Cochlea-Implantate

Schwerhörigenbund wirbt bei Politik für bessere Versorgungsstandards stark hörgeschädigter Menschen

DSB-Präsident Dr. Matthias Müller, Sylwia Swiston und Janine Dersch von Cochlear sowie Björn Kleiner vom BVMed auf dem DSB-Awareness-Event vor dem Deutschen Bundestag Herunterladen
Der Deutsche Schwerhörigenbund (DSB) hat in den letzten Wochen verstärkt die politischen Entscheider:innen in Berlin über die Notwendigkeit besserer Versorgungsstandards für stark hörgeschädigte Menschen sowie über die Chancen einer Versorgung mit einem Cochlea-Implantat (CI) informiert. Den Auftakt bildete eine Informationsveranstaltung vor dem Deutschen Bundestag im Vorfeld des Welttags des Hörens am 3. März 2022 unter Beteiligung des BVMed und seines Mitgliedsunternehmens Cochlear.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) veranstaltete am 3. März 2022 den Welthörtag. Die Schirmherrschaft hatte in diesem Jahr Bundesgesundheitsminister Prof. Karl Lauterbach übernommen. Zahlreiche Politiker:innen nutzten auf dem Event die Möglichkeit zum Hörtest im DSB-HÖRMobil. Neben Dr. Matthias Müller, Präsident des Deutschen Schwerhörigenbundes (DSB), waren auch Dr. Roland Zeh, Präsident der Deutschen Cochlea Implant Gesellschaft (DCIG), sowie weitere Repräsentanten wie Dr. Harald Seidler (Chefarzt der CI-Reha-Klinik in St. Wendel) und Vertreter der Schwerhörigen-Selbsthilfe vor Ort.

Mehr Menschen könnten von einem Cochlear-Implantat (CI) profitieren

16 Millionen Deutsche leben mit einer Hörbeeinträchtigung. Das sind rund 20 Prozent der Bevölkerung. Nicht wenigen von ihnen können Hörgeräte keine ausreichende Hilfe bieten. Eine angemessene Alternative für sehr viele hochgradig hörgeschädigte, an Taubheit grenzende schwerhörige Menschen könnte die Versorgung mit einem Cochlea-Implantat (CI) sein. „Eine solche Versorgung kann das Sprachverstehen und die Lebensqualität dieser Menschen deutlich verbessern“, so DSB-Präsident Dr. Matthias Müller. Doch bislang erhalten hierzulande noch viel zu wenige Betroffene Zugang zu einer CI-Implantation/Therapie. Laut Schätzungen ist von 20 hochgradig hörgeschädigten Bundesbürgern, die von der Versorgung profitieren könnten, gerade mal einer mit dem Cochlea-Implantat versorgt. Abstriche in der Lebensqualität, psychische Erkrankungen, Arbeitslosigkeit und damit einhergehende Folgekosten – die Auswirkungen dieser Versorgungslücke sind sowohl für die Betroffenen selbst als auch für die Gesellschaft gravierend, heißt es in einer DSB-Erklärung.

„Es ist wichtig, dass jeder hörbehinderte Mensch eine Versorgung erhält, die ihm bestmögliche Kommunikation und damit eine möglichst uneingeschränkte Teilhabe sichert“, so Hubert Hüppe (CDU), Mitglied des Gesundheitsausschusses des Deutschen Bundestages, bei seinem Besuch im DSB-HÖRMobil. „Wenn es dabei Handlungsbedarf gibt, muss die Politik reagieren. Ich bin gerne bereit, möglichst schnell mit dem Präsidenten Dr. Matthias Müller und anderen Betroffenen darüber intensiver in Kontakt zu treten.“ Eine weitere Einladung zur Fortsetzung der Gespräche erhielt Dr. Matthias Müller auch von Kristine Lütke (FDP), ebenfalls Mitglied im Gesundheitsausschuss.

Dr. Matthias Müller: „Unser Ziel ist es, gemeinsam mit unseren Partnern und allen Schwerhörigen das Bewusstsein zu schärfen: Eine hochwertige Cochlea-Implantat-Versorgung kann vielen hochgradig schwerhörigen Menschen ein großes Plus an Teilhabe und Lebensqualität ermöglichen. Das CI bietet große Chancen für uns alle. Zudem wird diese Versorgung üblicher Weise von den Krankenkassen finanziert. Es ist jedoch wichtig, den Zugang zur Implantation/Therapie zu erleichtern und sie im allgemeinen Bewusstsein zu verankern. Die Unterstützung engagierter Fürsprecher aus der Politik ist dafür unabdingbar.“

Quelle:
Pressemeldung des Deutschen Schwerhörigenbundes

Hintergrundinformationen:
Der Deutsche Schwerhörigenbund (DSB) vertritt die Interessen der schwerhörigen und ertaubten Menschen in Deutschland auf örtlicher, Landes- und Bundesebene. Basis der Arbeit des DSB sind die Ortsvereine und Selbsthilfegruppen, die sich zu Landesverbänden und zum Bundesverband zusammengeschlossen haben. Weitere Informationen unter www.schwerhoerigen-netz.de.

Das Cochlea-Implantat (CI) wird unter die Kopfhaut des Patienten eingesetzt und die Elektrode reicht bis in dessen Innenohr. Es wandelt gesprochene Worte und andere akustische Signale in elektrische Impulse um. Durch diese Impulse wird in der Hörschnecke, der sogenannten Cochlea, eine Weitergabe über den Hörnerv, stimuliert. Zu jedem CI gehört außerdem ein Soundprozessor mit Sendespule, der entweder wie ein Hörgerät hinter dem Ohr oder alternativ frei vom Ohr, am Kopf, getragen wird. Gehörlos geborenen Kindern und hochgradig hörgeschädigten bis ertaubten Kindern sowie hochgradig hörgeschädigten und ertaubten Erwachsenen kann das CI wieder den Zugang zur Welt des Hörens und der gesprochenen Worte eröffnen. Eine Orientierung, ab wann ein Cochlea-Implantat in Erwägung gezogen werden sollte, bietet die AWMF-Leitlinie „Cochlea-Implantat Versorgung“ der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie e. V. (DGHNO-KHC)
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