Landespolitik

Hauptstadt-Lunch mit Bund und Ländern – “Medizintechnik zum Anfassen“

Die Welt der Medizintechnik ist groß. Allein in Europa gibt es schätzungsweise über 400.000 verschiedene Medizinprodukte, von Nähmaterial über Messgeräte bis zu Implantaten oder Prothesen. Für die Patienten haben innovative Medizinprodukte eine besondere Bedeutung, da sie beispielsweise den Genesungsprozess und die Rehabilitation beschleunigen, die Arbeitsfähigkeit und Mobilität wiederherstellen und somit die Lebensqualität deutlich steigern. Darüber hinaus ist die vom Mittelstand geprägte Branche auch mit einer Wertschöpfung von 30 Mrd. EUR und 200.000 Beschäftigten für den Wirtschaftsstandort Deutschland von beträchtlicher Relevanz. Doch was genau zeichnet die MedTech-Branche für das Gesundheitswesen und die Wirtschaft in den einzelnen Bundesländern aus?

Diese Frage stand im Mittelpunkt des Hauptstadt-Lunches der Initiative "Fortschritt erLeben – Patientenversorgung vor Ort" am 18. Juni 2019 in der Landesvertretung Schleswig-Holstein. Bei der Veranstaltung diskutierten die Mitglieder der Initiative mit führenden Mitarbeitern der Vertretungen der Länder beim Bund und der Bundestagsabgeordneten in Berlin, wie eine hochwertige Gesundheitsversorgung gelingen kann. Die Teilnehmer tauschten sich darüber aus, welche gesundheits- und wirtschaftspolitischen Gestaltungsspielräume die Länder nutzen können, um Patienten den Zugang zu neuen, fortschrittlichen Untersuchungs- und Behandlungsmethoden zu erleichtern.

Vor Ort war "Medizintechnik zum Anfassen" Programm: Die Gäste konnten verschiedenste Medizinprodukte, wie eine Transkatheter-Herzklappe oder einen Dialysefilter, aus der Nähe betrachten. In einer kurzen Ansprache bedankte sich der neue Geschäftsführer des Bundesverband Medizintechnologie e. V. (BVMed), Dr. Marc-Pierre Möll, für das große Interesse der Anwesenden. Dabei betonte er die Dimension für die regionale Wirtschaft in den Bundesländern: "MedTech heißt Mittelstand. Unsere Branche zeichnet sich durch eine hohe Dichte an kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMUs) aus, über 93 Prozent beschäftigen weniger als 250 Mitarbeiter", so Dr. Möll. Insbesondere diese seien durch die gestiegenen Anforderungen der neuen EU-Medizinprodukteverordnung gefährdet und sähen sich mit einem enormen Kostendruck konfrontiert. In Verbindung mit den absehbaren Engpässen bei der Re-Zertifizierung von Medizinprodukten aufgrund des Mangels an Benannten Stellen ständen viele KMUs vor existentiellen Herausforderungen. Dies hätte sehr schnell auch direkte negative Auswirkungen auf die Patientenversorgung.

Um dieser Entwicklung entgegen zu steuern, bedarf es einer transparenten und offenen Debatte über den Preisdruck in der Branche und Erstattungsproblematiken. Für die Umsetzung von sinnvollen politischen Vorhaben, zum Beispiel die Verbesserung der Versorgungsqualität, muss eine sachgerechte Vergütung für den Einsatz fortschrittlicher Medizinprodukte gewährleistet und die mittelständisch geprägte MedTech-Branche gestärkt werden. Wichtige Beiträge der Länder könnten vor diesem Hintergrund sein, den Trend der anhaltenden Reduzierung von Krankenhausinvestitionen umzukehren und sich für die Stärkung von regionalen Förderprogrammen für MedTech-KMUs einzusetzen.
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