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Expertengespräch in Berlin: Hydroaktive Wundauflagen in der Praxis unumstritten

"Die Relevanz von hydroaktiven Wundauflagen bei der Versorgung chronischer Wunden ist in der Praxis unumstritten", fasste Daniela Piossek, Leiterin des Referats Krankenversicherung beim Bundesverband Medizintechnologie (BVMed), ein Expertengespräch zur Wundversorgung zusammen. Der BVMed hatte am 20. August 2013 Kassenvertreter, medizinische Experten und Vertreter der Industrie unter dem Motto "Vom Mull in die Moderne? Neue Studie belegt Vorteile moderner Verbandmittel bei der Versorgung chronischer Wunden" zum Austausch nach Berlin geladen.

Prof. Dr. Matthias Augustin, Direktor des Instituts für Versorgungsforschung in der Dermatologie und bei Pflegeberufen (IVDP) am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, stellte die Ergebnisse einer Metaanalyse vor, die die Vorteile hydroaktiver Wundauflagen gegenüber konventionellen Therapien dokumentiert. Das Ergebnis der Studie: "Hydroaktive Wundauflagen sind in der Therapie chronischer Wunden den konventionellen Wundauflagen hinsichtlich der Abheilungsrate überlegen." Prof. Augustin plädiert allerdings für weitergehende Studien guter Methodik. Sie seien notwendig, um den beobachteten generellen Effekt auf der Ebene einzelner Wundarten und Behandlungssituationen zu prüfen.

Darüber hinaus würden bei der Versorgung chronischer Wunden hydroaktive Auflagen nicht immer adäquat eingesetzt. Dies belaste die Krankenkassen, ohne eine Verbesserung der Versorgung zu erzeugen. Um nicht nur die Heilungsaussichten zu verbessern, sondern auch Einsparungen für die Krankenkassen zu generieren, müssten moderne Wundauflagen entsprechend der Indikation zum Einsatz kommen, so Augustin.

Neben den Ergebnissen der Metastudie sorgte vor allem die Versorgungsrealität in Deutschland für Diskussionen. Der Einsatz moderner Wundauflagen sei zweifellos eine wichtige Behandlungsoption für eine erfolgreiche Wundbehandlung, äußerten sich die Vertreter der auf dem Expertengespräch anwesenden Krankenkassen positiv über hydroaktive Wundauflagen. Im Versorgungsalltag – vor allem im Zusammenspiel der beteiligten Berufsgruppen – bestünde aber noch erheblicher Handlungsbedarf. Zur Verbesserung der Versorgungssituation haben Krankenkassen die Zusammenarbeit mit Pflegeberatern in den letzten Jahren daher deutlich ausgebaut.

Kooperation statt Konfrontation

"Wichtige Themen für eine bessere Versorgung chronischer Wunden sind daher die Weiterbildung und Qualifizierung im Bereich chronischer Wunden. Nur so lassen sich die strukturellen Defizite weiter ausräumen", so Daniela Piossek.

In Zukunft soll der beim Expertengespräch angestoßene sachliche und konstruktive Austausch zwischen Krankenkassen, Industrie und anderen Akteuren des Gesundheitswesens daher fortgeführt werden. Nur auf dem Wege der Kooperation aller Beteiligten lasse sich das Ziel einer verbesserten Patientenversorgung erreichen, so die einhellige Meinung der Gesprächsteilnehmer.
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