Analfistel

Behandlung von Analfisteln: Injizierbarer Gewebefüller

Analfisteln sind abgekapselte Eiterblasen im Afterbereich und meist Folge eines Analabszesses. In Deutschland gibt es circa 15.000 Neuerkrankungen pro Jahr. Meist sind Männer zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr betroffen. Die Rückfallrate liegt zwischen 10 und 50 Prozent.

Die Fisteln entstehen durch eine Entzündung im Enddarm, im Bereich der sogenannten Proktodealdrüsen. Da die Drüsen ins Darminnere münden, können Bakterien aus dem Darm in die Drüsen eindringen und Entzündungen verursachen. Dabei entsteht eine Eiteransammlung, ein Abszess. Dringt der Eiter in Folge des entstehenden Drucks durch die Schließmuskulatur bis an die Hautoberfläche, entstehen dabei verzweigte Gänge im Gewebe, die sogenannten Fisteln. In seltenen Fällen endet die Fistel auch in der Harnblase oder Scheide oder als Sackgasse blind im Gewebe.

Meist lösen kleine Hautrisse im Analbereich, sogenannte Analfissuren, die Entzündung aus. Infiziert sich ein solcher Einriss, kann der Infekt in die Tiefe wandern und eine Fistel bilden. Darüber hinaus können Analfisteln als Folge einer entzündlichen Darmerkrankung wie etwa Morbus Crohn oder Divertikulitis auftreten. Tumorerkrankungen, bakteriellen Infektionen wie Tuberkulose oder Immunschwächeerkrankungen wie beispielsweise eine HIV-Infektion sind nur sehr selten Auslöser für die Fistelbildung.


Analfistel und Abszess sind zwei Stadien eines Entzündungsprozesses. Der Abszess stellt das akute Stadium dar. Dabei sind Fieber und ein ausgeprägtes Krankheitsgefühl die typischen Symptome. Entleert sich der Abszess, bleibt eine Fistel zurück. Sie gilt bereits als das chronische Entzündungsstadium. Der Patient bemerkt zunächst kleine Pickel in der Analregion. Darüber hinaus gehören Jucken, Schmerzen sowie Blutungen beim Stuhlgang und eitrige Absonderungen zu den gängigen Krankheitssymptomen.

Grundsätzlich sollten Krankheitsanzeichen immer ernst genommen und von einem Proktologen untersucht und abgeklärt werden. Je früher eine Fistel behandelt wird, desto besser sind die Heilungschancen. Bleibt eine Analfistel unbehandelt, kann sich diese weiter ausdehnen, die Schließmuskulatur schädigen und so langfristig eine Stuhlinkontinenz verursachen.

Für den Mediziner ist die Behandlung von Analfisteln nach wie vor eine medizinische Herausforderung. In der Regel entscheidet sich der Chirurg für einen operativen Eingriff, die sogenannte Fistulotomie. Dabei spaltet er die Fistel bis zu seiner Basis auf, sodass der Eiter abfließen kann und säubert die Abszesshöhle. Vollständig kann die Fistel jedoch nur abheilen, wenn die Infektionsquelle gefunden und erfolgreich behandelt wird. Ist dies nicht der Fall, können Fistelrezidive entstehen.

Da sich eine Analfistel oft in der Schließmuskulatur entwickelt, muss der Chirurg auch den Muskel einschneiden. Dies kann die zukünftige Leistungsfähigkeit des Muskels beeinträchtigen. So leiden 18-52 % der Betroffenen in Folge einer Fistulotomie an Kontinenzstörungen. Auch verspätete postoperative Komplikationen sind keine Seltenheit.

Innovative Therapie

Eine neu entwickelte Kollagenpaste kann eine Alternative zum operativen Eingriff darstellen. Dabei handelt es sich um einen injizierbaren Gewebefüller bestehend aus azellulärer Dermakollagen-Matrix vom Schwein in Kochsalzlösung. Die Paste passt sich aufgrund ihrer Geschmeidigkeit exakt dem Fistelgang an und beschleunigt dadurch den notwendigen Gewebeumbau sowie den Fistelverschluss. Eingebracht wird die Kollagenpaste mittels einer anwenderfreundlichen Fertigspritze. Diese minimalinvasive Lösung stellt eine schonende Behandlungsalternative dar. Sie kann das Stuhlinkontinenzrisiko verringern und weitere Fistelbildung verhindern. Grundsätzlich ist die neuartige Kollagenpaste für alle Fisteln geeignet.

Vorteile der Kollagenpaste für den Patienten
  • Schonende Alternative zum operativen Eingriff
  • Kollagenpaste passt sich dem jeweiligen Fistelgang genau an
  • Kann das Stuhlinkontinenzrisiko verringern
  • Kann Fistelrezidiven vorbeugen
  • Einfache und anwenderfreundliche Fertigspritze

Verfügbarkeit für den Patienten

Die Therapie wird bislang erst in wenigen Kliniken angeboten. Dies liegt unter anderem derzeit noch daran, dass diese Behandlung noch nicht im DRG-Katalog abgebildet ist.

Fazit

Zur Behandlung der Analfisteln stehen verschiedene Therapieoptionen zur Verfügung. In den meisten Fällen entscheidet sich der Mediziner für einen operativen Eingriff. Postoperative Beschwerden wie beispielsweise Stuhlinkontinenz sind dabei nicht ausgeschlossen. Die Kollagenpaste kann für viele Betroffene deshalb eine Alternative darstellen. Sie erspart den Patienten nicht nur eine OP, sondern kann dazu beitragen, Folgebeschwerden zu minimieren.

Herausgeber: Aktion Meditech, www.aktion-meditech.de

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