Bluthochdruck

Renale Denervierung - ein Factsheet

Seit rund acht Jahren steht mit der sogenannten „renalen Denervation“ ergänzend zur Medikamenteneinnahme ein operativer Behandlungsansatz für „therapieresistenten Bluthochdruck“ zur Verfügung. Dabei werden überaktive Nierennerven verödet, um den Bluthochdruck dauerhaft abzusenken. Neueste Studien belegen, dass die renale Denervierung wirkt und den Blutdruck zuverlässig senken kann.

Bluthochdruck (Hypertonie) ist eine weit verbreitete Erkrankung des Herz-Kreislauf-Systems. Damit wird der erhöhte Druck in den arteriellen Blutgefäßen bezeichnet. Laut Daten des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung und des Robert Koch-Instituts ist in Deutschland jeder dritte Erwachsene (rund 20 Millionen Personen) betroffen. Das Bluthochdruck-Risiko steigt dabei mit wachsendem Lebensalter an: Jeder Zweite der über 55-Jährigen ist durchschnittlich betroffen, in der Altersgruppe der 70- bis 79-Jährigen haben sogar drei von vier Personen eine Hypertonie.

Als Blutdruck wird der Druck des strömenden Blutes auf die Arterienwände bezeichnet. Die Höhe des Blutdrucks hängt von der Pumpleistung des Herzens und dem Durchmesser der Gefäße ab. Normalerweise steigt der Blutdruck bei körperlicher Anstrengung oder Aufregung an, in Ruhe sinkt er wieder ab. Das Geschehen wird durch komplexe Mechanismen reguliert, wobei Blutgefäße, biochemische Botenstoffe (Hormone) und das Nervensystem zusammen wirken. Die Mechanismen sind bis heute nur teilweise geklärt. Ist das System gestört und der Blutdruck auch in Ruhe dauerhaft erhöht, wird es ungesund für den Betroffenen. Insbesondere Erbanlagen und der persönliche Lebensstil mit Faktoren wie Bewegungsmangel, ungesunde Ernährung, Übergewicht und Stress tragen entscheidend zur Entstehung von hohem Blutdruck bei.

Bluthochdruck erkennen und Folgeerkrankungen vermeiden

Etwa die Hälfte aller Todesfälle in Deutschland geht auf Krankheiten des Herz-Kreislauf-Systems zurück. Bluthochdruck – als einer der wichtigsten Risikofaktoren – ist in den häufigsten Fällen daran beteiligt. Das Tückische am Bluthochdruck ist, dass er zunächst keine Beschwerden verursacht und oft über Jahre unbemerkt bleibt. Erst sehr hoher Blutdruck löst mitunter Beschwerden aus. Zu den typischen Symptomen zählen Kopfschmerzen (häufig morgens), Schwindel, Übelkeit, Gesichtsrötung, Nasenbluten, Schlaflosigkeit, Abgeschlagenheit, Ohrensausen (Tinnitus), mitunter auch Sehstörungen und Belastungsdyspnoe (Atemnot). Mit einem dauerhaft zu hohen Blutdruck steigt das Risiko für Schäden an lebenswichtigen Organen wie Herz, Gehirn, Nieren und Augen. Herzinfarkt, Herzrhythmusstörungen, Herzleistungsschwäche (Herzinsuffizienz), Schlaganfall, Nierenschwäche oder Einbußen des Sehvermögens gehören zu den möglichen Folgen. Wird der Bluthochdruck rechtzeitig erkannt und gesenkt, kann das Entstehen von Folgeerkrankungen verhindert oder zumindest hinausgezögert werden. Die Lebenserwartung kann damit erheblich gesteigert werden.

Nach Kriterien der World Health Organization (WHO) spricht man von einer arteriellen Hypertonie, wenn der systolische Blutdruck dauerhaft und situationsabhängig ≥ 140 mmHg ist oder ein diastolischer Blutdruck ≥ 90mmHg vorliegt. Der systolische Wert ergibt sich, wenn sich das Herz zusammenzieht und das Blut in die Arterien drückt (Pumpphase). Der diastolische Druck entsteht, wenn sich das Herz entspannt und sich die Herzkammern wieder mit Blut füllen (Erholungsphase). Die Bedeutung von hohem Blutdruck für die Gesundheit wird jedoch nur teilweise durch den Hypertoniegrenzwert von 140/90 mmHg erfasst. Bereits unter diesem Grenzwert kann der Blutdruck das Risiko für Herz- Kreislauferkrankungen erhöhen. Daher gilt als optimal, wenn der Blutdruck ≤120/80 mmHg liegt. Ein Wert zwischen 130/85 mmHg und 139/89 mmHg gilt als „hoch normal“. Zwischen optimal (≤120/80) und hypertensiv (≥140/90) wird der Blutdruck zwar nicht medikamentös gesenkt, aber er ist nicht harmlos. Wegen seiner schleichenden Gefahr für den Organismus sollte daher jeder Bluthochdruck behandelt werden.

Konsequente Behandlung entscheidend

Bei der Behandlung des Bluthochdrucks wird in einem ersten Schritt versucht, mit nichtmedikamentösen, den Lebensstil verändernden Maßnahmen (u. a. Reduzierung Kochsalzzufuhr, Reduzierung des Alkoholkonsums, Nikotinkarenz, Gewichtsreduktion, besserer Umgang mit Stresssituationen) die Ursachen für den Bluthochdruck zu beseitigen. Zur medikamentösen Therapie der Hypertonie, der zweiten Therapiesäule, werden sogenannte Blutdrucksenker gegeben. Es gibt eine ganze Reihe von blutdrucksenkenden Medikamenten, die unterschiedlich wirken. Die Auswahl des geeigneten Medikamentes hängt unter anderem vom Alter, den Vor- und Begleiterkrankungen sowie vom Ansprechen des Blutdrucks auf die Medikamente ab. Medikamente beseitigen in aller Regel nicht die Ursache für Hypertonie, sondern helfen lediglich, den Bluthochdruck in gesunden Grenzen zu halten. Das setzt eine regelmäßige Medikamenteneinnahme und Blutdruckkontrolle voraus. Jedoch nimmt jeder zweite Patient seine Bluthochdruckmedikamente nicht regelmäßig ein und das Risiko für Folgeerkrankungen bleibt. Bei etwa 35 Prozent der Patienten lässt sich zudem in der klinischen Praxis der Bluthochdruck mit diesen Maßnahmen nicht kontrollieren. Hier ist je nach Indikation die Erweiterung des therapeutischen Spektrums – etwa durch interventionelle Verfahren – erforderlich, um das hohe kardiovaskuläre Risiko zu vermindern und den Blutdruck zu senken.

Innovative Therapie

Mit der interventionellen renalen Sympathikusdenervation, kurz renale Denervierung, steht ergänzend zur Medikamenteneinnahme ein minimal-invasives Verfahren zur Behandlung von Patienten mit medikamentös nicht einstellbaren Bluthochdruck-Erkrankungen zur Verfügung. Durch einen speziellen spiralförmigen Katheter werden dabei die überaktiven Nervenstränge rund um die Nierenarterien mittels Radiofrequenz-Energie verödet und somit selektiv deaktiviert.

Von den Nierennerven ausgehend werden Impulse zum Gehirn gesendet. Diese Impulse steuern das sympathische Nervensystem, das eine zentrale Rolle bei der Regulierung des Blutdrucks spielt. Ist die Signalabgabe überaktiv und führt diese zu erhöhtem Blutdruck, können Nierennerven durch hochfrequente Energie verödet werden, wodurch der sympathische Antrieb herabgesetzt und infolgedessen eine nachweisliche und anhaltende Blutdrucksenkung erzielt werden soll. Das Verfahren der Nierennervenablation läuft dabei folgendermaßen ab: Das zugrunde liegende technische System besteht aus einem Generator und einem flexiblen, spiralförmigen Katheter. Der Katheter wird durch die Leistenarterie an der oberen Hüfte eingeführt und von dort aus bis zu den Nierenarterien hochgeschoben, die jeweils links und rechts zu den Nieren abgehen. Ist der Katheter positioniert, wird über vier Elektroden des Katheters simultan Radiofrequenz-Energie (Hitze) abgegeben. Die Energiefreisetzung erfolgt innerhalb von 60 Sekunden und wird per Fußpedal durch den Arzt geregelt, wodurch eine kurze Behandlungsdauer ermöglicht wird. Nachdem die Nierenarterien an allen erforderlichen Stellen verödet /deaktiviert wurden, wird der Katheter entfernt. Die renale Denervierung ist damit ein medizinisches Verfahren, bei dem kein Implantat im Körper zurückbleibt.

Primäres Ziel der Behandlung ist eine bessere Einstellung des Bluthochdrucks und die Senkung der Risiken für kardiovaskuläre Folgeerkrankungen, wenn sich der Blutdruck
nicht allein durch eine Veränderung der Lebensgewohnheiten oder eine medikamentöse Behandlung kontrollieren lässt. Je nach Krankengeschichte, Testergebnissen und Symptomen
entscheidet der behandelnde Arzt gemeinsam mit Bluthochdruckexperten und einer spezialisierten Klinik, ob die renale Denervierung für den Patienten geeignet ist.

Eine kürzlich veröffentlichte Meta-Analyse mit 613.815 Patienten hat gezeigt, dass bereits eine Blutdrucksenkung von 10 mmHg systolisch zu einer Senkung kardiovaskulärer Ereignisse um 20 Prozent, einer Minderung der koronaren Herzkrankheit um 17 Prozent, einer Schlaganfallreduzierung um 27 Prozent und einer Senkung der kardiovaskulären Mortalität um 13 Prozent führt.

Die Daten der randomisierten, Sham-kontrollierten SPYRAL HTN Studien als auch die 3-Jahres Daten des Globalen Symplicity Registers (GSR) belegen, dass der Bluthochdruck mit Hilfe der renalen Denervierung signifikant um mehr als 10mmHg gesenkt werden kann. Dadurch mindert sich das Risiko für Sekundärerkrankungen, und die Lebensqualität der Patienten kann verbessert werden.

Vorteile für die Patienten
  • Bessere Einstellung des Bluthochdrucks und Senkung des kardiovaskulären Risikos für Patienten mit medikamentös nicht einstellbaren Bluthochdruck-Erkrankungen
  • Medizinisches Verfahren, bei dem kein Implantat im Körper zurückbleibt

Fazit
Seit rund acht Jahren steht mit der sogenannten „renalen Denervation“ ergänzend zur Medikamenteneinnahme ein operativer Behandlungsansatz für „therapieresistenten Bluthochdruck“ zur Verfügung. Dabei werden überaktive Nierennerven verödet, um den Bluthochdruck dauerhaft abzusenken. Neueste Studien belegen, dass die renale Denervierung wirkt und den Blutdruck zuverlässig senken kann.

Stand: September 2019

Herausgeber: Aktion Meditech, www.aktion-meditech.de
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