelnen Prozessschritte wird die Prozesstreue gesteigert und somit die Patientensicherheit deutlich erhöht.

Staatsminister Schenk zeigte sich sehr beeindruckt von den praxisnahen Lösungen, die vom SPI und der ACQUA Klinik entwickelt werden. Darüber hinaus betonte er, dass gerade in Sachsen mit der Strategie „Sachsen Digital“ große Anstrengungen unternommen werden, die Digitalisierung im Gesundheitswesen weiter voranzutreiben. Mit innovativen Digitalisierungsangeboten könne insbesondere die MedTech-Branche einen wichtigen Beitrag leisten, die Qualität in der Versorgung deutlich zu bessern, so die Vertreter von Fortschritt erLeben. Allerdings sei auch die Politik gefordert, gute Rahmenbedingungen für den Transfer innovativer Ansätze in die Regelversorgung zu schaffen.

Die Mitglieder der Initiative hoben hervor, dass die aktuellen Gesetzesvorhaben bereits in die richtige Richtung gingen, in mancher Hinsicht aber zu kurz griffen: Es sei essentiell, dass sowohl digitale Medizinprodukte mit niedriger (I und IIa) als auch mit höherer (IIb und III) Risikoklasse vergütet würden. Darüber hinaus sollten die Problematiken mit Blick auf die unterschiedlichen Datenschutzaufsichten und Datenschutzvorgaben in den einzelnen Bundesländern angegangen werden. Die Teilnehmer waren sich einig, dass es für eine Qualitätssteigerung in der Versorgung und der Weiterentwicklung patientenorientierter Lösung einer Fortschrittskultur und mehr Innovation bedarf.

Allerdings sehen sich vor allem kleine und mittlere Unternehmen der MedTech-Branche mit enormen Herausforderungen konfrontiert. Die hohen Anforderungen der neuen EU-Medizinprodukteverordnung und die absehbaren Kapazitätsengpässe bei den Benannten Stellen werden lange Wartezeiten für die (Re-) Zertifizierung von Medizinprodukte zur Folge haben. Dies sei insbesondere für innovative kleine und mittlere Unternehmen eine existenzielle Bedrohung. Vor diesem Hintergrund sei es umso entscheidender, dass die Politik einen ressortübergreifenden "Strategieprozess Medizintechnik" anstößt. Die Landespolitik könne hierbei wichtige Impulse setzen und gute Beispiel aus der praktischen Versorgung in den Prozess mit einbringen.
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