Bluthochdruck

Hypertonie: Studien bestätigen Wirksamkeit der renalen Denervierung

Die renale Denervierung, ein zwischenzeitlich für gescheitert erklärtes Konzept zur minimalinvasiven Behandlung der arteriellen Hypertonie, erhält wieder Auftrieb durch aktuelle Studienergebnisse, die auf einer Tagung der European Society of Cardiology (EuroPCR 2018) in Paris vorgestellt wurden. Mittlerweile gibt es zwei unterschiedliche Katheter, mit denen der Blutdruck bei therapieresistenter Hypertonie deutlich gesenkt werden kann.

Die renale Denervierung erzielt durch die Zerstörung von sympathischen Nervenfasern in den Nierenarterien eine dauerhafte Senkung des Blutdrucks. Dies geschieht mit einem Katheter, der von der Leiste aus in die beiden Nierenarterien vorgeschoben und beim Zurückziehen kurzzeitig erwärmt wird. Der erste Katheter, der jetzt von der Firma Medtronic aus Dublin/Irland klinisch getestet wird, verwendet dafür Radiofrequenz­wellen. Der Katheter der Firma ReCor aus Palo Alto/Kalifornien verwendet Ultraschallwellen.

Die Radiofrequenzablation, die maßgeblich von Michael Böhm von der Universität in Homburg/Saar entwickelt wurde, hatte nach günstigen Ergebnissen in Pilotstudien vor vier Jahren in der ersten größeren randomisierten Studie (Symplicity HTN-3) enttäuscht. Nach einer Fehlerdiskussion unternahm der Hersteller einen neuen Anlauf, der im letzten Jahr bereits mit den Ergebnissen der SPYRAL-HTN-OFF-MED-Studie belohnt wurde. Bei Patienten mit unbehandelter Hypertonie konnte der Blutdruck signifikant gesenkt werden.

Da die renale Innervation im klinischen Alltag eher für Patienten infrage kommt, die bereits mehrere antihypertensive Medikamente einnehmen, durfte man auf die Ergebnisse der SPYRAL-HTN-ON-MED-Studie gespannt sein. Die hat an 25 Zentren in 7 Ländern (mit deutscher Beteiligung) 467 Patienten auf eine renale Ablation oder auf eine Scheinbehandlung randomisiert, bei der zwar ein Katheter in die Nierenarterien vorgeschoben, aber keine Ablation durchgeführt wurde.

Nach den jetzt vorliegenden Ergebnissen der ersten 80 Patienten senkt die renale Denervierung den systolischen und diastolischen Blutdruck gegenüber einer Scheinbehandlung signifikant. Nach den von David Kandzari vom Piedmont Heart Institute in Atlanta und Mitarbeitern in Paris vorgestellten und im Lancet (2018; doi: 10.1016/S0140-6736(18)30951-6) publizieren Daten lag der systolische Blutdruck 6 Monate nach der Behandlung in der 24-Stunden-Messung im Durchschnitt um 9,0 mmHg und in der Einzelmessung in der Praxis um 9,4 mmHg niedriger als vor der Behandlung. Beim diastolischen Blutdruck kam es zu einem Rückgang um 6,0 mmHg beziehungsweise 5,2 mmHg.

Die Behandlung mit dem Ultraschallkatheter war ebenfalls erfolgreich, wie die Ergebnisse der RADIANCE-HTN-SOLO-Studie zeigen, die ein Team um Laura Mauri vom Brigham & Women's Hospital in Boston in Paris vorstellte und ebenfalls im Lancet (2018; doi: 10.1016/S0140-6736(18)31082-1) publizierte.

An der randomisierten Studie hatten an 48 Zentren in 7 Ländern (ebenfalls mit deutscher Beteiligung) 146 Patienten teilgenommen, deren Blutdruck unter der Einnahme von 2 Wirkstoffen nicht kontrolliert werden konnte. Bei allen Patienten wurde der Ablationskatheter in die Nierenarterien vorgeschoben, aber nur bei jedem zweiten Patienten angeschaltet. 2 Monate nach der Behandlung (in der die Patienten nach Möglichkeit auf die Einnahme von Antihypertensiva verzichteten) war es nach der echten renalen Denervierung zu einer Senkung des systolischen Blutdruckes am Tag um 8,5 mmHg gekommen. Die Differenz zur Scheinbehandlung betrug 6,3 mmHg und war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 3,1 bis 9,4 signifikant, und deutlich mehr Patienten konnten zur Kontrolle des Blutdrucks auf Medikamente (20 versus 2 %) verzichten.

Beide Katheter sind in Europa bereits über eine CE-Zertifizierung erhältlich. In den USA müssen die Hersteller noch die Ergebnisse von Phase-3-Studien vorlegen, um eine Zulassung durch die FDA zu erhalten. Der Hersteller Medtronic hat jüngst mit dem SPYRAL HTN Pivotal Trial begonnen. Bei ReCor dürfte es noch etwas länger dauern. In der Zwischenzeit dürften sich die Hypertonologen erste Gedanken darüber machen, welchen Patienten sie die komplikationsarme, aber sicherlich nicht völlig risikolose Behandlung anbieten.

Quelle:
Artikel im Deutschen Ärzteblatt Online vom 27. Mai 2018

Weitere Informationen zum Thema:
Pressemeldung der DHL vom 29. September 2017
Stellungnahme der Task Force „Wissenschaftliche Stellungnahmen und Leitlinien der DHL“
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