Ohr

Geschichte der Hörhilfen

Erste Hörhilfen



Bereits die alten Ägypter und Griechen beschäftigten sich mit dem Phänomen des Hörens und dem nachlassenden Hörvermögen. So finden sich in alten ägyptischen Schriften Mittel gegen die „Schwere des Ohres" und gegen „Unreinheit des Ohres". Im Papyrus Ebers wird die Therapie der Nasen- und Ohrenleiden zusammen abgehandelt. Bei den alten Griechen entstanden erste Überlegungen zum Schall.

Schon im 16. Jahrhundert unterschied der italienische Arzt Hieronimus Capivacci zwischen verschiedenen Arten von Schwerhörigkeit. So könne die Ursache entweder eine Schädigung des Trommelfells oder auch des Innenohrs sein. Um herauszufinden, um welche Schädigung es sich handelte, nutze Capivacci einen Eisenstab und eine Zither. Mit dem Eisenstab verband er die Saiten der Zither mit den Zähnen des Schwerhörigen. Hörte dieser die Töne, so lag die Ursache beim Trommelfell bzw. im Mittelohr. Denn die Knochenleitung des Tones funktionierte.

Im 18. Jahrhundert wurden erste Hörhilfen entwickelt. So litt Beethoven ab seinem 30. Lebensjahr unter Schwerhörigkeit. 1813 ließ er sich von dem Mechaniker Johann Nepomuk Mälzel mehrere Hörrohre fertigen. Wobei die Wirkung relativ gering ausfiel, für Menschen mit Schwerhörigkeit aber nicht unerheblich war. 1820 wurde die "Hörmaschine mit biegsamen Rohr" von Pastor Dunker patentiert. Diese bestand aus einem Schlauch und einem Trichter aus Hartgummi. Dazu gab es 12 Seiten Anleitung.

Mitte des 19. Jahrhunderts begann man sich intensiv mit dem Hören zu beschäftigen. 1834 entdeckte Ernst Heinrich Weber (1795–1878) mit seinem Stimmgabelversuch das Phänomen der Knochenleitung wieder. Bei seinem Stimmgabelversuch legt man dem Menschen eine schwingende Stimmgabel oben auf die Mitte des Kopfes. Hat dieser den Eindruck, der Ton würde in der Mitte seines Kopfes entstehen, sind beide Ohren gleichermaßen intakt. 1855 führte Heinrich Adolf Rinne (1819–1868) ebenfalls einen Stimmgabelversuch durch. Mit diesem testet man sowohl die Luft-, als auch die Knochenleitung des Schalls. Dazu wird die Stimmgabel zuerst mit kleinem Abstand an die Ohrmuschel gehalten und anschließend auf den Knochen hinterm äußeren Ohr gesetzt. Mit diesem Test kann der Arzt herausfinden, in welchem Bereich die Ursache für die Schwerhörigkeit liegt. Der Rinne-Versuch ist dem von Capivacci aus dem 16. Jahrhundert sehr ähnlich.

1878 erfand Werner von Siemens einen speziellen Telefonhörer für Schwerhörige. Dieser verstärkt das empfangene Telefonat. Der amerikanische Elektro-Ingenieur Miller Reese Huntington meldete 1901 ein Patent auf sein Hörgerät „Acousticon“ an. Dieses Hörgerät hatte ein Gewicht von 12kg. Die englische Königin Alexandra ist eine der ersten Nutznießerinnen. Mit der Zeit wurden die Geräte immer kleiner und waren auch mobil einsetzbar. Der Hörer, der zunächst ans Ohr gehalten wurde, konnte an der Ohrmuschel befestigt werden, sodass die Hände frei waren. Nach dem ersten Weltkrieg kamen Röhren-Tischgeräte auf den Markt. Sie waren in der Lage, verschiedene Frequenzbereiche zu verstärken. Allerdings waren sie nicht mobil einsetzbar, da sie mit Strom versorgt wurden.
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