Krampfadern

Schonende Behandlungsoption für die Vene: extraluminale Valvuloplastie

Geschwollene Füße, schwere Beine und Wadenkrämpfe über Nacht: Bei neun von zehn Erwachsenen in Deutschland ist die Venenfunktion beeinträchtigt, ein Viertel leidet unter Krampfadern. Dabei sind Frauen viermal häufiger betroffen als Männer. Neben bisherigen Therapien wie Stripping, Laserkatheter oder Radiowellenverfahren, kommt heute vermehrt die so genannte extraluminale Valvuloplastie zum Einsatz. Im Unterschied zu den traditionellen Behandlungen setzt diese Therapie auf den Erhalt der Venen, die später bei möglichen Herz- oder Gefäßoperationen als Bypassmaterial dienen können.

Krampfadern, sogenannte Varizen, sind geschlängelte knotenförmige Venenausweitungen, die überwiegend in den Beinen auftreten. Venenklappen sitzen in gleichmäßigen Abständen an der Innenseite der Blutgefäße und befördern das Blut gegen die Schwerkraft zum Herzen. Wenn diese Klappen durch zu wenig Bewegung nicht mehr richtig schließen, fließt das Blut zurück und versackt im tiefen Inneren des Beins. Es entsteht Druck, Blutstau und Überdehnung, sodass sich schließlich Krampfadern ausbilden.
Die Symptome sind meist Schwellungen im Knöchelbereich, ziehende oder brennende Schmerzen und ein allgemeines Spannungsgefühl. Im Laufe des Tages nehmen die Beschwerden zu und enden häufig in nächtlichen Wadenkrämpfen. Zum Problem werden die kleinen bläulichen Adern nicht nur aus ästhetischer Sicht: unbehandelt können die Varizen Venenentzündungen, Beinvenenthrombosen oder im fortgeschrittenen Stadium offene Unterschenkelgeschwüre zur Folge haben.

Gängige Therapieformen zerstören erkrankte Venenabschnitte

Zur Behandlung von Krampfadern setzten sich in der Vergangenheit drei Verfahren vornehmlich durch. Beim Venenstripping wird operativ unter örtlicher Betäubung oder Vollnarkose die betroffene Vene zunächst durch kleine Schnitte in der Leiste sowie unterhalb des Kniegelenks abgetrennt, mit Hilfe einer Sonde aufgefädelt und aus dem Bein herausgezogen. Statt die Stammvene zu entfernen, werden bei den Therapien mit Laser oder Radiowellen hingegen die erkrankten Venenabschnitte zerstört. Bei der endovenösen Lasertherapie wird unter Ultraschallkontrolle eine Glasfaser in die zu behandelnde Vene platziert und dann durch Laserlicht erwärmt. Ist ein Abschnitt erfolgreich verödet, wird der Katheter sukzessiv vorgezogen, bis die ganze Vene behandelt wurde. Ein Nachteil ist jedoch, dass bei diesen drei Therapien Venenmaterial verloren geht, welches in einem späteren Lebensabschnitt bei Bypass Operationen benötigt werden könnte.

VenoPatch als innerer Kompressionsstrumpf

Da nicht jede Krampfader entfernt werden muss, besteht mit der extraluminalen Valvuloplastie die Möglichkeit der „Reparatur“ der Vene. Bei dieser Methode wird die Vene von außen eingeengt, so dass die Venenklappen wieder richtig schließen und das Blut nach oben befördern können. Dazu wird ein 3 cm langer Schnitt in der Leiste vorgenommen, die geschädigte Vene freigelegt und mit einer 0,2 mm dünnen Kunststoffhaut, dem VenoPatch, ummantelt. Der VenoPatch wird durch Einzelknopfnähte fixiert und wirkt somit wie ein innerer Kompressionsstrumpf. In einer nur halbstündigen OP kann auf diese Weise die Vene rekonstruiert und der Blutrückfluss verhindert werden. Die Vene kann sich erholen. Für den in der Regel ambulant durchgeführten Eingriff ist nur eine leichte Vollnarkose nötig.

Venenerhaltende Therapie nutzt Risikopatienten

Während bei den herkömmlichen Therapien die Krampfadern zerstört oder entfernt werden, ermöglicht die extraluminale Valvuloplastie mit dem VenoPatch den Erhalt der Venen. Bei Gefäßverschlüssen am Herzen oder anderen Organen können so die Venen als Bypass-Material genutzt werden. Besonders Diabetiker, Patienten mit Bluthochdruck oder Patienten mit erhöhtem Risiko arteriosklerotischer Gefäßkrankheiten sollten eine venenerhaltende Therapieform wählen. Für Patienten, bei denen das Venenleiden zu weit fortgeschritten ist und die Aussackungen einen Durchmesser von etwa einem Zentimeter überschreiten, ist die Therapie jedoch nicht geeignet.

Quelle: Pressemeldung von Aktion Meditech vom 30. April 2015
  • Weitere Artikel zum Thema
  • MedTech-Fortschritt: OPs bei Älteren weniger risikoreich

    Dank minimalinvasiver Operationstechniken lassen sich heutzutage die OP-Risiken für hochbetagte Patienten deutlich senken, betonten die Experten des Chirurgenkongresses, der vom 26. bis 29. März in München stattfand. Wurden früher etwa Krebspatienten in höherem Alter jenseits der 75 kaum noch operiert, könnten heute bei diesen Patienten Tumore an Speiseröhre, Darm, Magen und Leber oft minimalinvasiv und somit schonend entfernt werden. Auch Rücken-Operationen und künstliche Hüften stellten bei sorgfältiger Prüfung des Einzelfalles für hochbetagte Patienten oft kein unvertretbares Risiko mehr dar. Weiterlesen

  • Neue Studie zeigt: Mitralklappenintervention wirksam

    Die Ergebnisse der COAPT-Studie, die auf dem Kardiologenkongress "Transcatheter Cardiovascular Therapeutics" vorgestellt wurden, bescheinigen der minimal-invasiven Kathetertherapie "MitraClip" Erfolg. An der Studie von Prof. Dr. Gregg Stone von der Columbia Universität in New York hatten 610 Patienten teilgenommen – doppelt so viele wie an der früheren französischen MITRA-FR-Studie. Weiterlesen

  • facebook.com/iammedtech Weiterlesen


©1999 - 2019 BVMed e.V., Berlin – Portal für Medizintechnik