Unterleib/Blase

Inkontinenz-Therapien und -Hilfsmittel bei Harninkontinenz

Krankheitsbild: Harninkontinenz
Der Begriff „Inkontinenz“ stammt vom lateinischen Wort „incontinens“ ab. Dies bedeutet ins Deutsche übersetzt „nicht bei sich behaltend“. Menschen, die an Harninkontinenz leiden, sind nicht in der Lage, ihren Harn sicher zu speichern und zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort willkürlich auszuscheiden. Harninkontinenz ist keine eigenständige Erkrankung. Vielmehr ist es ein Symptom, das durch verschiedene Erkrankungen und Ursachen ausgelöst wird.
Vor allem unter älteren Menschen ist Harninkontinenz ein bedeutendes medizinisches und soziales Problem. Die Lebensqualität der Betroffenen ist oft massiv eingeschränkt, viele Patienten ziehen sich zurück und nehmen nicht mehr am sozialen Leben teil. Patienten über 60 Jahren leiden häufiger an einer Harninkontinenz als an kardiovaskulären Beschwerden, Rheuma, Arthritis oder Hypertonie.
Wie viele Menschen in Deutschland und in anderen Ländern wirklich an einer Harninkontinenz leiden, lässt sich nicht genau sagen. Inkontinenz ist immer noch ein großes Tabuthema, die Dunkelziffer dürfte daher wahrscheinlich hoch sein.

Therapiemöglichkeiten

Dranginkontinenz
Bei der Therapie von Patienten mit einer Dranginkontinenz müssen primär diejenigen Faktoren identifiziert und ausgeschlossen werden, die die Dranginkontinenz verursachen könnten. Dazu zählen beispielsweise Harnwegsinfekte (z.B. Behandlung mit Antibiotika) oder auch infravesikale Obstruktionen (z.B. operative Entfernung durch transurethrale Verfahren). Eine Neuromodulation der funktionellen Sakralnerven durch eine Elektrostimulation sowie eine Blasenaugmentation und -ersatz als ultimatives Behandlungsverfahren bei einer funktionell und strukturell reduzierten Blasenkapazität sind weitere operative Behandlungsmethoden bei einer Dranginkontinenz.

Stressinkontinenz
Eine leichte Stressinkontinenz kann konservativ durch krankengymnastische Übungen behandelt werden, bei denen die Bauchdecken-, Beckenboden- und Zwerchfellmuskulatur gestärkt wird.
Eine Operation ist dann indiziert, wenn konservative Behandlungsmethoden die Symptome nicht ausreichend bessern konnten. Es gibt zahlreiche verschiedene Operationsmethoden die darauf abzielen, die funktionell bedeutsame proximale Urethra wiederherzustellen.

Überlaufinkontinenz
Bei Patienten, die an einer Überlaufinkontinenz leiden, muss vor einer Therapie immer die Ursache für die Inkontinenz geklärt werden. Wird die Inkontinenz durch eine vergrößerte Prostata oder einen Tumor ausgelöst, ist ein Eingriff an der Urethra notwendig, um die Obstruktion zu beheben.

Reflexinkontinenz
Die beste Methode, die Blase bei einer Reflexinkontinenz willkürlich zu entleeren, ist der intermittierende Selbstkatheterismus.

Extraurethrale Inkontinenz
Eine extraurethrale Inkontinenz kann nur durch eine Operation behandelt werden.

Rehabilitierende und physikalische Maßnahmen bei allen Inkontinenzformen

Wichtig bei der Behandlung aller Inkontinenzformen sind rehabilitierende und physikalische Maßnahmen. Neben dem bereits angesprochenen Beckenbodentraining kann durch Miktions-, Blasen- und Toilettentraining eine zufrieden stellende Blasen- und Schließmuskelfunktion erreicht werden. Beim Biofeedbacktraining wird versucht, den normalerweise unbewussten physiologischen Reflex für den Patienten wahrnehmbar zu machen.

Inkontinenzhilfsmittel

Zur Verbesserung der Lebensqualität stehen inkontinenten Patienten aufsaugende Hilfsmittel zur Verfügung. Dazu zählen neben Bettenschutz und Krankenunterlagen auch Vorlagen und Inkontinenzslips. Bei der Auswahl einer geeigneten Vorlage oder Windel sollte auf eine zum Schweregrad der Inkontinenz passende Saugfähigkeit des Produktes, die Körperverträglichkeit und eine gute anatomiegerechte Passform geachtet werden. Als ableitende Hilfsmittel werden Urinale, Urinkollektoren und Katheter eingesetzt.

Weitere Informationen gibt es bei der Kontinenzgesellschaft.

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Experteninterview zum Thema Inkontinenz:
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