MedTech-Trends

Smarte Textilien für die Medizin

Einsatzpotenziale in der Medizin


Vielversprechende Anwendungsfelder für smarte Textilien liegen in der Medizin und Pflege, aber ebenso in der Medizintechnik. Dabei wird nicht nur an die Überwachung von Atem- und Herzfrequenz gedacht, sondern auch an das Monitoring von Wundheilungsprozessen oder Bewegungsabläufen. Außerdem bieten sich Potenziale für die Optimierung medizinischer Produkte wie Spezialschuhe, Kompressionsprodukte, Orthesen und Prothesen oder für neue
Therapiekonzepte z. B. von Schlaganfallpatienten. In Zukunft sind sogar Textilien mit biochemischen Sensoren denkbar, die die Zusammensetzung von Körperflüssigkeiten wie Blut oder Schweiß messen und damit wichtige Informationen über den Gesundheitszustand geben können.

Smarte Textilien sollen damit sowohl zur Prävention, zur Diagnostik als auch zur Therapie eingesetzt werden. Wichtige Gebiete werden hierbei die gesamte Homecare-Versorgung bzw. Ambient Assisted Living sein. Das Thema eHealth nimmt dabei eine Schlüsselfunktion ein; Textilien könnten in Zukunft die Rolle eines modernen Interface übernehmen. Somit könnten sie einen wesentlichen Beitrag zu dem therapeutischen Fortschritt und der Einsparung von Arzneimitteln, der Verkürzung von Krankheitszeiten sowie dem Gesundheitsmonitoring von Risikogruppen leisten. Dies könnte zu einer Verbesserung der Lebensqualität und der Hygiene sowie der Gesundheit im Alter führen, und sich auf die Kostenreduktion im Gesundheitswesen positiv auswirken.

Homecare, eHealth und Telemedizin

In Deutschland werden bereits heute sechs Millionen Menschen mit Hilfsmitteln von Homecare-Unternehmen versorgt, die Anzahl wird aufgrund des demographischen Wandels weiter steigen. Auch die ambulante Patientenversorgung wird in der Folge von Veränderungen im Gesundheits- und Krankenhauswesen zunehmen, denn Patienten sollen nach der Behandlung/Operation möglichst schnell in den ambulanten Bereich überführt werden. Damit werden die Weiterentwicklung und die Einführung der Telemedizin als Bestandteil der Regelversorgung einhergehen. eHealth, Telemedizin und -monitoring sowie die erforderliche Vernetzung sollen eine bessere, sichere, optimierte und kosteneffiziente Versorgung gewährleisten. Das ist insbesondere für die medizinische Betreuung chronisch kranker, älterer und pflegebedürftiger Menschen von Interesse. Smarte Textilien mit sensorischen und elektronischen Funktionen können hierzu einen wesentlich Beitrag leisten.

Für den Einsatz der Telemedizin und entsprechender Produkte beim Patienten sind noch intelligente, standardisierte Schnittstellen zu entwickeln und damit eine Interoperabilität der Systeme sicherzustellen. Wesentliche zu erfüllende Anforderungen sind eine gute Bedienbarkeit, eine hohe Ausfallsicherheit/Zuverlässigkeit, einfache Kommunikation (WiFi), Gewährleistung von Datenschutz und Konformität mit dem Medizinproduktegesetz.

Gesundheit und Fitness als attraktiver Markt

Wie aktuell das Thema ist, zeigt sich u. a. darin, dass nicht nur Unternehmen der Medizintechnikbranche sich damit befassen. Gesundheit und Fitness entwickeln sich für Technikfirmen zu attraktiven Märkten. So arbeiten Unternehmen aus der Konsumgüterindustrie oder des Telekommunikationssektors an entsprechenden Lösungen. Die Deutsche Telekom hat jüngst mit der Deutschen Telekom Healthcare and Security Solutions eine eigene GmbH gegründet, um den Ausbau von IT und Telekommunikation im Gesundheitswesen voranzutreiben. Die Telekom hat derzeit diverse Telemedizin-Projekte laufen – diese fokussieren sich u. a. auf Indikationen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlaganfall, Diabetes, chronische Wunden, palliative Pflege und COPD (chronisch obstruktive Lungenerkrankung).

Apple und Google haben vor kurzem ihre Versionen einer Gesundheitsplattform präsentiert: Sie soll dem Privatverbraucher helfen, Gesundheitsdaten über mehrere Wearable-Geräte und Plattformen hinweg zu verwalten. Hierbei arbeiten die Firmen mit führenden Sportartikelfirmen zusammen, die entsprechende „Wearable Electronics“ anbieten.
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