3D-Laparoskopie

Bauchspiegelungen: Moderne Medizintechnologie ermöglicht dem Arzt räumliches Sehen

Chirurgische Eingriffe sind durch die Entwicklung der Bauchspiegelung, auch Laparoskopie genannt, wesentlich risikoärmer für die Patienten geworden. Bei der Laparoskopie werden die Bauchhöhle und die darin liegenden Organe mit speziellen Stablinsen-Optiken durch kleine, vom Chirurgen geschaffene Öffnungen in der Bauchdecke sichtbar gemacht und auf einem Monitor dargestellt. Eine herausragende Entwicklung ist das 3D-HD Laparoskopie-System, das lebendige, detailgetreue Bilder ermöglicht, die einem natürlichen dreidimensionalen Sehen entsprechen. Aktion Meditech sprach mit Dr. Andreas Kuthe, Chefarzt der Chirurgie am DRK-Krankenhaus Clementinenhaus in Hannover, unter anderem über die Fortschritte, die die 3D-Darstellung für Patient und Arzt bietet.

Bei welchen chirurgischen Eingriffen kann die Laparoskopie angewendet werden?

Prinzipiell kann die laparoskopische Technik bei allen bauchchirurgischen Eingriffen zum Einsatz kommen. So werden in Deutschland rund 90 Prozent aller Gallenblasenentfernungen laparoskopisch durchgeführt, über 90 Prozent der Blinddarmoperationen sowie über 60 Prozent der Leistenbruchoperationen. Zudem sind es fast 100 Prozent der Eingriffe bei krankhafter Adipositas, ebenso bei Zwerchfellbrüchen. Im Bereich der Leberchirurgie, der Speiseröhrenchirurgie und der Bauchspeicheldrüsenchirurgie werden hingegen nur wenige Eingriffe in laparoskopischer Technik operiert.

Welche Vorteile hat diese „Schlüssellochchirurgie“ für den Patient?

Die Schlüssellochchirurgie vermeidet den „großen“ Bauchschnitt zur Durchführung der Operationen. Daraus resultieren weniger Schmerzen, weniger Wundheilungsstörungen und weniger Narbenbrüche. Zudem werden durch Verwachsungen im Bauch hervorgerufene Probleme reduziert. Die Liegezeit im Krankenhaus verkürzt sich ebenso wie die postoperative Erholungsphase. Der Patient kann schneller wieder normal essen und sich normal belasten.

Welche Rolle spielt hier die zum Einsatz kommende Optik?

Die Optik spielt bei allen laparoskopischen Eingriffen eine zentrale Rolle. Je besser die optische Darstellung, desto exakter die Operation, desto weniger technische Probleme und damit Komplikationen.

Welche Verbesserung bringt das 3D-HD Laparoskopie-System dem Arzt im Hinblick auf die Operation? Ermöglicht die Technik den Chirurgen in Ihrer Klinik ein präziseres und effektiveres Arbeiten bei einem Eingriff?

Bis zur Entwicklung der 3D-Technologie operierte der Chirurg im dreidimensionalen Raum mit zweidimensionaler Darstellung. Da die Tiefe des Raumes nicht erkennbar war, waren die Bewegungen nicht immer exakt, insbesondere kompliziertere Arbeitsschritte waren daher nicht nur schwierig, sondern brauchten eine lange Einarbeitungszeit. Mit der 3D-Technologie wird nun der Arbeitsraum richtig dargestellt. Alle Arbeitsschritte sind nach einer gewissen Eingewöhnungsphase damit erheblich exakter möglich, die Instrumente sind erheblich präziser einsetzbar und der Chirurg ist am Ende des Eingriffs deutlich weniger ermüdet. Die OP-Zeiten verkürzen sich insbesondere bei komplexen Eingriffen bei besserer Qualität. Ein weiterer wesentlicher Vorteil ist die verkürzte Lernkurve für die jungen Chirurgen.

Wie würden Sie das “Seherlebnis“ mit dieser Technik beschreiben – auch im Hinblick auf die Beurteilung des Operationsverlaufs?

Das Seherlebnis durchläuft meiner Erfahrung nach verschiedene Phasen. Zuerst ist da die Faszination, wenn man zum ersten Mal zuschaut. Dann folgt eine gewisse Ernüchterung, wenn man das System zum ersten Mal anwendet, denn als Chirurg muss man sich daran gewöhnen. Nach einer Weile findet man es gut, denn man merkt, dass Schwieriges einfacher funktioniert. Und letztlich ist man begeistert, wenn man feststellt, dass alles schneller geht bei besserer Qualität. Am Ende eines OP-Tages nach mehreren Eingriffen ist man noch so fit wie beim ersten.

Wo sehen Sie die konkreten Vorteile für den Patienten?

Die Patienten profitieren in vielfältiger Weise durch einen schnelleren Eingriff, eine bessere Qualität insbesondere bei komplexen Operationen sowie daraus resultierend weniger Komplikationen. Auch schwierigere Operationen sind so laparoskopisch möglich.

Quelle: Pressemeldung Aktion Meditech vom 30. Mai 2017
  • Weitere Artikel zum Thema
  • facebook.com/iammedtech Weiterlesen

  • Adipositas: Bedeutung für Patienten und das Gesundheitssystem

    In Deutschland gibt es rund 4,5 Millionen Menschen mit Adipositas - Body-Maß-Index (BMI) über 35. Davon gelten 1,4 Millionen als morbid adipös (BMI ≥40). Innerhalb der letzten 15 Jahre ist die Zahl morbid adipöser Erwachsener um 110 Prozent gestiegen. 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland sind übergewichtig, 6,3 Prozent davon sind adipös. Adipositas und ihre Begleiterkrankungen kosten das deutsche Gesundheitssystem jährlich doppelt so viel wie die Folgen von Alkoholkonsum. Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern besteht in Deutschland eine Unterversorgung an nachhaltigen und ganzheitlichen Therapieangeboten. Krankenkassen und viele Ärzte betrachten Adipositas nicht als Krankheit, sondern als Lebensstilproblem oder begünstigenden Risikofaktor für Erkrankungen. Dadurch erhalten gesetzlich versicherte Patienten keine durchgängige, langfristig angelegte Therapie. Weiterlesen

  • Ein hoher Body-Mass-Index (BMI) ist noch gefährlicher als bisher angenommen: Das Risiko, an Herzkreislauf-Leiden zu erkranken, steigt mit zunehmendem Gewicht. Bei übergewichtigen Menschen ist es im Vergleich zu Menschen mit einem normalen BMI doppelt so hoch, bei schwer übergewichtigen Menschen sogar mehr als zehnfach höher als bei Normalgewichtigen. Zu diesem Ergebnis kommt eine groß angelegte Studie aus Europa und den USA, die jetzt aktuell im Fachmagazin Lancet Public Health veröffentlicht worden ist. Weiterlesen


©1999 - 2017 BVMed e.V., Berlin – Portal für Medizintechnik