E-Commerce

E-Commerce im Gesundheitsmarkt vor dem Durchbruch

Gastbeitrag für Management & Krankenhaus, Ausgabe Februar 2007, von Manfred Beeres, Leiter Kommunikation/Presse, Bundesverband Medizintechnologie – BVMed, Berlin

Die Optimierung der Beschaffungsprozesse im Gesundheitsmarkt bleibt vor dem Hintergrund des Kostendrucks auf Kliniken und Lieferanten ein spannendes und notwendiges Thema. Die Krankenhäuser stehen vor erheblichen Mehrbelastungen durch gestiegene Personalkosten, die erfolgte Mehrwertsteuererhöhung sowie durch die geplante Kürzung des Klinikbudgets durch die Gesundheitsreform. In den letzten Jahren haben die Klinken den Fokus bei Einsparungen sehr stark auf Preisreduzierungen auf der Lieferantenseite gelegt. Der Wettbewerb wird sich aber mehr und mehr um Qualität und Service drehen müssen. Umso wichtiger ist es für die Krankenhäuser, die internen Prozesse zu optimieren.

Dies kann bei den Beschaffungsprozessen durch den konsequenten und „tief integrierten“ Einsatz von elektronischen Kommunikationswegen gelingen, dem so genannten E-Procurement. Auf der Seite der Hersteller hat die Entwicklung der letzten Jahre zu Preiserosionen und Renditeeinbußen geführt. Auch die Lieferanten haben deshalb ein gesteigertes Interesse daran, die Prozesse mit den Abnehmern ihrer Produkte elektronisch abzubilden, um die Abläufe zu optimieren, Fehlerquellen zu vermeiden und Kosten einzusparen. Auf der Seite der E-Procurement-Dienstleister ist es in jüngster Zeit mit der Übernahme von Medicforma durch GHX zu einer weiteren Konsolidierung gekommen.

E-Procurement-Lösungen zwischen Kliniken und Lieferanten stehen auch im Mittelpunkt der 9. E-Commerce-Konferenz von MedInform am 27. Februar 2007 in Frankfurt. Neben neuen, internationalen Studienergebnissen werden dabei zahlreiche Praxisbeispiele von E-Procurement-Einführungen gegeben. Die Veranstaltung richtet sich an alle Partner im Gesundheitswesen, die ein Interesse an der Optimierung der Beschaffungsprozesse haben: Klinikmanagement, Einkauf und Logistik, Einkaufskooperationen, Klinikverbände, IT-Dienstleister und Industrie- und Handelsunternehmen. Programm und Anmeldung im Internet unter www.bvmed.de (Veranstaltungen).

Auf der Konferenz werden auch die Ergebnisse der jährlichen Online-Umfrage zu E-Procurement im Gesundheitswesen vorgestellt. 2006 hatten 100 Entscheider an der Umfrage teilgenommen, davon 75 Lieferanten, 18 Kliniken, fünf Dienstleister und zwei Sonstige.
66 Prozent der Befragten beschäftigen sich intensiv bzw. sehr intensiv mit dem Thema E-Procurement zwischen Kliniken und Lieferanten. Bei den Lieferanten liegt der Wert mit 72 Prozent deutlich über dem Wert der Kliniken mit 39 Prozent.

Zwei Drittel der Befragten hatten bereits eine elektronische Schnittstelle zu Plattformen eingerichtet, über die elektronische Bestellungen abgewickelt werden. Einen elektronischen Lieferschein hatten nur 38 Prozent, eine elektronische Rechnung nur 35 Prozent realisiert. 24 Prozent der Befragten hatten eine Lösung für die Integration von Faxen in die Systeme. 20 Prozent arbeiteten bereits mit EDI (Electronic Data Intercherchange) direkt zum Geschäftspartner. Eine Scannerintegration in das SAP-System hatten 12 Prozent realisiert.

Rund 30 Prozent der Lieferanten hatten mehr als 100 Kliniken angeschlossen, 17 Prozent zwischen 50 und 100 Häusern. Fast 40 Prozent der befragten Kliniken hatten über 50 Lieferanten angeschlossen. Rund 15 Prozent der befragten Lieferanten und Kliniken wickelten über 1.000 Bestellungen über elektronische Platformen ab. Die Mehrheit der E-Procurement-Anwender liegt zwischen 200 und 500 Bestellungen im Monat.

Bei den Lieferanten waren die Faktoren „Zeitersparnis“ und „weniger Fehllieferungen“ wichtiger als bei den Kliniken. Auf Krankenhausseite hatten Kosteneinsparungen und Versorgungssicherheit einen größeren Stellenwert. Bei den Einsparungspotentialen in den Beschaffungsprozessen durch E-Procurement waren die Lieferanten optimistischer als die Kliniken. Ein Drittel der Lieferanten rechnete mit Einsparungen zwischen 10 und 30 Prozent. Drei Viertel der Kliniken erwarteten dagegen Einsparungen unter 10 Prozent.

Zu hohe Kosten der elektronischen Plattformen wurden auf beiden Seiten – Kliniken und Lieferanten – stark bemängelt. Die Hälfte der befragten Kliniken beklagten zudem die Unprofessionalität der Dienstleister. Naturgemäß beurteilten die Lieferanten eher die Kliniken als zu zurückhaltend (56 Prozent), während auf der anderen Seite 45 Prozent der Kliniken die Hersteller als zu zurückhaltend einschätzten.

Bei der Frage, wann sich E-Procurement so durchgesetzt haben wird, dass die tiefe Integration realisiert und die kritische Masse erreicht ist, sind die Lieferanten optimistischer als die Kliniken. 40 Prozent der Unternehmen erwarten den Durchbruch von E-Procurement innerhalb der nächsten drei Jahre. Auf Klinikseite sind es nur 17 Prozent.

Fazit: Der Durchbruch von elektronischen Beschaffungsmaßnahmen im Gesundheitswesen ist noch nicht erfolgt. Dies hat mehrere Gründe: von fehlenden Standards über mangelnde Kooperation der Dienstleister bis hin zu zurückhaltenden Lieferanten und Kliniken, die in großer Zahl noch immer auf individuelle Lösungen setzen.
Die Vorteile von E-Procurement sind offensichtlich: die Beteiligten müssen sich mit ihren Prozessen auseinandersetzen; die Automatisierung wiederkehrender Tätigkeiten führt zu Prozessoptimierungen durch Eliminierung von Schnittstellen bzw. Wegfall von Medienbrüchen und manuellen Prozessen. Die Folgen sind eine bessere Datenqualität, die Vermeidung fehlerhafter Bestellungen, Zeitersparnis, Kosteneinsparungen sowie erhöhte Versorgungssicherheit und Transparenz.
Um E-Procurement in nächster Zeit zum Durchbruch zu verhelfen, müssen alle Seiten – Kliniken, Lieferanten und Dienstleister – an einem Strang ziehen.

Autor:
Manfred Beeres M.A.
Leiter Kommunikation/Presse
BVMed - Bundesverband Medizintechnologie
Reinhardtstr. 29 b
D - 10117 Berlin
Tel. (030) 246 255-20
E-mail: beeres@bvmed.de
www.bvmed.de
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