Gesundheitspolitik

Mitgliederversammlung in Königswinter: BVMed-Vorsitzende Cornelia Gröhl fordert innovationsfreundlichere Rahmenbedingungen

Innovationsfreundlichere Rahmenbedingungen für neue medizintechnische Produkte und Therapien hat die BVMed-Vorstandsvorsitzende Cornelia Gröhl auf der Mitgliederversammlung des Verbandes in Königswinter gefordert. "Die Industrie benötigt Planungssicherheit. Dies gilt vor allem für eine Branche, die in erster Linie von Forschung, Entwicklung und Innovationen lebt", sagte die BVMed-Vorsitzende.

Mit den derzeitigen Rahmenbedingungen werde es nicht möglich sein, die medizinisch notwendige und ausreichende Versorgung der Bevölkerung mit Medizinprodukten und Medizintechnologien in Zukunft zu gewährleisten. Frau Gröhl weiter: "Bei der künftigen Neuausrichtung des deutschen Gesundheitssystems müssen innovative Medizintechnologien eine viel stärkere Rolle spielen als bisher - und können dann vielleicht auch entlastend wirken, wenn tradierte Methoden abgelöst werden." Oftmals werde die große Bedeutung der Medizinprodukte für das Gesundheitswesen nicht ausreichend gewürdigt. Daraus leiten sich Fehlentwicklungen ab, die vermieden werden könnten. Der BVMed habe deshalb seit Anfang 2000 das Thema "Die Bedeutung von Medizinprodukten für das deutsche Gesundheitswesen" in den Mittelpunkt seiner Aufklärungsarbeit gestellt.

Die Forderungen der Industrie im Zuge dieser Informationskampagne fasste die BVMed-Vorsitzende wie folgt zusammen:

Innovationen in der Medizintechnologie müssen in Deutschland stärker gefördert und schneller in die Leistungskataloge der Kassen aufgenommen werden.

Ziel muss es sein, medizintechnische Innovationen allen Patienten, die sie benötigen, ohne Verzögerung zur Verfügung zu stellen.

Das muss inbesondere deshalb geschehen, weil innovative Verfahren oft auch zu einer wirtschaftlicheren Versorgung der Patienten beitragen (Beispiel: moderne Wundversorgung) bzw. dem Krankenhaus helfen, die Liegezeiten der Patienten erheblich zu reduzieren (Beispiel: minimalinvasive Chirurgie), ohne dass die Qualität der medizinischen Versorgung leidet.

Frau Gröhl forderte in ihrer Rede auch, "Innovationsbremsen" im heutigen System zu beseitigen. Als solche Bremsen wirken beispielsweise die sektorale Budgetierungspolitik, die undurchsichtige und langwierige Bewertung medizinischer Verfahren durch die Bundesausschüsse oder die uneinheitliche strafrechtliche Verfolgung beim Sponsoring im Gesundheitswesen. "Diese Aspekte gefährden den medizinischen Fortschritt in Deutschland und sind damit von Nachteil für eine optimale Patientenversorgung".

Zur wirtschaftlichen Entwicklung der Medizinproduktebranche führte die BVMed-Vorsitzende aus, dass der gemeldete Umsatz der über 170 BVMed-Mitgliedsunternehmen im Jahr 2000 zwar um 5,7 Prozent über dem Ergebnis von 1999 gelegen habe, dass diese zunächst beeindruckende Zahl bei näherem Hinsehen aber nicht bestehen bleibe.

Rechne man die Umsätze neu hinzu gekommener Mitglieder heraus, käme man auf ein "natürliches Wachstum" von nur 1,7 Prozent. Dieser Wert liege deutlich unter dem allgemeinen Wirtschaftswachstum von 3 Prozent im Jahr 2000.

Zudem sei das Jahr 2000 aufgrund des hohen Dollarkurses ein außergewöhnlich gutes Jahr für Exporte gewesen.

Die Umsätze sagen auch nichts über die Erträge aus. Durch den anhaltenden Druck der Gesetzlichen Krankenkassen auf die Herstellerpreise und durch die stark gestiegenen Rohstoff- und Energiepreise bleibe die Ertragslage der Medizinproduktebranche weiterhin stark angespannt.

Beim Inlandswachstum sei festzustellen, dass sich die Marktentwicklung im vierten Quartal 2000 und zu Beginn des Jahres 2001 deutlich abgeschwächt habe.

Die BVMed-Vorsitzende: "Dies alles lässt natürlich keine Euphorie aufkommen, sondern zeigt, dass wir uns großen Herausforderungen zu stellen haben. Vor diesem Hintergrund gewinnt natürlich die aktuelle und künftige gesundheitspolitische Entwicklung besonderes Gewicht."

Cornelia Gröhl ist Mitglied der Geschäftsführung der Ethicon GmbH und Geschäftsführer des Geschäftsbereichs Johnson & Johnson Medical. Sie ist im April 2000 als Nachfolgerin von Dr. Reinhard Bauer, ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Paul Hartmann AG, gewählt worden. Der BVMed vertritt als Wirtschaftsverband mehr als 170 Unternehmen der Medizinprodukteindustrie, die über 30.000 Mitarbeiter und einen Jahresumsatz von über 7 Mrd. DM repräsentieren.

Der vollständige Redetext kann im Internet (www.bvmed.de) unter der Rubrik "Publikationen" abgerufen werden.

Digitale Bilder zur BVMed-Mitgliederversammlung befinden sich im Internet unter der Rubrik "Bilderpool/Veranstaltungen".
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