eHealth

Gesprächsrunde im Forum eStandards mit den Plattform-Anbietern, eCl@ss und GS1 Germany: „eBusiness-Standards im Gesundheitsmarkt jetzt umsetzen!"

Die Standards für die Klassifizierung von Medizinprodukten und für den Stammdatenaustausch liegen vor und sollten jetzt flächendeckend genutzt werden. Das war das Fazit einer Gesprächsrunde des „Forum eStandards“ im BVMed am 15. Juni 2011 in Berlin. Gesprächspartner waren Experten der vier Plattform-Betreiber im Gesundheitsmarkt und der Standardisierungs-Organisationen eCl@ss und GS1 Germany. Die Anbieter der vier Plattformen für die elektronische Beschaffung im Gesundheitsmarkt GHX, GSG, HBS und Medical Columbus unterstützen die Umsetzung des Klassifizierungssystems eCl@ss und des Übertragungsformats GS1 XML. Voraussetzung: Die Standards liegen verbindlich vor und werden von den Plattform-Nutzern aktiv gefordert.


Das „Forum eStandards“, bestehend aus den Vertretern von sieben Krankenhaus-Einkaufsgemeinschaften und Unternehmen des BVMed, hat sich zum Ziel gesetzt, die Geschäftsprozesse zwischen Krankenhäusern und Medizintechnik-Unternehmen durch den Einsatz von eBusiness-Standards zu optimieren. Dafür hat das Forum in den Jahren 2009 und 2010 Branchenpapiere zu den Themen „Klassifizierung“, „Produktstammdaten-Austausch“ und „EDI, Provider und Standards“ veröffentlicht. Für die Klassifizierung der Produkte wird das eCl@ss-System empfohlen, für den Austausch der Stammdaten das Format GS1 XML. In der Version 7.0 bietet die eCl@ss-Sachgruppe 34 jetzt eine erweiterte Abbildung des Medizinprodukte-Spektrums. Der Standard für den Stammdatenaustausch GS1 XML wird in Kürze in aktualisierter Fassung auf der Homepage der GS1 zum Download zur Verfügung stehen.

Alexander Ulmer von der Dienstleistungs- und Einkaufsgemeinschaft Kommunaler Krankenhäuser (EKK eG) verkündete, dass der erste standardisierte Produktstammdaten-Austausch, in Form einer GS1 XML, mit einem Lieferanten erfolgreich durchgeführt wurde. In naher Zukunft will die EKK eG dieses Betätigungsfeld verstärkt ausbauen und elektronischen Datenaustausch mit weiteren Lieferanten anstreben.

Im Frühjahr 2011 haben die Krankenhaus-Einkaufsgemeinschaften außerdem ihre Absicht erklärt, sich für den Erwerb individueller GS1-Lokationsnummern (Global Location Number – GLN) durch ihre Häuser einzusetzen und so einen weiteren Meilenstein auf dem Weg zu einem stringenten Geschäftsdatenaustausch gesetzt.

Die Lösungsansätze zur Prozessoptimierung sind geschaffen. Am 15. Juni 2011 tauschten sich die Mitglieder des Forums mit den Plattform-Betreibern und Standardisierungsorganisationen darüber aus, ab wann nun die faktische Umsetzung erfolgen kann und welche Voraussetzungen dafür zu erfüllen sind. Die Plattform-Betreiber bestätigten, dass sie alle in der Lage sind, den eCl@ss-Standard in der vierstufigen Hierarchie zu unterstützen und dies tun werden: ab jetzt oder zu dem Zeitpunkt, wo es von den Krankenhaus-Kunden gefordert wird. Auch die Merkmale sollen bei Bedarf unterstützt werden. Ebenso wurde bestätigt, dass das Katalogaustauschformat GS1 XML eingelesen und verarbeitet werden kann.

Thomas Klein, Leiter Konzerneinkauf im Universitätsklinikum Düsseldorf und Vertreter der Einkaufsgemeinschaft der Universitätskliniken EK-UNICO, fasste zusammen: „Ich darf festhalten, dass alle hier anwesenden Markteilnehmer die GS1-Standards sowie die Klassifikation nach eCl@ss als gemeinsamen Standard für uns akzeptieren und unterstützen. Es gibt keine weitere Diskussion über das Vorhandensein von Standards, sondern nur das Thema Umsetzung der GS1 Standards und der eCl@ss-Klassifikation im Gesundheitsmarkt. Alle anwesenden Dienstleister können die vierstufige eCl@ss-Struktur als auch die Merkmale unterstützen, verarbeiten und liefern sowie das Katalogaustauschformat GS1 XML einlesen und verarbeiten.“ Klein forderte die Verantwortlichen im Forum dazu auf, nun in ihren Gremien Überzeugungsarbeit zu leisten und die Anwendung der Standards − auch für die Identifizierung der Produkte mit dem GS1-Identifikationscode GTIN (Global Trade Item Number) − zu fördern: „Nun müssen die Führungsetagen in der Industrie von der Strukturierung der Daten nach eCl@ss sowie von den Vorteilen der Nutzung der GLN und der GTIN überzeugt werden und diese im GS1 XML den Plattformen bzw. den Krankenhäusern zur Verfügung stellen. Die Krankenhäuser und Einkaufsgemeinschaften werden das Thema auf die Ebene der Klinik-Verwal-tungsdirektoren heben, den Einsatz der GLN im Krankenhaus vorantreiben sowie die GTIN und die eCl@ss-Klassifikation umsetzen. Wir alle werden die gemeinsam festgelegten eBusiness-Standards aktiv unterstützen und deren Umsetzung vorantreiben.“

GS1 Germany sagte entsprechende Unterstützung zu, insbesondere durch Schulungsangebote und die erforderliche Überzeugungsarbeit bei den Geschäftsleitungen der Krankenhäuser. Auf großen Zuspruch der Forums-Teilnehmer stießen die Aussagen von Jörg Pretzel, Geschäftsführer von GS1 Germany, und Thomas Einsporn, Geschäftsführer von eCl@ss, die sich bereit erklärten, über eine Vereinheitlichung ihrer Systeme zur Beschreibung von Produktgruppen und ggf. die Einbindung ihrer lokalen und globalen Gremien nachzudenken. Derzeit bestehen sowohl innerhalb von eCl@ss also auch in der „Global Product Classification“ (GPC) der GS1 (Stand: 1. Dezember 2010) Standards zur Beschreibung verschiedenster Produktgruppen in zahlreichen Sprachversionen. Die Mitglieder des Forums betonten ihr reges Interesse daran, eCl@ss bei der Medizinprodukte-Klassifizierung auch international die Federführung zu geben. Das System hat bereits einen vergleichsweise hohen Professionalisierungsgrad. Mit dem Release 7.0 entspricht eCl@ss außerdem internationalem ISO-Standard.

Zum Ende der Veranstaltung betonten die Anwesenden, dass die Marktteilnehmer jetzt die Aufgabe haben, die „Standards zum Standard zu machen“. Dabei sollten technische Herausforderungen oder Unsicherheiten im Detail nicht die grundsätzlich sinnvollen Empfehlungen in Frage stellen. Sicher sei, dass die Standards als „lebende Systeme“ immer wieder Anpassungen und Überarbeitungen erfahren werden.

Weitere Informationen zum Thema gibt es unter:
http://www.bvmed.de/themen/ehealth/e-health/

Medienkontakt:
Manfred Beeres
Leiter Kommunikation/Pressesprecher
Tel: 030 246 255-20
E-Mail: beeres(at)bvmed.de
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