Sektorenübergreifende Versorgung

Herzrhythmusstörungen mit kleinem mobilen EKG erkennen

Fortschrittliche Medizintechnologie bietet die Möglichkeit der Durchführung eines „mobilen“ EKG. Dieses wird Patienten bei wiederkehrender Ohnmacht oder nach einem Schlaganfall ungeklärter Ursache eingesetzt, um herauszufinden, ob lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen der Auslöser waren. Ein solcher Eingriff erfolgt minimalinvasiv, der Herzmonitor in der Größe von drei Streichhölzern wird im Brustbereich unter die Haut geschoben und verbleibt dort bis zu drei Jahre. Die Herzfrequenz wird kontinuierlich überwacht, Unregelmäßigkeiten so erkannt und telemedizinisch an den Arzt übermittelt.

Beitrag zu Patientenorientierung in der Versorgung
Der Herzmonitor wird dann implantiert, wenn Herzrhythmusstörungen vermutet werden, die Standarddiagnostik (z. B. ein 24-Stunden-Langzeit-EKG) jedoch ohne Ergebnis geblieben ist. Da bei beiden oben genannten Patientengruppen das Risiko groß ist, dass sich Ohnmacht oder Schlaganfall wiederholen, ist eine kontinuierliche Überwachung zur Klärung der Ursache notwendig. Patienten, bei denen bislang keine Diagnose gestellt wurde, erhalten dadurch ein hohes Maß an Sicherheit, ohne permanent einen Arzt aufsuchen zu müssen. Sie werden bedarfsgerecht und entsprechend des medizintechnischen Fortschritts versorgt und können so schnellstmöglich diagnostiziert und richtig therapiert werden.

Herausforderungen durch regulatorische Hürden
Die Methode ist bereits seit einigen Jahren im stationären Sektor etabliert, doch eine Erstattung im Rahmen des stationären Krankenhausaufenthaltes wird zunehmend von den Krankenkassen abgelehnt. Die Begründung ist, dass ein solcher Eingriff auch ambulant möglich sei. Dies ist richtig – der Eingriff dauert nur etwa zehn Minuten −, allerdings gibt es im ambulanten Sektor bislang keine einheitlichen Vergütungsregelungen. Dies führt dazu, dass die notwendige Versorgung von Patienten aktuell nicht gesichert ist und Ärzte ihrem bedarfsgerechten Versorgungsauftrag, in Ermangelung einer gesicherten Vergütung, nicht mehr nachkommen können.

Reformansatz
Dieses Versorgungsdefizit kann mit einer ambulanten Vergütung ausgeglichen werden. Die Aufnahme in den EBM-Katalog (Einheitlicher Bewertungsmaßstab) und in den AOP-Katalog (Ambulantes Operieren im Krankenhaus) würde bundesweit die ambulante Versorgung mit einem implantierbaren Herzmonitor ermöglichen. Der Antrag zur Aufnahme liegt dem Entscheidungsgremium „Bewertungsausschuss Ärzte“ seit Juli 2017 vor. Dem Wunsch des Gesetzgebers „ambulant vor stationär“ könnte damit entsprochen, eine einheitliche, transparente Regelung anstelle regionaler oder kassenindividueller Insellösungen geschaffen werden.
  • Weitere Artikel zum Thema
  • Kliniken, Pflege und Gewerkschaft ziehen an einem Strang

    Der Deutsche Pflegerat (DPR), die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di und die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) haben Eckpunkte für die gemeinsame Entwicklung eines Instrumentes zur verbindlichen Bemessung des notwendigen Pflegepersonalbedarfs und der Pflegepersonalausstattung in den Kliniken vorgelegt. Ziel ist es, dauerhaft ein Instrument zur Bemessung des notwendigen Pflegepersonalbedarfs in Krankenhäusern zu entwickeln, das unterschiedliche Patientengruppen und Leistungsfelder berücksichtigt. Es soll sich an den Standards der qualitativ hochwertigen Patientenversorgung orientieren und hohe Patientensicherheit gewährleisten. Weiterlesen

  • Laumann stellt Pläne für Virtuelles Krankenhaus vor

    NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) hat am 9. August 2019 seine Pläne eines Virtuellen Krankenhauses in Nordrhein-Westfalen vorgestellt. Beim Virtuellen Krankenhaus handelt es sich um eine digitale Plattform, die künftig die fachärztliche Expertise landesweit bündeln und besser zugänglich machen soll. Ziel sind zum Beispiel zukunftsfähige digitale Versorgungsstrukturen wie der elektronische Austausch behandlungsrelevanter Patientendaten oder Videosprechstunden, die für die Patienten eine bedarfsgerechte, ortsnahe und qualitätsorientierte Behandlung bieten. Weiterlesen

  • BVMed-Newsletter "MedTech ambulant" informiert zu Ambulanter Intensivpflege

    Der BVMed informiert in seinem aktuellen Newsletter "MedTech ambulant" zur Ambulanten Intensivpflege. Der Themen-Newsletter beschäftigt sich mit spezifischen Krankheitsbildern zur außerklinischen Anschlussversorgung, dem Therapiebedarf in der Intensivpflege sowie der entsprechenden Verordnung von Verband- und Hilfsmitteln. Weiterlesen


©1999 - 2019 BVMed e.V., Berlin – Portal für Medizintechnik