Schlafapnoe-Therapie

Atemwegstimulation: Ein neues Behandlungsverfahren für Obstruktive Schlafapnoe

Die Obstruktive Schlafapnoe (OSA) ist eine schlafbezogene Atmungsstörung. Der Atemweg wird blockiert, der Sauerstoffgehalt im Blut sinkt ab. Der unterbrochene Schlaf führt durch das wiederholte Aufwachen zu Tagesmüdigkeit, Antriebsarmut oder auch Depressionen. Die Krankheit kann mitunter lebensbedrohlich sein. Schlagen herkömmliche Behandlungsmethoden nicht an, steht mit der Atemwegstimulation ein modernes medizintechnisches Behandlungsverfahren für Obstruktive Schlafapnoe zur Verfügung. Es handelt sich um ein implantierbares System zur Stimulation der oberen Atemwegsmuskulatur. Die Stimulation wird dabei dem individuellen Atemrhythmus des Patienten angepasst.

Was ist Obstruktive Schlafapnoe?

Obstruktive Schlafapnoe (OSA) ist eine schlafbezogene Atmungsstörung. Sie ist durch wiederholtes Erschlaffen von Zunge und Weichgewebe im Gaumen während des Schlafes gekennzeichnet. Der Atemweg wird dadurch blockiert und sauerstoffreiche Luft kann nicht mehr in die Lunge gelangen. Hierdurch sinkt der Sauerstoffgehalt im Blut ab.
Das Gehirn bemerkt dies und weckt den Körper kurzzeitig auf, um den Atemweg zu öffnen. Somit gelangt kurzzeitig wieder sauerstoffreiche Luft in die Lungen. Häufig blockiert der Atemweg jedoch bald erneut. So kann es in der Nacht zu zahlreichen Blockaden mit folgenden Aufwachreaktionen kommen.



Welche Folgen hat Obstruktive Schlafapnoe?

Der unterbrochene Schlaf führt durch das wiederholte Aufwachen zu Tagesmüdigkeit, Antriebsarmut oder auch Depressionen. Die Symptome können stark variieren und auch bei Männern und Frauen unterschiedlich sein. Durch das Absinken des Sauerstoffgehaltes im Blut können, wenn keine ausreichende Behandlung erfolgt, Folgeerkrankungen wie Bluthochdruck, Herzinfarkte, Schlaganfälle oder auch Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus entstehen. Durch die Müdigkeit am Tage sind Betroffene auch häufiger in Verkehrs- und Arbeitsunfälle verwickelt.

Behandlungsmethoden – Optionen für OSA Patienten

Zur Behandlung der mitunter lebensbedrohlichen Krankheit gibt es verschiedene Methoden.
  • Änderung der Lebensweise: Verringerung des Köpergewichts, regelmäßige körperliche Betätigung, sportliche Aktivitäten, reduzierter Alkoholkonsum oder auch Änderung der Schlafposition
  • Überdruckbeatmung: Offen halten der Atemwege durch kontinuierlich erhöhten Luftdruck mittels CPAP Beatmungsmaske
  • Protrusionsschienen: Mechanisches Freihalten der Atemwege durch individuell geformte Zahnschienen, die den Unterkiefer nach vorne verlagern
  • Anatomie verändernde chirurgische Eingriffe: Entfernen bestimmter Gewebestrukturen aus dem Luftweg oder Verlagerung der Knochenstrukturen des Kiefers

Längst nicht allen Patienten kann mit diesen Maßnahmen geholfen werden. Trotz intensiver Bemühungen stellt beispielsweise die CPAP Therapie oft eine unüberwindbare Hürde dar.

Besonders diesen Patienten bietet die Inspire Therapie eine Lösung! Inspire ist ein implantierbares System zur Stimulation der oberen Atemwegsmuskulatur. Die Stimulation wird dabei dem individuellen Atemrhythmus des Patienten angepasst.

So funktioniert die gezielte Stimulation der Atemwegsmuskulatur.

Das System zur Atemwegstimulation besteht aus einem Atemsensor und einer Stimulationselektrode, die von einem kleinen Generator betrieben werden. Das in einem kurzen Aufenthalt im Krankenhaus eingesetzte System misst kontinuierlich den Atemrhythmus des Patienten im Schlaf. Durch die sanfte Stimulation bestimmter Muskeln werden die Zunge und andere Strukturen bewegt, um die Atemwege offen zu halten während Sie schlafen.

Mit einer kleinen Fernbedienung wird das System einfach vor dem Zubettgehen eingeschaltet und am Morgen, nach dem Erwachen, wieder ausgeschaltet.

Das System wird in einem etwa zweistündigen, chirurgischen Eingriff unter der Haut eingesetzt. In der Regel ist hierfür ein Krankenhausaufenthalt von zwei bis drei Tagen erforderlich. Die Aktivierung der Therapie erfolgt etwa vier Wochen nach dem Eingriff, sobald die Heilung abgeschlossen ist. Hierzu kommen die Patienten zu ihrem Schlafmediziner in die Sprechstunde. Nach weiteren vier Wochen erfolgt die Feineinstellung des Systems im Schlaflabor. Hierzu bleibt der Patient über Nacht in der Klinik. In Abhängigkeit vom Gesundheitszustand wird die Therapie anschließend mindestens einmal pro Jahr in der Sprechstunde des Schlafmediziners kontrolliert.

Die Stimulation wird in der Regel nur gering oder gar nicht vom Patienten wahrgenommen. Für gewöhnlich fühlen die Patienten ein leichtes Kribbeln oder eine leichte Kontraktion der Zungenmuskulatur. Die Stimulation sollte weder schmerzhaft noch unangenehm sein, um den Schlaf nicht zu stören. Die Stärke der Stimulation lässt sich individuell vom Patienten selbst einstellen.

Studienlage

Zum Nachweis der Sicherheit und Wirksamkeit der Therapie wurde in den USA und Europa die STAR Studie durchgeführt. Die Ergebnisse der Untersuchung wurden 2014 im New England Journal of Medicine veröffentlicht. Die Inspire Therapie wurde im Jahr 2010 mit der CE- Kennzeichnung versehen und im Jahr 2014 von der US-amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA zugelassen.

Patienten, die an der Untersuchung teilnahmen, zeigten unter der Behandlung eine signifikante Reduktion von Atemaussetzern und eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität.

Weitere Informationen unter www.InspireSleep.com/de
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