Haut

Tissue Engineering: Zweite Haut bei Brandverletzungen

Kleinere Brandwunden verlaufen dank der Selbstheilungskräfte der menschlichen Haut in der Regel glimpflich. Doch wird die Haut durch Verbrennungen, Verbrühungen oder Chemikalien ernsthaft geschädigt, kann das für den Betroffenen schwerste Beeinträchtigungen für den Rest seines Lebens bedeuten. Die moderne Medizintechnik hilft, wenn die Haut sich nicht mehr selbst heilen kann.

Ab einer Temperatur von 50 Grad Celsius erleidet die Haut Schäden, die – werden sie nicht schnell und adäquat behandelt – den gesamten Organismus dauerhaft beeinträchtigen können. Schwere Verbrennungen verursachen tiefe Wunden im menschlichen Gewebe und können das lebensnotwendige Organ Haut vollkommen zerstören. Pro Jahr sind in Deutschland etwa 15.000 Menschen von schweren Verbrennungen betroffen. Bei Kindern sind Verbrennungen die zweithäufigste Todesursache.

Herausforderung Haut
Verbrennungen ersten und zweiten Grades können in der Regel konservativ, etwa mit Salben und Verbänden, behandelt werden. Tiefe Brandwunden dritten Grades und großflächige Verbrennungen müssen chirurgisch versorgt werden. Die höchst komplexe Haut des Menschen wieder so herzustellen, dass der Patient möglichst komplikationsfrei leben kann, ist eine der größten Herausforderungen der Verbrennungschirurgie.

Ersatz für die eigene Haut
Seit 1984 kommt dabei Tissue Engineering zum Einsatz – eine Revolution für das Fachgebiet. Das Verfahren ermöglicht es, Haut im Labor nachzuzüchten. Dabei werden Oberhautzellen entnommen und in einem mehrstufigen Verfahren in einer Nährlösung kultiviert. Das fertige Transplantat aus drei bis sechs Zelllagen ist auf eine Trägerfolie gespannt und wird anschließend an die betroffenen Stellen des Patienten transplantiert. Im Zuge des High-Tech-Verfahrens kann die entnommene Haut bis auf das Sechsfache vergrößert werden.

Die Züchtung von Eigenhaut im Labor dauert rund drei Wochen. Zu lange für einen Verbrennungspatienten, der in diesem Zeitraum längst seinen Verletzungen erlegen wäre. Bei schweren Verbrennungen, die innerhalb von höchstens drei Tagen behandelt werden müssen, bietet daher Spenderhaut die Rettung. Sie überbrückt den Zeitraum, bis der Patient mit gezüchteter Eigenhaut versorgt werden kann. Die Medizintechnologie erzielt mit dieser Methode Heilungsraten von bis zu 90 Prozent. Ein Wermutstropfen: Verbrannte Haut dauerhaft mit Zuchthaut von Spendern zu ersetzen ist bislang noch nicht möglich, da der Körper die fremden Zellen nach einiger Zeit abstößt.

Die Zukunft hat begonnen
Tissue Engineering ist eine Zukunftstechnologie. Bereits heute können Haut- und Knorpelgewebe sowie Blutgefäße aus einzelnen entnommenen Zellen eines Menschen im Labor nachgezüchtet und anschließend einem Patienten implantiert werden. Und die Wissenschaft will noch mehr: Forscher arbeiten mit Hochdruck daran, auch komplexere Gewebe bis hin zu ganzen Organen aus Zellen nachzuzüchten. Was heute noch nach Zukunftsmusik klingt, könnte schon bald vielen Menschen das Leben retten.

Hier finden Sie ein Magazin zum Thema "Haut".

Informationsfilm zur Wundversorgung bei Brandverletzungen:
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