Dekubitus

IGSF-Studie bei niedergelassenen Ärzten: Versorgung von Patienten mit chronischen Wunden ist mangelhaft

Nach wie vor werden in Deutschland Patienten mit chronischen Wunden nur unzureichend mit modernen Wundversorgungsprodukten versorgt, obwohl fast 90 Prozent der Ärzte diese bevorzugt einsetzen möchten. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Instituts für Gesundheits-System-Forschung (IGSF) in Kiel im Auftrag des Bundesverbandes Medizintechnologie (BVMed), an der sich über 850 niedergelassene Ärzte beteiligten. Als Begründung, warum die Durchführung einer modernen Wundversorgung nicht im erforderlichen Umfang möglich ist, wurden vor allem das Richtgrößenvolumen (83 Prozent), eine unzureichende Abbildung im EBM (49 Prozent), die gesundheitspolitischen Rahmenbedingungen (43 Prozent) und eine Ablehnung durch die Krankenkassen (33 Prozent) genannt.

Um eine flächendeckende bedarfsgerechte Wundversorgung sicherzustellen, halten 66 Prozent der befragten Ärzte eine Modifizierung des EBM für eine erforderliche Maßnahme. Etwa 60 Prozent sind der Ansicht, dass die Berücksichtigung der Versorgung chronischer Wunden als Praxisbesonderheit eine geeignete Maßnahme wäre.

Das IGSF hatte im Herbst 2006 im Auftrag des BVMed eine Meinungsumfrage zur Versorgung von Patienten mit chronischen Wunden (Dekubitus, Ulcus cruris, Diabetisches Fußsyndrom) bei 20.000 zufällig ausgewählten niedergelassenen Ärzten für Allgemeinmedizin bzw. praktischen Ärzten, Internisten, Chirurgen und Dermatologen durchgeführt. Insgesamt haben 853 Ärzte (4,3 Prozent) den ausgefüllten Fragebogen zurückgeschickt. 62,9 Prozent der Ärzte waren Ärzte für Allgemeinmedizin bzw. praktische Ärzte, 15,9 Prozent Internisten, 12,0 Prozent Chirurgen und 9,2 Dermatologen. Die Ergebnisse der Umfrage können zwar nicht die Situation aller Patienten mit chronischen Wunden in Deutschland repräsentieren, geben jedoch deutliche Hinweise auf die Versorgungssituation.

Obwohl 40 Prozent der teilnehmenden Ärzte selbst moderne Wundversorgungsprodukte einsetzen, schätzen nur etwa 16 Prozent die Versorgungsqualität in Deutschland als gut oder sehr gut ein. Ein Viertel der Ärzte sieht die Versorgungsqualität sogar als ungenügend an. Lediglich vier Prozent der Ärzte gehen davon aus, dass alle Patienten mit chronischen Wunden ärztlich versorgt werden. Etwa 70 Prozent der teilnehmenden Ärzte sind der Meinung, dass die Gesamtkosten der Behandlung von Patienten mit chronischen Wunden durch den Einsatz moderner Wundversorgungsprodukte verringert werden können. Eine Verbesserung der Patientencompliance durch die Verwendung moderner Wundversorgungsprodukte sehen sogar beinahe 90 Prozent der befragten Ärzte.

Der überwiegende Teil der Ärzte (87,4 Prozent) hat pro Quartal einen Anteil von Fällen mit chronischen Wunden von bis zu 10 Prozent. Nur etwa 1,3 Prozent der Ärzte haben angegeben, dass sie keine Patienten mit chronischen Wunden versorgen und nur 2,2 Prozent haben einen Anteil von Patienten mit chronischen Wunden, der bei mindestens 20 Prozent liegt. Dies bedeutet, dass sich grundsätzlich jeder Arzt mit der Versorgung chronischer Wunden auseinandersetzen muss.
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