Kunststoffe in der Medizintechnik: Geschichte(n) und Trends

Silikonharze und Silberionen



Als ein Mittel der Wahl im klinischen Alltag hätten sich Silikonharze ihren Platz im Ranking der für die Medizintechnik geeigneten Werkstoffe erobert: mit einem Mengenanteil von 3 bis 5 Prozent aller in diesem Bereich eingesetzten Polymere. Wie auf der genannten VDI-Tagung von der Wacker Chemie AG, einem der führenden Hersteller von Silikonkautschuk, zu erfahren war, erfülle dieses Material die strengen Anforderungen für pharmazeutische Anwendungen. Der Werkstoff gilt nicht nur als biokompatibel, sondern sei auch frei von organischen Weichmachern und Stabilisatoren und enthalte als rein synthetisches Substrat keine Inhaltsstoffe tierischen Ursprungs. Silikonelastomere würden über einen weiten Temperaturbereich gute mechanische Eigenschaften aufweisen und wären beständig gegen eine Vielzahl gängiger Reinigungs- und Desinfektionsmittel.

Ein weiterer Trumpf im Angebot der polymeren Werkstoffe sind antimikrobiell ausgestattete Sortierungen. Sie können dazu beitragen, die hohe Anzahl von Infektionen durch Keime im klinischen Umfeld spürbar zu verringern. Thermoplaste beispielsweise lassen sich wirksam durch Zugabe von Metallsalzen antimikrobiell konditionieren. Um Verfärbungen der Endprodukte zu verhindern, wird Zinkoxid eingesetzt. Schon bei niedriger Konzentration lässt sich außerdem mit silberbasierten Additiven eine gute antimikrobielle Wirkung erzielen. Auch ein von der BASF, Ludwigshafen, kürzlich neu auf den Markt gebrachtes Styrol-Butadien-Blockcopolymer (SBC), enthält antimikrobiell wirkende Silberione. Der als Granulat lieferbare und sehr gut im Spritzguss einsetzbare neue Werkstoff soll laut Anbieter hoch effektiv sein gegen eine Vielzahl von Pilzen und diversen Bakterien. Außerdem ließen sich daraus gefertigte Gegenstände für den medizinischen Gebrauch mit den herkömmlichen Methoden desinfizieren.

Und längst auch hat sich die Nanotechnologie in der Gesundheitsbranche etabliert, wo sie gerade in der Medizintechnik eine zunehmend wichtige Rolle spielt. Nach Darstellung von Frank Schröder-Oeynhausen, Geschäftsführer am Centrum für Angewandte Nanotechnologie (CAN) in Hamburg, erlaubt sie die gezielte Herstellung ganz neuer und die Verbesserung bekannter Materialien. So können mit Hilfe von Nanopartikeln zum Beispiel antibakterielle Oberflächen, beschichtete Implantate, kontrastierende Zahnfüllungen oder neuartige Nanocomposites generiert werden. Nanoskalige Kontrastmittel würden im diagnostischen Bereich die bereits existierenden bildgebenden Verfahren optimieren. Und nanoskalige Systeme wie Liposome, Mizellen oder Polymer-Nanopartikel können nach Angaben des Hamburger CAN-Chefs auch als Wirkstofftransporter genutzt werden, um im menschlichen Körper gezielt Wirkstoffe im kranken Gewebe anzureichern.

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