MedTech-Trends

Smarte Textilien für die Medizin

Healthcare Wearables und smarte Textilien



Betrachtet man den Markt für sogenannte „Wearable Electronics“ zeigt sich ein großes Potenzial: der Markt soll bis 2018 auf 8,3 Milliarden US-Dollar anwachsen, 2012 betrug der Umsatz etwa 2,7 Milliarden US-Dollar. Unter „Wearable Electronics“ versteht man tragbare elektronische Geräte, die über mobile Computersysteme und eine Netzanbindung verfügen. Experten erwarten, dass „Wearable Electronics“ in naher Zukunft nicht nur unseren Lebensstil, sondern unseren gesamten Alltag und unsere Kommunikationsweise nachhaltig verändern werden. Das Wachstum wird aktuell stark von den Entwicklungen in der Elektronik und Mikrotechnologie getrieben: Kompakte Chips, Kameras und Batterien, kostengünstige Sensoren und energieeffizienter Bluetooth-Funk ermöglichen es, Produkte rund um die Uhr mit dem Handy und dem Internet zu vernetzen. Zahlreiche Consumer-Produkte befinden sich bereits auf dem Markt. Sie können eine Vielzahl von Daten erfassen und in Echtzeit analysieren, z. B. Vitalparameter wie Aktivitäts- und Ruhephasen, Blutzuckerspiegel, BMI, Gewicht oder Körperfettwerte. Die Geräte sind meist kabellos mit Smartphone und Onlinetools verbunden, um die Daten zu Gesundheits-, Ernährungs- und Aktivitätsstatus umgehend auswerten zu können. Während für Spitzensportler die Dokumentation von physiologischen Parametern und Aktivitäten schon lange zum Alltag gehört, werden in Zukunft vor allem auch chronisch Kranke von neuartigen Biosensoren für nicht-invasive Verfahren, patientennaher Labordiagnostik und Point-of-Care Testing (POCT) sowie mikroelektromechanischen Systemen profitieren.
Ganz dicht dran am Kunden

Im Sport-, Gesundheits- und Medizintechnikbereich erlangen vor allem tragbare körpernahe Sensoren eine immer größere Bedeutung. So wird der Markt für sogenannte „Healthcare Wearables“ als der große Zukunftsmarkt gesehen. Textilien mit intelligenten Funktionen werden bei der Realisierung solcher Produkte für den medizinischen Einsatz eine wichtige Rolle spielen. Prognosen gehen davon aus, dass sich der globale Markt für smarte Textilien bis zum Jahr 2020 auf 1,5 Milliarden US-Dollar belaufen wird.

Das große Marktpotenzial beruht zum einen auf einer immer größer werdenden gesundheitsbewussten Bevölkerungsgruppe und deren Bestreben, Vitalparameter zu erfassen. Die Daten werden präventiv für eine umfassende Beurteilung des Gesundheitszustands eingesetzt und damit für die Optimierung des eigenen Lebensstils. Zum anderen wird die Entwicklung durch Trends wie eHealth und Telemedizin vorangetrieben.

Smarte Sensoren für smarte Textilien

Bei der Verwendung smarter Textilien wird oft zuerst an die Überwachung von Körperfunktionen wie Herz- und Atemrhythmus gedacht. Hierzu laufen vielfältige Forschungsvorhaben, z. B. die Entwicklung von Sensorfäden und textilbasierte Sensoren, die sowohl bei trockener als auch feuchter Haut zuverlässig funktionieren. Im Rahmen des bis 2015 andauernden Teilprojekts „IS-03 Smart Sensors A - Textile Integration körpernaher Sensorik“ des Spitzenclusters des Medical Valley EMN e.V. soll z. B. eine flächendeckende Testumgebung für solch innovative telemedizinische Produkte aufgebaut werden.

Derzeit arbeitet man z. B auch an der Entwicklung sogenannter Sensor-Pflaster, die kontinuierlich bestimmte Parameter überwachen und darüber hinaus Blutwerte überprüfen können. Die Werte werden drahtlos an ein Handy übertragen. Damit könnte die frühzeitige Erkennung von Krankheiten und die kontinuierliche Überwachung der Wirkung von Medikamenten Realität werden.

Drahtlose Blutdruckmessgeräte sind derzeit ebenfalls ein viel beachtetes Entwicklungsgebiet, vor allem für Langzeitüberwachungen über mehrere Stunden oder auch Tage. Der Prototyp eines neuartigen Armbands misst dank eines Sensors aus einer neuen piezoresistiven Hybridfaser wesentlich genauer als bisherige Produkte. Der Sensor misst den Anpressruck auf der Haut und kann Veränderungen der Signalstärke durch Verrutschen oder Muskelentspannung detektieren und die Messwerte entsprechend korrigieren. Die Messgenauigkeit wird dadurch um mehr als 70 Prozent gesteigert.
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