Pflege/Pflegeheime

Kliniken, Pflege und Gewerkschaft ziehen an einem Strang

Der Deutsche Pflegerat (DPR), die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di und die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) haben Eckpunkte für die gemeinsame Entwicklung eines Instrumentes zur verbindlichen Bemessung des notwendigen Pflegepersonalbedarfs und der Pflegepersonalausstattung in den Kliniken vorgelegt. Ziel ist es, dauerhaft ein Instrument zur Bemessung des notwendigen Pflegepersonalbedarfs in Krankenhäusern zu entwickeln, das unterschiedliche Patientengruppen und Leistungsfelder berücksichtigt. Es soll sich an den Standards der qualitativ hochwertigen Patientenversorgung orientieren und hohe Patientensicherheit gewährleisten. Bis zum 31. Dezember 2019 wollen die drei Partner einen Vorschlag für ein Pflegepersonal-Bemessungsverfahren vorstellen und dieses dem Bundesgesundheitsministerium präsentieren. Die Partner erwarten, dass das Ministerium den Vorschlag aufnimmt und diesen in einer Regierungskommission unter Beteiligung von DPR, DKG und ver.di berät.

DKG-Präsident Dr. Gerald Gaß betonte, dass die Einsparungen beim Personal durch die politischen Rahmenbedingungen vorgegeben wurden. Ein Problem sei die Unterfinanzierung bei den Investitionen durch ausbleibende Investitionsmittel der Bundesländer. Zwischen 2014 und 2017 haben hier alleine 12 Milliarden Euro gefehlt. Ein zweites Problem sei der fehlende Tarifausgleich. Die Löhne seien stärker als die Erlöse gestiegen. Dadurch sei eine Finanzierungslücke von weiteren 11 Milliarden Euro entstanden. Die Folge seien Mehrbelastungen für das Personal gewesen.

Die Politik habe Pflegepersonaluntergrenzen eingeführt, die aber zu einem großen Bürokratieaufwand führen. Wichtiger als Untergrenzen seien nun Instrumente zur Pflegepersonal-Bemessung, die sich an anerkannten medizinisch-pflegerischen Standards orientieren, so Gaß. "Wir benötigen die Orientierung am Bedarf, nicht an einem beliebig festgelegten Grenzwert für Gefährdung."

Sylvia Bühler, Bundesvorstand der Gewerkschaft ver.di, formulierte das Ziel einfacher: "Arbeit im Krankenhaus darf nicht krank machen. Die Arbeitsmenge muss in gutem Verhältnis zur Personalausstattung stehen." Das vorhandene Pflegepersonal müsse dringend entlastet werden. Sie sprach von 80.000 zusätzlichen Vollzeitstellen, die in der Pflege erforderlich seien. "Eine verbindliche Personalausstattung, die sich am Pflegebedarf orientiert, ist das wirksamste Mittel gegen den Fachkräftemangel", ist Bühler überzeugt. Andrea Lemke vom Deutschen Pflegerat formulierte als Ziel, eine Personalausstattung sicherzustellen, die dem Leistungsgeschehen des Krankenhauses gerecht wird sowie die Qualität der Leistungserbringung und die Patientensicherheit berücksichtigt.
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