Venöse Zugänge

Reduzierung von Komplikationen durch innovative Katheter-Fixiersysteme und -techniken

Gastbeitrag von Christina Krampe, Vygon GmbH

90 % aller Patienten benötigen während ihres Krankenhausaufenthaltes einen intravenösen (i. v.) Katheter für eine Infusionstherapie [5]. Im Umgang mit i. v. Kathetern können eine Reihe von Komplikation auftreten, wie z. B. Phlebitiden, Okklusionen, Dislokationen oder Infektionen. Um Risikofaktoren für diese Komplikationen zu minimieren, gibt es viele Aspekte, die zu berücksichtigen sind - von der Vorbereitung einer Katheterplatzierung bis hin zur Katheterpflege. Ein wichtiger Punkt im Umgang mit i. v. Kathetern, ist die wiederkehrende Katheterpflege, egal ob bei peripheren Venenkathetern (pVK), ZVK, getunnelten Kathetern, PICC-line oder Midline-Kathetern. Häufig steht hier besonders die sterile Abdeckung der Katheter-Einstichstelle im Fokus. Wie sieht es aber eigentlich mit der richtigen Fixierung des Katheters aus?

Die Nahtfixierung
In der Vergangenheit wurden speziell zentralvenöse Katheter traditionell an der Haut angenäht. Dies stellte eine einfache und kostengünstige Möglichkeit der Katheterfixierung dar. Viele Studien der vergangenen Jahre zeigen jedoch Komplikationen der Fixierung mittels einer Naht auf. Zum einen kann es bei dieser Methode zu Nadelstichverletzungen kommen, wodurch die Anwender einem potentiellen Infektionsrisiko ausgesetzt sind. Zum anderen wird der Fixierung mit Naht ein erhöhtes Risiko der Blutstrominfektion zugesprochen, da durch das Annähen die natürliche Schutzbarriere der Haut durchbrochen wird und Bakterien schneller eindringen können [11, 12]. Das Nahtmaterial ist zudem verhältnismäßig rau, wodurch sich Bakterien gerne auf der Oberfläche des Nahtmaterials ansiedeln. Zudem ist beim regelmäßigen Verbandswechsel eine optimale Desinfektion unterhalb des Katheterflügels aufgrund der Naht nicht realisierbar. Micro-Bewegungen an der Katheter-Einstichstelle, stellen ebenfalls ein erhöhtes Infektionsrisiko dar [1, 4]. Eine mangelhafte Nahttechnik kann zu Micro-Bewegungen an der Katheter-Einstichstelle führen und das Infektionsrisiko negativ beeinflussen. Wird die Bewegung um die Katheter-Einstichstelle reduziert, kann dies erheblich zur Reduktion von Phlebitiden, Dislokation, Infiltration und Okklusion beitragen [1].

In den letzten Jahren wurden daher neue Technologien zur Katheterfixierung entwickelt, um die oben beschriebenen Komplikationen mit einer Nahtfixierung zu reduzieren.

Nahtlose Fixierhilfen
Nahtlose Fixierhilfen, im Englischen auch „suturless securement devices“ (SSD) genannt, sind an der Unterseite mit einer großflächigen Klebefläche ausgestattet und besitzen in der Regel ein Fixiersystem, in dem die Katheterflügel sicher eingebettet werden können. Deren Haupteinsatzbereich sind periphere Venenkatheter wie PICC und Midline-Katheter, da diese über mehrere Wochen am Patienten verbleiben und daher eine optimale Desinfizierbarkeit der Haut gewährleistet werden muss. Die große Klebefläche auf der Haut gewährleistet einen sicheren, festen Halt des Katheterflügels und einen hohen Tragekomfort. Dies verhindert Micro-Bewegungen und die damit verbunden Risiken - wie oben bereits beschrieben [1, 4]. Verschiedene Studien konnten zeigen, dass die Einführung von nahtfreien Fixierhilfen, das Risiko einer Nadelstichverletzung und die CRBSI (catheter related bloodstream infections) reduziert.

Molina-Manzón et al konnte zeigen, dass sich durch den Einsatz einer nahtlosen Fixierhilfe im Vergleich zu einer Nahtfixierung bei ZVK, die Häufigkeit der Komplikationen von 47,2 % auf 21,3 % reduzieren ließ [2]. Die Patientengruppe, deren Katheter mit einer Naht fixiert wurde, hatte zudem signifikant höhere Komplikation wie: lokale Anzeichen einer Infektion, Katheter-Dislokation und Katheter-assoziierte Bakterieämien. Bei Patienten mit einer nahtlosen Fixierhilfe traten zudem weniger Blutungen auf, wodurch der Verband weniger häufig gewechselt werden musste [2]. So konnten zudem Kosten reduziert werden. Aufgrund der langen Liegedauer von PICCs gilt hier die Fixierung mit einer nahtlosen Fixierhilfe als aktueller Stand der Technik. So kann über den gesamten Therapierverlauf für eine hygienische Katheterpflege gesorgt werden.

Subkutane Ankersysteme
Eine neue Technologie zur Katheterfixierung stellen subkutane Ankersysteme, auch „subcutaneous engineered securement device“ (SESD) genannt, dar. Sie werden im Zuge der Katheterplatzierung positioniert und verbleiben über die komplette Liegedauer des Katheters am Patienten. Das Ankersystem wird im subkutanen Gewebe an der Kathetereinstichstelle mit zwei kleinen, stumpfen Ankerhaken fixiert. Anschließend wird der Katheterschlauch in das System eingelegt und dieser mit einer Kappe fest im Ankersystem eingespannt. So werden Migrationen des Katheters oder eine versehentliche Katheterentfernug reduziert. Währen der Katheterpflege kann das System leicht angehoben werden, sodass der Bereich unter den Katheterflügeln und der Bereich um die Punktionsstelle desinfiziert werden kann. Eine Anwendungsstudie mit PICC und dem Ankersystem konnte zeigen, dass die Benutzerfreundlichkeit und die Fähigkeit, die PICC-Einstichstelle effektiv zu reinigen und den Verband sicher zu entfernen als zusätzliche Vorteile des Systems gesehen werden können [10].

Cyanacrylatkleber in medizinischer Qualität
Gewebeklebstoffe bieten die Möglichkeit, die Insertionsstelle zu „versiegeln“, um das Eindringen von Mikroorganismen zu verhindern. Zudem bieten sie eine hohe Zugfestigkeit, wodurch Mikro- und Makro-Bewegungen des Katheters reduziert werden. Durch das schnelle Verschließen der Insertionsstelle nach der Punktion, wird zudem frühzeitig eine Hämostase erzielt. Für die Anwendung von Gewebeklebern legen Studien nahe, dass das Auftragen von ein bis zwei Tropfen an der Katheter- Einstichstelle ausreicht, um diese abzudichten und damit zur Stabilität des Katheters beizutragen. Da es bis zu 10 Tage dauern kann, bis sich der Gewebekleber vollständig abgebaut hat, ist ggf. die Anwendung spezieller Produkte zur Entfernung des Klebers notwendig [3].

Laboruntersuchungen mit peripheren Venenkatheter (pvK) zeigten auf, dass im Vergleich zu herkömmlichen Transparentverbänden, bei Verwendung des Cyanoacrylatklebers keine Keimbesiedlung auftrat [6]. Für zentralvenöse Katheter (ZVK, PICC, Hickman-Katheter) wird der Hautkleber zur schnellen Bildung einer Hämostase eingesetzt. In verschiedenen Studien konnte gezeigt werden, dass dadurch der routinemäßige Verbandswechsel nach der Katheterplatzierung entfallen und so die Pflegezeit und die Gefahr einer Blutstrominfektion reduziert werden könnte [3].

Um Komplikationen mit dem Cyanoacrylatkleber zu vermeiden, ist bei der Einführung von Gewebeklebern in die klinische Praxis eine umfassende Schulung erforderlich, um sicherzustellen, dass das Pflegepersonal die richtigen Entfernungstechniken anwendet, um so eine Schädigung der Haut des Patienten zu vermeiden [8].

Viele der oben genannten Systeme werden in den neusten Guidelines verschiedener Fachgruppen als „Best Practice“ im Umgang mit i. v. Kathetern empfohlen. Dazu gehören z. B. die Guidelines der GAVeCeLT [8] oder der Infusion Nurses Society (INS) [9].

Trotz allem können Katheterfixierungen nicht allein zur Reduktion von Komplikationen, wie oben beschrieben, beitragen. Vor der Investition in neue innovative Katheterfixierungssysteme sollte immer die Optimierung bestehender Kathetermanagement-Prozesse stehen, wie die Auswahl des richtigen Katheters, der richtigen Punktionsstelle, die Förderung der Hautgesundheit, die regelmäßige Katheterbewertung etc. Bei der Einführung neuer Fixiersysteme und -techniken ist ggf. der aktuelle Hygienestandard zu überarbeiten bzw. zu aktualisieren. Ein wichtiger Punkt ist hierbei die regelmäßige Schulung aller Anwender auf die verschiedenen Methoden der Katheterpflege [5].

Christina Krampe
ist Product Manager bei der Firma VYGON - Erzeugnisse für Medizin und Chirurgie - GmbH & Co. KG

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Christina.Krampe@VYGON.de


LITERATUR
  1. Barton, A.; Universal adhesive vascular access securement with Grip-Lok devices; British Journal of Nursing; Vol 29; No.8; 2020
  2. Molina-Mazón, C.S., Martín-Cerezo, X., Domene-Nieves de la Vega, G.. Asensio-Flores, S., Adamuz-Tomás, J.; Comparative study on fixation of central venous catheter by suture versus adhesive device; Enferm Intensica; 29(3): 103-112; 2018
  3. Corley, A.; Marsh, N.; Ullman, A.; Rickard, C. M.; Tissue adhesive for vascular access devices: who, what, where and when?; British Journal of Nursing, 2017, (IV Therapy Supplement) Vol 26, No 19
  4. Spencer, T. R.; Securing vascular access devices; American Nurse Today; pp 28-31; 2018
  5. Ullman, A.; Rickard, C.; Securement for vascular access devices: looking to the future; British Journal of Nursing, 2017, Vol 26, No 8
  6. Simonova, G., Rickard, .CM., Dunster, K.R., Smyth, D.J., McMillan, D., Fraser, J.F.; Cyanoacrylate tissue adhesives—effective securement technique for intravascular catheters: in vitro testing of safety and feasibility. Anaesth Intensive Care. 2012; 40(3):460–466
  7. Ullman, A.; Marsh, N.; Rickard, C.; Securement for vascular access devices: looking to the future; British Journal of Nursing, 2017, (IV Therapy Supplement) Vol 26, No 8
  8. Pinelli, F., Pittiruti, M., Boxtel, T.V., Barone, G., Biffi, R., Capozzoli, G., Crocoli, A., Elli, S., Elisei, D., Fabiani, A., Garrino, C., Graziano, U., Montagnani, L., Prato, A., Scoppettuolo, G., Zadra, N., Zanaboni, C., Zerla, P., Konstatinou, E., Jones, M., Rosay, H., Simcock, L., Stas, M., & Pepe, G. (2020). GAVeCeLT-WoCoVA Consensus on subcutaneously anchored securement devices for the securement of venous catheters: Current evidence and recommendations for future research. The journal of vascular access.
  9. Gorski LA, Hadaway L, Hagle ME, et al. Infusion therapy standards of practice. J Infus Nurs. 2021; 44(suppl 1): S1-S224.
  10. Culverwell, et al.; Do subcutaneously engineered stabilisation devices reduce PICC migration? A product evaluation report; The Australian Journal of Cancer Nursing, Vol. 21, No. 2, Nov 2020
  11. O’Grady NP, Alexander M, Burns LA, et al. Guidelines for the prevention of intravascular catheter-related infections. Clin Infect Dis. 2011; 52(9)
  12. de Hoog S, Monod M, Dawson T et al. Skin fungi from colonization to infection. In: Heitman J, Howlett BJ, Crous PW, Stukenbrock EH, James TY, Gow NAR (eds). The fungal kingdom. Wiley Online Library; 2017: 855–871.
  • Unterschiede der venösen Zugänge

  • Der periphere Venenkatheter (pVK)

    Der pVK wird von Pflegekräften oder ärztlichem Personal am Handrücken oder am Unterarm platziert und bietet eine sehr schnelle Möglichkeit, eine Infusion zu verabreichen. Patienten erhalten häufig bereits bei der Aufnahme im Krankenhaus einen pVK, dieser verbleibt einige Stunden bis mehrere... Weiterlesen

  • Der zentrale Venenkatheter (ZVK)

    Die Anlage eines zentralvenösen Zugangs (ZVKs) erfolgt überwiegend durch Anästhesisten. Der Anlageort ist in den meisten Fällen die Vena jugularis (Halsvene), aber auch die Vena subclavia (Schlüsselbeinvene) oder eher selten die Vena femoralis (Anlage in der Leiste). Der Katheter liegt dann... Weiterlesen

  • Der Midline-Katheter

    Der Midline-Katheter ist ein Gefäßzugang, der wie der PICC ebenfalls am Oberarm eingeführt wird, jedoch eine Länge zwischen 6 und maximal 25 cm hat. Die Katheterspitze liegt in einer peripheren Vene vor der Achselbeuge. Je nach Bedarf kann er auch am Unterarm platziert werden, wobei dann darauf... Weiterlesen

  • Der Hickman- oder Broviac-Katheter

    Die Implantation der Hickman- oder Broviac-Katheter erfolgt wie beim Port im OP durch Chirurgen oder Ärzte anderer Fachrichtungen. Der Katheter wird vom Brustbereich zur Schlüsselbeinvene (Vena subclavia) subkutan getunnelt (eine längere Strecke im Unterhautfettgewebe der Haut) und dort in die... Weiterlesen

  • Peripher insertierte zentralvenöse Katheter (PICCs - Peripherally Inserted Central venous Catheter)

    Der PICC wird meist über eine Vene am Oberarm eingeführt und bis zum cavoatrialen Übergang (Übergang von oberer Hohlvene zum rechten Herzvorhof) vorgeschoben.

    Platziert wird er unter sterilen Bedingungen i.d.R. im OP oder in seltenen Fällen am Patientenbett, meistens durch interventionelle... Weiterlesen

  • Der Port-Katheter

    Die Implantation des Ports wird ambulant oder stationär im OP überwiegend durch Chirurgen oder interventionelle Radiologen vorgenommen. Auch kann die Implantation in einer Tagesklinik erfolgen. Mögliche Zugänge für den zum Port gehörenden Katheter sind meist Venen im Schulter-Thorax-Bereich.... Weiterlesen


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