Position des Fachbereichs Nosokomiale Infektionen: „Infektionen vermeiden – bewusst handeln“

Infektionen vermeiden – Bewusst handeln


  • Prävention geht vor Behandlung.
    Die breit geführte Diskussion über Therapieoptionen, beispielsweise den Einsatz von Antibiotika, ist wichtig. Nur effektiver Infektionsschutz reduziert aber die Notwendigkeit, Infektionen behandeln zu müssen.

  • Transparenz schafft Problembewusstsein.
    Deshalb brauchen wir in Deutschland aktuelle und aussagekräftige Daten zum Infektionsgeschehen in allen medizinischen Einrichtungen.

  • Bis zu einem Drittel der nosokomialen Infektionen gilt als vermeidbar.
    Um dies zu erreichen, sind konkrete Zielvorgaben und die Anstrengungen aller Beteiligten erforderlich, um die verbindlichen Hygieneempfehlungen konsequent umzusetzen.


  • Wie ist die derzeitige Situation?

    In Deutschland erkranken nach aktuellen Schätzungen jährlich rund 600.000 Menschen an nosokomialen Infektionen. Die häufigsten Formen sind Lungenentzündungen, Harnwegs- und Wundinfektionen bis hin zur Sepsis (Blutvergiftung).
    In Folge dieser Infektionen sterben bis zu 20.000 Menschen jährlich. Das sind schätzungsweise fünfmal so viele wie durch Unfälle im Straßenverkehr.
    Für Betroffene bedeutet das viel persönliches Leid, ausgelöst durch längere Behandlungszeiten, bleibende Komplikationen oder Todesfälle.
    Aber auch das Gesundheitssystem wird unnötig und immens belastet.
    Dabei gilt bis zu einem Drittel der nosokomialen Infektionen als vermeidbar – vor allem durch bessere Hygiene.


    Position des Fachbereichs „Nosokomiale Infektionen“ im BVMed: Jeder hat das Recht auf Schutz vor nosokomialen Infektionen

    Die Vermeidung von nosokomialen Infektionen ist die zentrale Herausforderung der Zukunft. Dadurch würde das Leben von Patienten erleichtert, hohe Kosten für unnötige Behandlungen könnten gesenkt werden.
    Infektionsprävention muss daher eine gesundheitspolitische Priorität sein, die sich im täglichen Handeln im Gesundheitssektor äußert.
    Die konsequente Umsetzung von Hygienemaßnahmen und die Anwendung risikominimierender Medizinprodukte und -technologien sind effektive Mittel zur Vermeidung von nosokomialen Infektionen.


    Hintergrund

    Die Gründe für nosokomiale Infektionen sind vielfältig.
    Eine wesentliche Ursache für nosokomiale Infektionen ist unzureichende Hygiene. Ein hoher Zeit- und Arbeitsdruck des Personals in medizinischen Einrichtungen fördert dieses Problem.

    Ein weiteres Problem liegt in der Beobachtung, dass die Hygiene-Empfehlungen der Expertenkommission KRINKO beim Robert Koch-Institut nicht konsequent zur Anwendung kommen. Obwohl im Infektionsschutzgesetz § 23 verankert, werden die hierin festgeschriebenen Maßnahmen teilweise nur unzureichend verwirklicht.

    Auch der zunehmende Druck auf die Sachkosten im Krankenhaus und die teils nicht gegebene Erstattung von Hygiene- und Infektionsschutzmaßnahmen im ambulanten Sektor könnten eine Ursache dafür sein, dass nicht alle erforderlichen „Bausteine“ eines Bündels an präventiven Maßnahmen angewendet werden.


    Vorgeschlagene Maßnahmen

    Wir schlagen zur Etablierung eines patientenorientierten besseren Infektionsschutzes folgende drei aufeinander aufbauende Maßnahmen vor:

    1. Daten zu nosokomialen Infektionen müssen repräsentativ und jährlich für medizinischen Einrichtungen erhoben und veröffentlicht werden. Nur dadurch erreichen wir die erforderliche Transparenz und lenken Aufmerksamkeit auf die Dimension des Problems.
    2. Wir brauchen eine klare Zielvorgabe zur Reduktion der Infektionen sowie einen Zeitrahmen, in dem diese erreicht werden muss.
    3. Angesichts des steigenden Kostendrucks auf die Sachkosten im Krankenhaus und vieler im Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) nicht berücksichtigter Hygiene- und Infektionsschutzmaßnahmen im ambulanten Sektor stehen wir für eine adäquate Erstattung dieser Maßnahmen in allen medizinischen Einrichtungen.

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    Stand: Januar 2020
    • FBNI-Positionspapier zu Krankenhausinfektionen: Infektionen vermeiden – Bewusst handeln

      Februar 2019

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