Ohr

Geschichte der Hörhilfen

Das Cochlea-Implantat


Hörgeräte erfüllen ihre Funktion nur bei Schädigungen im Außen- bzw. Mittelohr. Einige Hörstörungen haben ihre Ursache jedoch im Innenohr. In diesen Fällen funktioniert die Hörschnecke (Cochlea) nur noch sehr eingeschränkt, wenn überhaupt. Wenn dem so ist, kommt das Cochlea-Implantat zum Einsatz. Dabei handelt es sich um eine elektrische Reizprothese – sozusagen ein „körpereigenes Mikrophon“.

Die Professoren Roland Laszig und Ernst Lehnhardt der Medizinischen Hochschule Hannover zählen zu den Pionieren des Cochlea-Implantates (CI). 1984 setzten sie die erste Innenohrprothese in Deutschland ein. Es war der Versuch, einem Patienten alltagstaugliche Prothesen im Ohr zu implantieren. Zunächst sollte dieser nur Umweltgeräusche wieder wahrnehmen können. Überraschenderweise verstand der Patient auch Sprache wieder. Von da an ging es mit dem Cochlea-Implantat steil Berg auf. Trotz erheblicher Widerstände, sowohl aus den eigenen Reihen der Ärzteschaft, Hörgeschädigtenpädagogen, aber auch möglichen Patienten. Als erstes Kind bekam 1986 ein Mädchen ein CI implantiert.

Moderne Cochlea-Implantate bestehen aus dem sichtbaren Sprachprozessor mit Spule und dem implantierten Teil. Der Sprachprozessor liegt hinter dem Ohr und wandelt die akustischen Signale um. Die Spule leitet diese als elektrische Impulse über einen Magneten an das Implantat weiter. Dadurch wird der Hörnerv direkt elektrisch stimuliert. Der klassische Weg des Schalls über die Hörmuschel wird umgangen.

Inzwischen zählt der Eingriff unter Vollnarkose zu den Routineeingriffen. Diese Eingriffe sind computer- und robotergestützt, um Risiken vorzubeugen und möglichst genau zu arbeiten. Das Implantat soll ein Leben lang halten. Es wird vorrangig bei Menschen eingesetzt, die stark schwerhörig oder im Erwachsenenalter ertaubt sind. Heute wird es auch bei Kindern implantiert, die schon taub auf die Welt kommen. Auf diese Weise erhalten sie Zugang zur Sprache und können sich ganz normal entwickeln. Voraussetzung für das Cochlea-Implantat sind der intakte Hörnerv und die funktionierende zentrale Hörbahn. Sind diese Voraussetzungen nicht gegeben, kann ein sogenanntes Hirnstammimplantat eingesetzt werden. Es arbeitet ähnlich wie das CI. Allerdings wird das nächste Neuron der Hörbahn im Hirnstamm stimuliert. Die Elektrode wird direkt auf den Hörnervkern gesetzt.

Stand: August 2013
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