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Minimal-invasive Chirurgie

Themen-Special von medtech zwo - Das unabhängige Medizintechnik-Portal, April 2015

Die minimal-invasive Chirurgie (MIC) hat in den vergangenen Jahrzehnten nach und nach den klinischen Alltag erobert. Heute gehört die sogenannte Schlüsselloch-Therapie in vielen Bereichen zum Standard. Vor allem in der Gynäkologie sowie der Bauch- und Übergewichtschirurgie hat sich die Methode der kleinen Schnitte bewährt.

Große, unschöne Narben waren jahrelang das Markenzeichen von Patienten, die an Galle oder Blinddarm operiert wurden. Heute sind bei Eingriffen im Bauchraum (Laparoskopie) nur noch kleine Schnitte nötig. Durch diese sogenannten Zugangshülsen führt der Chirurg ein spezielles Endoskop unter die Bauchdecke (invasiv). Diese schlauch- bzw. röhrenförmigen Instrumente sind mit Kanälen ausgestattet, an die Videokamera, Lichtquelle oder auch Spül- und Absaugvorrichtungen angeschlossen sind und zur Diagnostik und Therapie von Körperhöhlen und Hohlorganen verwendet werden. Das Innere des Körpers wird dem Arzt dann auf einem Monitor angezeigt. Der wesentliche Vorteil solcher minimal-invasiver Technik: Das Wundtrauma für den Patienten ist gering. Denn kleine Schnitte bedeuten nicht nur kleinere Narben, sondern auch eine bessere Wundheilung und damit schnellere Genesung.

Viele Jahre war der Begriff minimal-invasive Chirurgie gleichbedeutend mit laparoskopischer Chirurgie (Bauchchirurgie). Mit der Weiterentwicklung der Operationsinstrumente ist die Schlüsselloch-Chirurgie zu einem selbstständigen Bereich der Medizin geworden. Operative Eingriffe mit kleinsten, also minimalen Verletzungen von Haut und anderem Gewebe, haben sich in der chirurgischen Praxis als wesentlich schonender für den Patienten erwiesen. Viele einst offene Operationen können daher ambulant durchgeführt werden.

Geschichte der MIC

In den USA und Europa war die Laparoskopie über viele Jahre eine Domäne der Frauenärzte. Die erste laparoskopische Operation an einem Menschen führte 1933 der französische Gynäkologe Carl Fervers durch. In den 80er Jahren war es der Kieler Gynäkologe Kurt Semm, der erstmals diese Methode bei einer Blinddarmentfernung anwandte. Semm setzte dabei auf eine Technik mit mehreren Einstichen, wodurch überhaupt erst komplexere chirurgische Eingriffe möglich wurden. Der entscheidende Durchbruch für die schonende Operationstechnik kam 1985, als der Böblinger Chirurg Erich Mühe die sanfte Methode bei einer Gallenblasenentfernung einsetzte. Mit dem von Mühe entwickelten „Galloskop“, einem bei Mastdarmspiegelungen verwendeten Endoskop ähnlichen Instrument- mit eingebauter Winkeloptik und zusätzlichem Licht-, Insufflations- und Arbeitskanal, wurde die Gallenblase eines Patienten entfernt – damals allerdings noch in direkter Sicht, also ohne Videokamera. In der Allgemeinchirurgie setzte sich die Laparoskopie aber nur zögerlich durch. Noch Anfang der 90er Jahre war daher der Begriff minimal-invasive Chirurgie fast gleichbedeutend mit laparoskopischer Chirurgie.
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